Nach weiteren Drohnensichtungen am Münchner Flughafen verbrachten erneut Tausende Menschen die Nacht am Terminal. Details zu den Drohnen sind weiter unklar. Ein Überblick
Aktualisiert am 4. Oktober 2025, 11:42 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, maw
Nach weiteren Einschränkungen am Münchner Flughafen infolge von erneuten Drohnensichtungen lief der Flugbetrieb am Samstag wieder an. Weitere Durchsuchungen der Polizei auf dem Gelände und im Luftraum blieben allerdings ohne Erfolg. Was bekannt ist:
Übersicht:
Was ist passiert?
Am Freitagabend wurden nach Angaben eines Bundespolizeisprechers kurz vor 23.00 Uhr Drohnen gleichzeitig im Bereich zweier Landebahnen gesehen. Es handelte sich demnach um mindestens zwei Drohnen. Die Deutsche Flugsicherung sperrte daraufhin die Start- und Landebahnen. Bundes- und Landespolizei durchsuchten Gelände und Luftraum. Auch Hubschrauber kamen dabei zum Einsatz, die Suche verlief jedoch erfolglos. Ein Hinweis vom Samstagmorgen zu einer weiteren Drohnensichtung habe sich bislang nicht bestätigt, teilte ein Sprecher der Bundespolizei zudem mit.
Bereits am Donnerstag war es zu ersten Drohnensichtungen gekommen. Polizeiangaben zufolge berichteten mehrere Menschen am Donnerstagabend von Drohnensichtungen. Die ersten Hinweise seien gegen 20.30 Uhr eingegangen, zunächst in den Bereichen rund um den Flughafen, darunter Freising und Erding. Ab 22.10 Uhr am Donnerstag habe es bis Mitternacht Sichtungen auf dem Flughafengelände gegeben. Am Freitag wurde zudem bekannt, dass die Drohnen am Donnerstag auch über einem Standort der Bundeswehr in Erding gesichtet wurden. Der Flughafen hatte den Flugverkehr bis zum Freitagmorgen gestoppt.
Was ist über die Drohnen bekannt?
Nähere Details zu den Drohnen wie etwa Größe und Typ blieben zunächst weiterhin unklar. "Die Drohnen entfernten sich sofort, noch bevor sie identifiziert werden konnten", teilte ein Polizeisprecher mit. Auch, ob eine konkrete Gefahr für den Flugverkehr bestand oder ob es sich um vereinzelte Sichtungen ohne unmittelbare Bedrohung handelte, blieb unbestätigt.
Ob ein Zusammenhang zu Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur in Schleswig-Holstein vergangene Woche besteht, ist bisher ebenfalls unklar.
Wer ist für die Drohnen verantwortlich?
Ein Verursacher für die Drohnen konnte nach Polizeiangaben nicht identifiziert werden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) schloss auch Trittbrettfahrer nicht aus. "Ich bin sicher: Nicht jede Drohne steuert der Kreml – aber jede einzelne spielt (Präsident Wladimir) Putin in die Karten", sagte er. Wer leichtfertig eine Drohne steigen lasse, solle sich darüber im Klaren sein. Gleichzeitig warnte Reul davor, sich verunsichern zu lassen und mahnte zur Besonnenheit. "Verunsicherung zu verbreiten, ist genau das Ziel, das etwa Russland mit solchen Aktionen verfolgt", sagte er.
Wie reagiert der Flughafen?
Nach den nächtlichen Einschränkungen teilte der Flughafen mit, am Samstagmorgen gegen 7.00 Uhr schrittweise in den Flugbetrieb zurückzukehren. "Jetzt werden nach und nach die Kapazitäten wieder hochgefahren", sagte ein Sprecher des Flughafens. Es werde allerdings weiterhin den ganzen Tag über zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommen, schrieb der Flughafen auf seiner Website. Die Öffnung hatte sich am Samstagmorgen aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen verzögert. Normalerweise heben Flugzeuge ab 5.00 Uhr vom Flughafen München ab.
Unmittelbar nach einem Hinweis über eine mögliche Drohnensichtung hatte die Flugsicherung den Flugbetrieb am Freitagabend bereits gegen 21.30 Uhr vorsorglich eingeschränkt. Auch am Donnerstag waren Start- und Landebahnen präventiv gesperrt worden.
