
Netflix bekommt in Italien juristischen Gegenwind, der es in sich hat, gerade für die Abo-Preise. Der Verbraucherverband Movimento Consumatori hat vor dem Gericht in Rom erreicht, dass zentrale Vertragsklauseln von Netflix Italia als unwirksam eingestuft wurden. Es geht um die Abschnitte im Vertrag, mit denen Netflix seit 2017 einseitig Preise und andere Vertragsbedingungen anpassen konnte, ohne im Vertrag einen nachvollziehbaren Grund zu nennen. Das verstößt nach Ansicht des Gerichts gegen den italienischen Verbraucherschutz.
Damit sind die Preiserhöhungen der Jahre 2017, 2019, 2021 und November 2024 für Altverträge kassiert, also für Verträge, die vor Januar 2024 abgeschlossen wurden. Spätere Verträge sind nicht betroffen. Laut Urteil haben frühere und aktuelle Abonnenten Anspruch auf eine Senkung des derzeitigen Abo-Preises, auf Rückzahlung der zu viel gezahlten Beiträge und eventuell auch auf Schadenersatz.
In Italien soll Netflix zwischen 2019 und Oktober 2025 von etwa 1,9 Millionen auf rund 5,4 Millionen Kunden gewachsen sein. Beim Premium-Abo summieren sich die nach Ansicht des Gerichts unzulässigen Erhöhungen auf 8 Euro pro Monat, beim Standard-Abo auf 4 Euro pro Monat, beim Basistarif auf 2 Euro pro Monat seit Oktober 2024. Wer das Premium-Abo seit 2017 ohne Unterbrechung zahlt, kommt laut Verbraucherschützern auf rund 500 Euro Rückerstattung, beim Standard-Abo sind etwa 250 Euro drin. Das sind natürlich Orientierungswerte, im Einzelfall hängt es von Laufzeit und Tarif ab.
Das Urteil geht noch einen Schritt weiter, Netflix muss laut Gericht nicht nur Vergangenes ausbügeln, sondern auch die aktuellen Abopreise anpassen. Konkret heißt das, der aktuelle Preis ist um genau den Betrag der unzulässigen Erhöhungen zu senken. Ein Premium-Kunde, der seit 2017 dabei ist und heute 19,99 Euro zahlt, hätte Anspruch auf den gleichen Dienst für 11,99 Euro, ein Standard-Kunde müsste statt 13,99 Euro nur noch 9,99 Euro zahlen, wenn die Berechnung der Verbraucherschützer am Ende so durchgeht.
Transparenz ist ebenfalls Teil des Pakets, Netflix soll die Inhalte des Urteils auf der eigenen Website und in überregionalen Zeitungen veröffentlichen und alle betroffenen Verbraucher informieren, auch jene, die das Abo inzwischen gekündigt haben. Hintergrund ist, dass auch ehemalige Kunden Geld zurückfordern können, wenn sie damals von den Preiserhöhungen betroffen waren.
Movimento Consumatori kündigt an, eine Sammelklage zu starten, falls der Anbieter die Preise nicht freiwillig senkt und keine Rückzahlungen anstößt. Allerdings wird Netflix natürlich erst einmal in die Berufung gehen.
Transparenz: In diesem Artikel sind Partnerlinks enthalten. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Partnerlinks haben keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung.

2 weeks ago
7


