Navee UT5 Max im Test: Kraftpaket auf zwei Rädern

1 month ago 16

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Wer hier im Blog regelmäßig mitliest, weiß: Ich bin immer für praktische Mobilitätslösungen zu haben. Sei es das E-Bike, smarte Gadgets für den Alltag oder kleine Helferlein, die uns von A nach B bringen.

In den letzten Wochen hatte ich allerdings einen echten Boliden unter den Füßen, der definitiv nicht mehr in die Kategorie leichtes Spielzeug für die letzte Meile fällt: den Navee UT5 Max. Ob sich der aufgerufene Preis von knapp 900 Euro für das Schwergewicht in der Praxis lohnt, habe ich mir im Alltag angeschaut.

Aufbau und erster Eindruck

Wenn der Paketbote klingelt, solltet ihr am besten direkt zupacken helfen. Der UT5 Max kommt in einem großen Karton, den man alleine kaum bewegt bekommt. Hat man den Scooter aus seiner Verpackung befreit, ist der Aufbau simpel: Lenkerstange hochklappen, verriegeln, restliche Schrauben anziehen und abfahrbereit ist das Gefährt.

Na ja fast, ihr wollt sicher auch direkt die App konfigurieren. Der Klappmechanismus selbst ist massiv konstruiert. Wenn die Lenkerstange einmal eingerastet ist, wackelt absolut nichts mehr.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Der Navee UT5 Max macht sofort klar, dass er nicht dafür gebaut ist, jeden Tag in den fünften Stock ohne Aufzug getragen zu werden. Mit satten 34 Kilogramm Lebendgewicht ist dieser E-Scooter ein Schwergewicht. Mal eben zusammenklappen und im Kofferraum verstauen?

Machbar, aufgrund der üppigen Abmessungen aber eher ein kleines Workout oder eine Aufgabe für zwei Personen. Dafür stimmt die Verarbeitungsqualität: Der Stahlrahmen wirkt extrem robust und bringt eine maximale Traglast von 150 Kilogramm mit. Damit taugt der UT5 Max auch problemlos für große und schwerere Fahrer, die bei normalen Scootern oft an die Grenzen stoßen. Auf dem Trittbrett steht man angenehm geräumig.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Fahrkomfort und Ausstattung

Auffällig sind direkt die riesigen 12 Zoll (ca. 30 cm) Reifen. Navee setzt hier auf schlauchlose Offroad-Reifen, die ab Werk mit einer Art Dichtgel gefüllt sind. Das soll kleinere Einstiche bis zu vier Millimetern selbstständig abdichten. Auf der Straße sorgen die großen Pneus vor allem für eins: Stabilität. Das Ding fährt sich erwachsen, komplett frei von nervösem Gezuckel.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Ein echtes Verkaufsargument ist vermutlich auch das Fahrwerk. Verbaut ist eine doppelte hydraulische Federung, der Scooter ist also vorne wie hinten komplett gefedert. Die Dämpfung ist ab Werk vielleicht einen Tick straff abgestimmt, aber sobald man das System an das eigene Gewicht angepasst hat, bügelt das Fahrwerk nahezu alles weg, was der Asphalt oder unbefestigte Waldwege an Unebenheiten parat halten.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Am Lenker sitzen integrierte Blinker für vorne und hinten. Die Bedienung am linken Griff für Licht, Blinker und Fahrmodi ist logisch aufgebaut und gut erreichbar. Das mittige 3,5 Zoll (ca. 9 cm) LED-Display dimmt bei aktiviertem Frontscheinwerfer automatisch ab, lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung allerdings recht schwer ablesen.Zählpixel

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Schade auch: Eine genaue Prozentanzeige für den Akku oder eine Restreichweite in Kilometern gibt es nicht, man muss mit einer simplen Balkenanzeige vorliebnehmen.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Motor und Leistung

Kommen wir zum Motor im Hinterrad. 500 Watt Dauerleistung und eine Spitzenleistung von 2.400 Watt stehen im Datenblatt. Hierzulande ist gesetzlich bei 20 km/h Feierabend. Das Spannende ist nicht die Endgeschwindigkeit, sondern der Zug. Im Sport-Modus oder über den roten Boost-Knopf am Lenker schiebt das Teil extrem kräftig an.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Steigungen bis zu 39 Prozent gibt der Hersteller an. Jede Deichauffahrt und jede Gegenwind-Passage meisterte der Scooter ohne Tempoverlust. Aber aufgepasst: Auch das ist eine Gewichtssache. Wer schwer ist, kann auch weniger Steigungen mitnehmen.

