Nach Drohnenalarm: Härtere Abwehrpläne

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Die Politik will ihre Linie im Einsatz gegen Drohnen verschärfen. Auch bei dem zur Migration angesetzten Treffen von EU-Politikern in München soll dies Thema werden.

Aktualisiert am 3. Oktober 2025, 18:14 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters, AFP,

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 Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will schon bald einen Entwurf für ein neues Luftsicherheitsgesetz vorlegen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will schon bald einen Entwurf für ein neues Luftsicherheitsgesetz vorlegen. © Liesa Johannssen/​Reuters

Am Tag nach den Drohnensichtungen am Münchner Flughafen diskutieren Bundes- und Landespolitiker Vorschläge zu einem härteren Umgang mit den unbemannten Fluggeräten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert, dass bei der Abwehr von Gefahren durch Drohnen künftig auch die Bundeswehr eine Rolle spielen und die Polizei unterstützen soll. Einen entsprechenden Entwurf für ein neues Luftsicherheitsgesetz wolle er schon bald vorlegen, kündigte Dobrindt an. 

Die Gefahr durch Drohnen werde größer – nicht nur durch eine höhere Zahl, sondern auch durch die Qualität der Geräte. Dobrindt sprach von Fluggeräten mit einer Spannweite von bis zu acht Metern, die in Schleswig-Holstein gesichtet worden seien. 

Über die Art und Anzahl der Drohnen, die am Vortag nahe dem Flughafen Münchens gesichtet worden waren, machte der CSU-Politiker keine Angaben. Man könne die Zahl noch nicht nennen, weil auch Mehrfachsichtungen eines Fluggerätes infrage kämen. Auch Hintergründe zu möglichen Piloten und deren mögliche Motivation seien noch nicht geklärt. "Klar ist aber, dass die Drohnensichtungen mehr werden, über kritischer Infrastrukturen mehr werden, dass wir deswegen politisch auch darauf reagieren", so Dobrindt.

Bei einer Zusammenkunft mit seinen Amtskollegen aus Europa in München wolle er am Wochenende neben Migrationsthemen auch über die Drohnenabwehr sprechen, sagte Dobrindt. Es gehe unter anderem um die Entwicklung eines europäischen Plans zur Erkennung und Abwehr von Drohnen. Man werde bei der Drohnenabwehrtechnik verstärkt die Kooperation mit den auf diesem Gebiet erfahrenen Ländern wie Israel und der Ukraine suchen, kündigte Dobrindt an.

Söder: "Mehr herausgefordert als je zuvor"

Im Inland solle ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern aufgebaut werden, an dem auch die Bundeswehr beteiligt werden soll. Es gelte jeweils, zwischen einer konkreten Gefahr und Provokationsversuchen zu unterscheiden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Sichtung von Drohnen in der Nähe des Münchner Flughafens in eine Reihe gestellt mit weiteren Drohnensichtungen in Europa. "Das war jetzt kein Einzelfall", sagte Söder bei Welt TV. "Es ist die Sicherheitslage, in der wir stehen", sagte er. "Wir müssen einfach feststellen, dass wir mehr herausgefordert sind als je zuvor", betonte Söder und fügte hinzu: "Wir sind nicht mehr ganz so im Frieden, wie wir waren." 

Der bayerische Ministerpräsident sprach sich für ein konsequenteres Vorgehen im Kampf gegen Drohnen aus. "Im Zweifelsfall abfangen und abschießen", erklärte er. Die Ukraine könne aufgrund ihrer Erfahrungen im Abwehrkampf gegen Russland wertvolle Hilfestellung im Kampf gegen Drohnen leisten. 

Söder betonte aber auch: "Wir leben nicht im Kriegszustand." Es gebe Bestrebungen, die offenbar dazu dienen sollten, Nervosität zu verursachen. "Wir sollten uns nicht nervös machen lassen", sagte Söder. Ziel müsse es sein, so stark zu werden, dass niemand eine Herausforderung auch nur überlege.

Bayern will Polizeiaufgabengesetz ändern

Söder forderte in der Bild erneut, dass auch die Landespolizei Drohnen abschießen können sollte. Ähnlich äußerte sich auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann über die nächsten Schritte der Landesregierung. "Wir wollen die rechtlichen Möglichkeiten der bayerischen Polizei deutlich erweitern, damit sie sofort und effektiv gegen Drohnen vorgehen kann."

"Das bedeutet auch, dass die Polizei bei akuter Gefahr Drohnen sofort abschießen darf", sagte der CSU-Minister. "Dafür werden wir in Kürze einen Gesetzesentwurf vorlegen, um das bayerische Polizeiaufgabengesetz entsprechend zu ändern." Die technische Ausrüstung der bayerischen Polizei solle in diesem Bereich kontinuierlich modernisiert und ausgebaut werden. Wie Ministerpräsident Söder verwies auch Herrmann darauf, dass bei der Kabinettssitzung am kommenden Dienstag konkrete Schritte beschlossen werden sollen.

Der Flughafen München war am Donnerstagabend nach einer Drohnensichtung vorübergehend geschlossen worden, 17 Flüge mussten gestrichen werden. Davon seien fast 3.000 Passagiere betroffen gewesen, teilte der Flughafen mit. Zudem mussten 15 ankommende Maschinen nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt umgeleitet werden. Drohnen, auch unbewaffnete, stellen eine potenzielle Gefahr für Flugzeuge dar, speziell während Start und Landung.

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