Im Kampf um KI-Nutzer in Schwellenländern sieht Microsoft die USA ins Hintertreffen geraten – China unterbiete durch massive Staatssubventionen amerikanische Anbieter im Preis. Microsoft-Präsident Brad Smith, der als oberster Stratege für Politik und Recht im Unternehmen gilt, mahnt in der Financial Times Investitionen internationaler Entwicklungsbanken an, damit China seine wachsende Position nicht weiter ausbauen könne.
Man müsse anerkennen, dass China ein Jahr nach dem „DeepSeek-Schock“, als China plötzlich ein preiswertes, wettbewerbsfähiges KI-Reasoning-Modell vorlegte, mehr als ein wettbewerbsfähiges KI-Modell habe. Dies genieße aber durch die Unterstützung des Staats Vorteile gegenüber rein privatwirtschaftlichen aus den USA.
DeepSeek hat in Ländern wie Äthiopien und Simbabwe einen Marktanteil von 18 beziehungsweise 17 Prozent erreicht. In Staaten, die Restriktionen der USA unterliegen, sei der Anteil noch höher: In Weißrussland etwa liegt er laut Zahlen von Microsoft bei 56 Prozent, in Kuba bei 49 Prozent und 43 Prozent in Russland.
US-Firmen den Rücken freihalten
Schon Anfang 2025 erwähnte Smith die wachsende Konkurrenz in einem Blogpost auf der Microsoft-Website. Damals sprach er von einer „goldenen Chance für US-amerikanische KI“. Der Text, der viele Verneigungen vor der Trump-Regierung enthält, zieht eine Parallele zu den Geschehnissen im Mobilfunkmarkt vor einigen Jahren. Damals habe Chinas Regierung ebenfalls mit Subventionen dem Netzwerkausrüster Huawei zu einer Vormachtstellung verholfen. US-amerikanische Unternehmen wurden überholt und die Technik von Huawei wurde schließlich als Sicherheitsrisiko wahrgenommen.
Smith will ausdrücklich keine öffentlichen Gelder für die US-amerikanischen KI-Firmen. Dafür aber müsse die Regierung US-Firmen bei der Regulierung den Rücken freihalten und Exportkontrollen pragmatisch gestalten, damit diese der chinesischen KI etwas entgegensetzen können. Microsoft selbst habe nach Aussage von Smith im Geschäftsjahr 2025 rund 80 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren weltweit investiert – mehr als die Hälfte davon in den USA.
Warten auf neues Modell von DeepSeek
Bei dem Erfolg von DeepSeek dürften neben der Verfügbarkeit vor allem die Kosten eine Rolle spielen. US-Anbieter wie OpenAI, Google und Anthropic setzen auf proprietäre KI-Modelle mit Abonnements. Aus China kommen hingegen Open-Source-Modelle – eine Strategie, die das Land eingeschlagen hat, um Sanktionen, wie es sie bei Huawei gab, entgegenzuwirken. Afrikanische Nutzer weichen mangels Kaufkraft auf Open-Source-Modelle wie DeepSeek, Llama von Meta oder lokale Modelle aus.
Der Wettbewerb könnte sich noch verschärfen, wenn DeepSeek sein neues Modell veröffentlicht. Damit wird noch vor dem chinesischen Neujahrsfest gerechnet, das am 17. Februar gefeiert wird.
(mki)



