New Start vor Aus: Ende der Limits

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Der Rüstungskontrollvertrag New Start zwischen Russland und den USA läuft diese Woche aus. Russland erneuerte sein Angebot, sich temporär weiter an den Vertrag zu halten.

Aktualisiert am 3. Februar 2026, 13:23 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, AFP,

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 Der stellvertretende russische Außenminister Sergej ‌Rjabkow will sich nicht auf ein neues Wettrüsten mit den USA einlassen.
Ein russisches Atom-U-Boot: Der stellvertretende russische Außenminister Sergej ‌Rjabkow will sich nicht auf ein neues Wettrüsten mit den USA einlassen. © Alexander Kazakov/​Sputnik/​Reuters

Die russische Führung hat ihr Angebot an die USA erneuert, sich ein weiteres Jahr an die Bestimmungen des auslaufenden Atomwaffenkontrollvertrags New Start zu halten. Der Vorschlag von Staatschef Wladimir Putin liege noch auf dem Tisch, bisher gebe es aber keine Antwort aus den USA dazu, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge. 

Die Zeit dränge, und "buchstäblich in ein paar Tagen wird die Welt wohl in einer gefährlicheren Lage sein, als sie es bisher war", sagte Peskow. Der Vertrag läuft an diesem Donnerstag aus. Er war zuletzt 2021 verlängert worden. Nach dem Angriff auf die Ukraine und zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA hatte Putin im Jahr 2023 entschieden, den Vertrag zu "suspendieren", also Russlands Teilnahme ruhen zu lassen. Zugleich versicherte die russische Führung damals, sich weiter an die Obergrenze bei Atomwaffen halten zu wollen.

"Das Fehlen einer Antwort ist auch eine Antwort"

Der stellvertretende russische Außenminister Sergej ‌Rjabkow kommentierte die bislang ausgebliebene Reaktion der USA laut der Nachrichtenagentur Tass mit den Worten: "Das Fehlen einer Antwort ist auch eine Antwort." Die Regierung in Moskau sei bereit für die "neue Realität" ‍einer Welt ohne Rüstungskontrollgrenzen. Russland werde sich nicht auf ein neues Wettrüsten einlassen oder "Provokationen" beugen. 

Die Modernisierung der russischen nuklearen Triade sei bereits sehr weit fortgeschritten, ‍meldete die Agentur Ria unter Berufung auf Rjabkow. Damit sind atomare Raketen gemeint, die vom Boden, von U-Booten oder Flugzeugen aus gestartet werden können.

Obergrenze und Kontrollbesuche

Mit ⁠dem Ende von New Start gäbe es erstmals seit Jahrzehnten keine Obergrenzen mehr für die Arsenale der ⁠beiden größten Atommächte der Welt. Der Vertrag ⁠war 2010 von den damaligen Präsidenten Barack Obama und ‌Dmitri Medwedew unterzeichnet worden. Die Abkürzung steht dabei für die englische Bezeichnung des Abkommens "Strategic Arms Reduction Treaty". 

Die USA und Russland verpflichteten sich damit, ihre atomaren Sprengköpfe jeweils auf maximal 1.550 zu verringern – 30 Prozent weniger als 2002 vereinbart und 74 Prozent unter dem Ziel des ursprünglichen Startvertrags von 1991. Zudem wollten beide Seiten ihre Trägerraketen und schweren Bomber auf maximal 800 begrenzen. Der Vertrag erlaubte darüber hinaus beiden Parteien gegenseitige Kontrollbesuche. Obama lobte den Vertrag damals als "bahnbrechend".

Trump will China einbeziehen

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt betont, er wolle ein neues Vertragswerk unter Einbeziehung Chinas. Die Regierung ⁠in Peking lehnt dies ab. Rjabkow sagte, in Fragen der ‍Rüstungskontrolle unterstütze Russland die Position Chinas. Staatschef Wladimir Putin hatte Trump im September 2025 vorgeschlagen, das New-Start-Abkommen um ein Jahr zu verlängern. Der US-Präsident nannte Putins Vorstoß zwar "eine gute Idee", danach passierte jedoch nichts. 

In der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump (2017 bis 2021) kündigten die USA mehrere Abrüstungsvereinbarungen mit Russland auf. Nachfolger Joe Biden sprach sich nach seinem Amtsantritt im Januar 2021 für den Vorstoß des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow aus, das Abkommen zu verlängern. Kurz vor Auslaufen von New Start im Februar 2021 stimmte die russische Duma einem von Staatschef Wladimir Putin vorgelegten Gesetz zu, das Abkommen um fünf Jahre zu verlängern. 

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