Nach Kritik: Grammarly-KI gibt sich nicht mehr als Autorinnen und Autoren aus

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Nach massiver Kritik hat Grammarly eine KI-Funktion in seiner Grammatikprüfung abgeschaltet, die vorgegeben hat, Texte im Sinne berühmter Autoren und Autorinnen zu korrigieren. Dazu gehörten auch deutschsprachige „Experten und Expertinnen“, wie heise online herausgefunden hat. Die Funktion namens „Expert Revision“ soll nun „überarbeitet werden, um sie für Nutzende nützlicher zu gestalten und Expertinnen und Experten gleichzeitig echte Kontrolle darüber zu geben, ob und wie sie dargestellt werden möchten“, erklärte das Unternehmen gegenüber heise online in einer Stellungnahme.

Die „Expert-Revision"-Funktion hat Stellen in Texten markiert, Verbesserungen vorgeschlagen und die entsprechenden Passagen auf Wunsch auch direkt umformuliert, alles aus der vermeintlichen Perspektive von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet. Im Repertoire von Grammarly waren neben zahlreichen englischsprachigen Persönlichkeiten auch der ehemalige Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau, der 2022 verstorbene Journalist Wolf Schneider und der Journalist Cordt Schnibben, wie heise online entdeckt hat.

DIe KI gibt Schreibempfehlungen aus der vermeintlichen Perspektive der Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel – dabei erfindet sie auch neue Textinhalte.

(Bild: heise online / Grammarly)

Betroffene Journalistinnen und Journalisten aus den USA berichten, dafür nicht von Superhuman um Erlaubnis gebeten worden zu sein. So heißt das Unternehmen, das Grammarly anbietet. Viele hätten nur durch Zufall mitbekommen, dass die KI ihre Namen nutzte. Ob das Unternehmen die deutschsprachigen Expertinnen und Experten um Erlaubnis gebeten oder informiert hat, ließ Superhuman auf eine Presseanfrage von heise online hin unbeantwortet.

In der Stellungnahme versichert das Unternehmen, man werde „es beim nächsten Mal besser machen und transparent darüber berichten.“ Diese Entscheidung sei „auf Basis der erhaltenen Rückmeldungen“ getroffen worden. In den vergangenen Tagen gab es viel Kritik an dem Unternehmen und der „Expert-Review“-Funktion, unter anderem auch von den vermeintlichen Expertinnen und Experten selbst. Die Funktion selbst wurde bereits im August des vergangenen Jahres veröffentlicht.

Zudem wurde in den USA am gestrigen Mittwoch eine Sammelklage gegen Superhuman eingereicht (US District Court Southern New York 1:26-CV-02005). Die Investigativjournalistin Julia Angwin wirft dem Unternehmen als Klägerin vor, ihre Identität sowie die zahlreicher anderer Autorinnen und Autoren missbraucht zu haben, um daraus Profit zu schöpfen.

Die „Expert-Review“-KI war zwar mit einem einfachen Gratis-Konto bei Grammarly verfügbar, wollte man jedoch Formulierungsvorschläge sehen und direkt einfügen lassen, so wurde nach wenigen kostenlosen Demonstrationen ein Pro-Account benötigt. Verwendbar war die KI für Texte mit mindestens 150 Wörtern im KI-gestützten Grammarly Docs, welches zeitgleich mit der Funktion erschienen ist.

Die Formulierungsvorschläge der vermeintlichen Marlis Prinzing sind hinter einer Paywall versteckt.

(Bild: heise online / Grammarly)

(mho)

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