Erfreulich: Man rennt bei Höchstgeschwindigkeit nicht gegen eine künstliche Drosselwand, das Tempo wird sauber gehalten. An die Rekuperation der Motorbremse muss man sich allerdings gewöhnen, da sie beim Loslassen des Gashebels recht direkt zupackt. Die Scheibenbremsen an Front und Heck greifen im Ernstfall absolut zuverlässig. Fairerweise muss ich sagen, dass ich viel am Deich war, ansonsten ist in meiner Ecke hier wenig, wo man Steigungen und so testen kann.

Vernetzung, Reichweite und Fazit

Als Apple-Nutzer freut mich die native Unterstützung von Apple Find My. Die Koppelung ist schnell erledigt, und der Scooter lässt sich in der Wo-ist?-App auf dem iPhone orten. Ein vergleichbares Google-Netzwerk-Pendant für Android fehlt aktuell. Dafür klappt die automatische Bluetooth-Entriegelung über die Navee-App sauber als Annäherungsschloss.

 Kraftpaket auf zwei Rädern  Kraftpaket auf zwei Rädern

In der App lässt sich auch die Rekuperation einstellen oder Firmware einspielen. Praxisnah: Unter dem Display sitzt ein USB-C-Anschluss, über den man das Smartphone als Navi während der Fahrt mit Strom versorgt (mit 5 Watt nur). Noch geiler wäre es natürlich gewesen, wäre das Aufladen mit entsprechendem Netzteil auch so möglich, so muss man auf längeren Touren das Netzteil am Start haben und auf Steckdosen hoffen.

Im Unterboden steckt ein Akku mit 716 Wattstunden Kapazität. Die versprochenen 100 Kilometer Reichweite sind reine Laborwerte bei optimalen Bedingungen und 15 km/h. Wer normal im Sportmodus fährt, das Tempo ausreizt und städtische Stopps mitnimmt, landet in der Praxis bei realistischen 60+ Kilometern. Das ist für diese Leistungsklasse noch immer ein ordentlicher Wert.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Das mitgelieferte Ladegerät braucht für eine Vollladung rund 7 Stunden. Ein optionales Schnellladegerät drückt die Ladezeit auf etwa 2 Stunden, muss aber separat erworben werden. Wichtig zu wissen ist natürlich auch, dass das Erreichbare an Kilometern von euch und eurem Umfeld abhängt. Gegenwind, Beschaffenheit des Bodens und natürlich eurem Gewicht. Zugeladen werden können 150 Kilo, ich habe ein derzeitiges Abtropfgewicht von rund 80 Kilo plus etwas für die Klamotten.

 Kraftpaket auf zwei Rädern

Unterm Strich ist der Navee UT5 Max kein Gefährt für die letzte Meile, das man mal eben in die Bahn mitnimmt. Wer aber einen kräftigen, hervorragend gefederten Cruiser mit hoher Zuladung sucht, keine Treppen schleppen muss und Wert auf Blinker sowie Apple-Tracking legt, bekommt hier eine wuchtige Fahrmaschine. Ich denke, das ist eher nichts für die Kurzfahrten in der City, sondern tatsächlich etwas, wenn man mal mehr machen möchte.

Eigenschaft Spezifikation
Modell Navee UT5 Max
Nennleistung 500 Watt
Spitzenleistung 2.400 Watt
Höchstgeschwindigkeit 20 km/h (DE-Zulassung)
Max. Steigfähigkeit bis zu 39 %
Akkukapazität 716 Wh
Reichweite (Hersteller) bis zu 100 km
Reichweite (Praxis) ca. 60+ km, variabel
Ladezeit ca. 7 Stunden (Standard) / ca. 2 Stunden (Schnellladegerät)
Reifengröße 12 Zoll (ca. 30 cm), schlauchlos mit Dichtgel
Federung Doppelte hydraulische Federung (vorne und hinten)
Bremsen Scheibenbremsen (vorne und hinten), Motorbremse
Beleuchtung Scheinwerfer, Rücklicht, integrierte Blinker vorne und hinten
Display 3,5 Zoll (ca. 9 cm) LED-Display mit Auto-Dimmung
Konnektivität & Ortung Bluetooth (Navee-App), Apple Find My (Wo ist?)
Anschlüsse USB-C-Ladeport für Smartphones
Eigengewicht 34 kg
Max. Zuladung 150 kg
Preis ca. 900 Euro

Hinweis: Der E-Scooter wurde mir für diesen Testbericht zur Verfügung gestellt.

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