Wie viele Passagiere und Flüge waren betroffen?
Insgesamt waren 81 Flüge betroffen: 12 Flüge nach München seien annulliert worden, 23 Flüge mussten nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt umgeleitet werden. 46 Starts konnten nicht wie geplant stattfinden und mussten gestrichen oder verschoben werden. Rund 6.500 Reisende waren von den Einschränkungen betroffen. Sie mussten die Nacht am Flughafen verbringen. Der Flughafen stellte in den Terminals Feldbetten bereit sowie Decken, Getränke und Snacks. In der Nacht zuvor waren es 3.000 gestrandete Passagiere gewesen. Einige von ihnen wurden in Hotels untergebracht.
Laut der Deutschen Flugsicherung haben Drohnenstörungen in Deutschland 2025 stark zugenommen. Allein bis Ende August verzeichnete sie 144 Fälle. Im Vorjahr waren es noch 113. 2023 lag der Wert bei 99.
Wie reagiert die Politik?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach angesichts der Drohnensichtungen von einer gestiegenen Gefahr für die Sicherheit in Deutschland und kündigte den Aufbau eines neuen Drohnenabwehrzentrums an. Ihm zufolge soll bald auch die Bundeswehr gegen Drohnen eingesetzt werden dürfen. Bislang ist dafür die Polizei von Bund und Ländern zuständig. Dobrindt will nach eigenen Angaben einen Entwurf für ein neues Luftsicherheitsgesetz vorlegen. Nach den Sichtungen am Donnerstag sprach Dobrindt von "einem weiteren Weckruf". Der Wettlauf zwischen Drohnenbedrohung und Drohnenabwehr werde "immer härter". Bei einem Treffen mit mehreren Kollegen aus europäischen Ländern am heutigen Samstag in München soll es auch um Drohnen gehen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach sich indes dafür aus, der bayerischen Landespolizei Kompetenzen zuzusprechen, im Zweifelsfall auch Drohnen abschießen zu dürfen. "Wir wollen die rechtlichen Möglichkeiten der bayerischen Polizei deutlich erweitern, damit sie sofort und effektiv gegen Drohnen vorgehen kann. Das bedeutet auch, dass die Polizei bei akuter Gefahr Drohnen sofort abschießen darf", teilte er mit. Der nordrhein-westfälische Innenminister Reul forderte eine schnell funktionierende Drohnenabwehr. Eine pauschale Antwort, ob eine Drohne abgeschossen werden solle, könne nicht gegeben werden, teilte er weiter mit.
Wie können Flughäfen vor Drohnen geschützt werden?
Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, forderte ein Kompetenzzentrum für die Abwehr unbemannter Flugobjekte. "Wenn der Flugbetrieb durch Drohnen lahmgelegt wird, ist das nicht nur ein Sicherheitsproblem, es beschädigt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Luftverkehrs. Die Passagiere erwarten zu Recht, dass Flughäfen sicher sind – in der Luft wie am Boden", teilte er mit.
Luftfahrtexperten sprachen sich angesichts der Vorfälle für eine Pflicht zum Kennzeichnen von Drohnen aus. "Wir brauchen eine komplette und verpflichtende Sichtbarkeit aller legalen Drohnen, damit sie schnell von illegalen unterschieden werden können", sagte der Vorsitzende des Europäischen Verbands für unbemannte Luftfahrt, Gerald Wissel. Er sehe Flughäfen in Deutschland nicht vor Drohnen geschützt. Da schwer einzuschätzen sei, wohin eine Drohne fliege, müsse ein "virtueller Zaun" an allen Flughäfen errichtet werden, um sie am Weiterfliegen zu hindern.
Welche Gefahren stellen Drohnen für den Flugverkehr dar?
Insbesondere während Start und Landung können Drohnen eine Gefahr für Flugzeuge darstellen – auch wenn es sich um unbewaffnete Drohnen handelt. Laut einer Studie der US-Luftfahrtbehörde FAA verursacht ein Zusammenstoß mit einer Drohne größere Schäden an Flugzeugen als die Kollision mit einem gleich großen Vogel. Vogelschlag gehört zu den großen Risiken in der Luftfahrt. Zudem können Drohnen Schäden an Cockpitscheiben oder an Tragflächen verursachen, die zu erheblichen Sicherheitsrisiken bis hin zu Abstürzen führen können.



