Netflix: Sprecherverband schaltet Bundeskartellamt wegen KI-Training ein

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Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) weitet sein Vorgehen gegen KI-Training synthetischer Stimmen auf Netflix aus: Nun soll das Bundeskartellamt die KI-Klauseln in den Netflix-Verträgen für Synchronsprecher prüfen. Der VDS hat in der vergangenen Woche eine entsprechende Beschwerde eingereicht, teilte er am Donnerstag mit.

Parallel dazu unterstützt der Verband eine Datenschutzbeschwerde mehrerer Sprecher, die Anfang September bei der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit eingereicht wurde. Zu den Beschwerdeführern gehört Matti Klemm, der unter anderem Jason Momoa auf Deutsch spricht. Beide Beschwerden richten sich gegen das KI-Training von Stimmen auf Netflix. Nach Darstellung des Verbands setzt die Branche in ersten Produktionen bereits KI-Stimmen ein, um Sprecher zu ersetzen.

Beim Kartellamt geht es dem VDS um die Frage, ob Netflix seine Marktmacht missbraucht. „Nach unseren Erfahrungen fühlen sich viele Sprecher:innen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, die AOR-Vereinbarung einschließlich der Einwilligung zum KI-Training zu unterzeichnen“, sagt die 1. Vorsitzende Anna-Sophia Lumpe. Damit trügen sie möglicherweise zur Entwicklung von Systemen bei, die ihre eigene Tätigkeit überflüssig machen.

Netflix verlangt in der AOR-Vereinbarung („Assignment of Rights“) laut VDS, dass Synchronsprecher der Firma weitreichende Rechte an ihren Stimmaufnahmen einräumen – einschließlich der Nutzung für KI-Training, der digitalen Bearbeitung und Nachbildung sowie der Erzeugung synthetischer Stimmen.

„Von einer freiwilligen Einwilligung kann kaum die Rede sein, wenn sie faktisch Voraussetzung für die Erteilung von Aufträgen ist“, erklärt Klemm in der Mitteilung des Verbands. Er kritisiert zudem, dass unklar bleibe, was Netflix mit den Daten tatsächlich anfängt. Das gelte auch für Aufnahmen aus der Vergangenheit, die entstanden sind, als eine Nutzung für KI-Training noch gar nicht zur Debatte stand.

Der Streit läuft seit Jahresbeginn. Ein Teil der Sprecher hat die AOR von Netflix unterschrieben, andere verweigern die Unterschrift und werden seitdem nicht mehr von Netflix beauftragt. Mehrere Netflix-Eigenproduktionen erschienen deshalb ohne deutschen Ton.

Innerhalb der Branche ist die Linie des VDS umstritten. Die Schauspielergewerkschaft Bundesverband Schauspiel (BFFS) hat mit Netflix eine eigene KI-Regelung ausgehandelt, deren Bestimmungen in die AOR-Vereinbarung eingeflossen sind, und empfiehlt ihren Mitgliedern weiterhin die Arbeit für den Streamingdienst.

Netflix habe das Gespräch mit dem VDS trotz einer Ankündigung zu Jahresbeginn bislang nicht gesucht, heißt es in der Mitteilung des Verbands.

(dahe)

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