Meta nutzt Kundendaten für KI-Training

7 months ago 7

Der US-Konzern Meta will persönliche Daten und Beiträge von Nutzerinnen und Nutzern seiner Plattformen Facebook und Instagram zum Trainieren seiner künstlichen Intelligenz nutzen. Wer nicht möchte, dass seine Daten verwendet werden, muss aktiv widersprechen. Am Montag läuft dafür die Frist ab.

Wofür will Meta die Daten nutzen?

Meta will seine KI-Modelle mit möglichst vielen Daten trainieren. So soll etwa der Chatbot Meta AI verbessert werden, der im Messenger WhatsApp integriert ist. Nach dem EU-weiten Start der Meta AI im März 2025 hatte der Konzern kurz vor Ostern in einem Blogbeitrag  angekündigt, seine Modelle mit Nutzerdaten trainieren zu wollen. Man wolle den KI-Modellen beibringen, europäische »Kulturen, Sprachen und Geschichte besser zu verstehen und wiederzugeben«, schrieb Meta.

Der Zuckerberg-Konzern arbeitet neben der Meta AI an weiteren Modellen wie etwa Llama, einem Sprachmodell, das unter anderem über die KI-Plattform Azure AI von Microsoft zugänglich ist.

Welche Daten will Meta nutzen?

Meta will auf alle »öffentlichen Informationen« zurückgreifen. Dazu gehören etwa die Angaben, die Nutzende von Facebook und Instagram auf ihren Profilen über sich selbst machen, sowie Posts, Fotos, Videos, Kommentare unter anderen Einträgen und Reaktionen wie Likes. »Öffentlich« bedeutet in dem Fall, dass die Sichtbarkeit der Inhalte nicht bereits in den Profileinstellungen eingeschränkt ist. Zudem will Meta nach eigenen Angaben nur Informationen von volljährigen Nutzern verwenden.

Auch die Daten aus den Interaktionen mit der Meta AI selbst, welche inzwischen Teil der Suchfunktion von WhatsApp ist, sollen Trainingszwecken dienen.

Darf Meta das?

Die österreichische Datenschutzorganisation None of Your Business (Noyb) etwa geht davon aus, dass Meta gegen EU-Recht verstößt, indem es die Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer zur Verwendung ihrer Daten nicht explizit einholt. Stattdessen bleibt ihnen nur das Widerspruchsrecht, sie müssen also selbst aktiv werden.

Die Verbraucherzentrale NRW reichte einen Eilantrag beim Oberlandesgericht Köln ein, um das am Montag startende KI-Training zu verhindern. Das Gericht lehnte diesen jedoch ab und verwies auf eine entsprechende Einschätzung der für Meta zuständigen irischen Datenschutzbehörde. Es liege kein Verstoß gegen EU-Recht vor.

In den USA hatte der Zuckerberg-Konzern seine Meta AI bereits 2023 ausgerollt, in der EU verzögerten die Kritik am Datenschutz und strengere Vorschriften den Start.

Warum ist die Nutzung der Daten umstritten?

Über die genaue Verwendung der Daten ist wenig bekannt. Es ist auch nicht klar, ob und wenn ja, wie Meta persönliche Daten schützen will oder das überhaupt kann, wenn sie einmal in die KI eingeflossen sind. Hinzu kommt, dass etwa das Llama-Sprachmodell ein frei zugängliches Open-Source-Modell ist. »Das bedeutet, dass Meta ein Modell nach der Veröffentlichung kaum zurückrufen oder aktualisieren kann«, erklärt Noyb.

Kann ich der Nutzung auch später noch widersprechen?

Laut Meta kann der Datennutzung auch später zu jedem Zeitpunkt widersprochen werden, allerdings sind alle bis dahin von Facebook oder Instagram gespeicherten Daten bereits abgeflossen. Fachleute halten es nach dem derzeitigen Stand der Technologie nicht für möglich, Daten nachträglich aus einer KI zu entfernen. Manche erkennen in dem Vorgehen von Meta daher auch einen Verstoß gegen das nach EU-Recht garantierte Recht auf Vergessenwerden.

Wie kann ich der Nutzung meiner Daten widersprechen?

Meta macht es seinen Nutzerinnen und Nutzern nicht einfach. Für den Widerspruch hat der Konzern ein Formular aufgesetzt, das für Facebook unter diesem Link  und für Instagram unter diesem Link  aufgerufen werden kann. Das Feld zur schriftlichen Begründung des Widerspruchs muss nicht ausgefüllt werden.

Das Formular ist auch in den jeweiligen Apps auffindbar, jedoch gut versteckt. In der Instagram-App findet es sich im Unterpunkt »Privacy Center« der Profileinstellungen. In der Facebook-App gibt es im Einstellungsmenü einen Punkt »Datenschutzrichtlinien«. Wird für beide Plattformen dieselbe E-Mail-Adresse verwendet, reicht das Ausfüllen des Formulars für eine der beiden.

Private WhatsApp-Nachrichten sollen nicht ins Training einfließen. Sie sind außerdem Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Es sollte also reichen, die in WhatsApp integrierte Meta AI nicht zu nutzen und einfach zu ignorieren.

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