[English]Einfach herrlich, wie der Digital Markets Act der europäischen Union (EU) wirkt. Microsoft hat nun bekannt gegeben, dass man in Windows 10 und 11 umsteuert, und dem Benutzer kein Edge mehr als Standard-Browser unterjubelt, den Store deinstallierbar macht, sowie bestimmte Apps und die Suche anpasst – allerdings nur für Benutzer im EWR.
EU Digital Markets Act (DMA)
Das Gesetz über Digitale Märkte (Englisch Digital Markets Act, DMA) soll sicherstellen, dass es auf größeren Online-Plattformen sicher und fair zugeht. Dazu werden große Online-Plattformen, die bestimmte Kriterien erfüllen, als Gatekeeper eingestuft. Details lassen sich auf dieser Seite (und hier) der EU nachlesen.

Gatekeeper; Quelle: EU-Kommission
Im Rahmen des DMA hat die Europäische Kommission 22 digitale Plattformen als "Gatekeeper" benannt, da diese eine wichtige Schnittstelle zwischen Unternehmen und Verbrauchern in Bezug auf zentrale Plattformdienste darstellen. Microsoft gehört zu diesen Gatekeepern.
Allerdings hatte die EU-Kommission später festgestellt, dass sowohl der Edge-Browser als auch die Suche mit Bing nicht unter den DMA fallen (siehe Bing und Edge fallen wohl nicht unter den EU Digital Markets Act (DMA)).
Ich war daher davon ausgegangen, dass Microsoft das Spiel, Windows-Nutzern den Edge-Browser und die Bing-Suche per Update als Standard unterzujubeln, weiter geht. Aber es gab wohl (vielleicht wegen Wettbewerbsbeschwerden) Signale Microsofts, sich bezüglich Bing und Edge zu bewegen und diese Funktionen seinen Windows-Nutzern nicht auf die Augen zu drücken.
Microsofts "Move" für EWR-Nutzer
In einem Blog-Beitrag Updates to Windows for the Digital Markets Act hat Microsoft zum 2. Juni 2025 Änderungen an Windows und mehreren App für Benutzer im EWR bekannt gegeben. Um den Anforderungen des Digital Market Act zu entsprechen soll der Edge-Browser Nutzer nicht mehr zur Installation oder zur Nutzung auffordern. Man kann auch den Store deinstallieren oder Bing als Suche ignorieren.

Änderungen bei Edge
Beim Edge werden auch nicht mehr die Standardeinstellungen für Linktypen (.htm etc.) automatisch auf diesen Browser umgebogen. Wer einen anderen Browser unter Windows 10/11 als Standard-Browser installiert und einrichtet, soll künftig sicher sein, dass dies auch für Link-Typen und Protokolle gilt – und nicht plötzlich der Edge doch beim Anklicken eines Links aufspringt – es sei denn, der Nutzer stellt es explizit ein. Auch soll sich ein PDF-Reader für .pdf-Dateien in den Einstellungen festlegen lassen. Das soll bereits bei bestimmten Beta-Versionen von Windows 11 implementiert sein.
Korrekturen bei der Suche
Die Windows Suche ändert sich auch insoweit, als nicht Bing über alles gesetzt wird. Registriert der Nutzer einen Search-Provider (z.B. Google, DuckDuckGo etc.), soll dieser in der Suche für Websuchen verwendet werden. Das soll bereits bei Insider Previews von Windows 11 implementiert sein und Ende Juni 2025 allgemein ausgerollt werden.
Store deinstallierbar, Änderungen an Apps
Noch wichtiger ist, dass der Store in Windows als App deinstalliert werden kann. Damit nähern sich Windows-Consumer-Versionen den Enterprise SKUs an, wo der Store und die Apps fehlen.

Nun kann der Microsoft Store von Benutzern im EWR über das Startmenü und Einstellungen, genau wie andere Apps, deinstalliert werden. Bei Bedarf lässt sich der Microsoft Store später erneut installieren.
Weiterhin nimmt Microsoft Änderungen an verschiedenen Apps wie Microsoft Bing (öffnet Suchseiten im Standard-Browser), Edge (deinstallierbar, Standard-Einstellungen änderbar) vor, um die Anforderungen zu erfüllen. Bei der Start Experiences App, die Widgets und Feeds im Widgets Board und auf dem Sperrbildschirm anbietet, öffnen sich nun Webinhalte im Standardbrowser. Diese Änderung wird ab Juni in Windows 11 eingeführt.
Gilt nur für uns Europäer im EWR
Diese angekündigten Änderungen, deren Details sich hier nachlesen lassen, gibt nur für Nutzer im EWR. EWR steht für Europäischer Wirtschaftsraum und umfasst neben den EU-Ländern die EFTA-Staaten (Island, Lichtenstein und Norwegen) ohne die Schweiz. Die EU-Gesetzgebung wirkt also – und die amerikanischen Kollegen unter den Bloggern berichten, was in der EU geht, während Microsoft US-Nutzer MAGA-mäßig maximal traktiert. Könnte noch lustig werden, wenn die US-Administration versucht, am EU DMA zu rütteln.
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