Microsoft kappt Cloud für Israel-Einheit

3 months ago 5

Microsoft hat nach eigenen Angaben einige Cloud- und KI-Dienste für eine Einheit des israelischen Verteidigungsministeriums eingestellt. Eine interne Prüfung habe erste Belege für die Richtigkeit von Medienberichten über ein Überwachungssystem im Gazastreifen und im Westjordanland geliefert, teilte der US-Technologiekonzern mit.

»Wir liefern keine Technologie, um die Massenüberwachung von Zivilisten zu ermöglichen«, schrieb Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Blog-Beitrag  des Unternehmens.

Microsoft hatte die Untersuchung nach einer im August veröffentlichten Recherche  der Zeitung »The Guardian« eingeleitet. Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur AP berichtet. Den Berichten zufolge soll eine Einheit der israelischen Armee den Cloud-Dienst Azure zur Speicherung von Daten aus der Massenüberwachung von Palästinensern genutzt haben.

Offenbar Millionen von Mobiltelefonaten gespeichert

Laut »Guardian« soll die Einheit Azure genutzt haben, um die Aufzeichnungen von Millionen von Mobiltelefonaten zu speichern, die Palästinenser täglich im Gazastreifen und im Westjordanland führen.

Zwar fange Israel seit Langem Telefongespräche in Gaza und im Westjordanland ab. Durch die Microsoft-Cloud sei es jedoch möglich gewesen, den Inhalt der Telefonate wiederzugeben und mehr Gespräche aufzuzeichnen, heißt es in dem Bericht.

Microsoft teilte mit, die noch laufende Prüfung habe Beweise für Teile der Berichterstattung zutage gefördert, konkret für die Nutzung von Azure-Speicherkapazitäten in den Niederlanden und den Einsatz von KI-Diensten durch das israelische Verteidigungsministerium.

Wohl nur kleiner Teil der Dienste deaktiviert

Eine Stellungnahme Israels lag zunächst nicht vor. Es ist derzeit nicht klar, ob Israel die Daten in einen anderen Cloud-Dienst transferiert.

Ein israelischer Sicherheitsbeamter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Maßnahme von Microsoft »keine Beeinträchtigung der Einsatzfähigkeit« der israelischen Streitkräfte zur Folge habe.

»Microsoft hat nur einen kleinen Teil der Dienste für eine einzige Einheit des israelischen Militärs deaktiviert«, sagte Hossam Nasr, ein Organisator der Gruppe »No Azure for Apartheid«. Der Großteil des Vertrags zwischen Microsoft und dem israelischen Militär bleibe unverändert bestehen.

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