Mercedes-Benz EQS bekommt Steer-by-Wire

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Neues beim Mercedes-Benz EQS. Wenige Monate nach Marktstart zieht Steer-by-Wire ein, also eine Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern. Zeigt das Bild ja auch. Der EQS wird damit zum ersten Serien-Pkw eines deutschen Herstellers mit dieser Technik.

Das Fahrgefühl soll sich laut Hersteller deutlich von der klassischen Lenkung abheben. Die Lenkbefehle laufen über Sensoren und Steuergeräte, die Räder setzen das elektronisch um. Umgreifen am Lenkrad fällt weg, der Kraftaufwand sinkt. Beim Rangieren in engen Parkhäusern oder in schmalen Straßen nimmt das angeblich spürbar Stress aus der Sache, zumal die bekannte Hinterachslenkung mit bis zu 10 Grad weiter an Bord ist. In der Stadt steht der Wendekreis im Fokus, auf der Autobahn lenkt die Hinterachse parallel zu den Vorderrädern und beruhigt den Geradeauslauf, ohne dass das Auto träge wirkt.

Ein Nebeneffekt, der im Alltag schnell auffallen dürfte, ist die Filterung störender Einflüsse. Vibrationen durch Schlaglöcher oder groben Asphalt landen auch hier nicht mehr direkt und ungefiltert im Lenkrad. Stattdessen berechnet das System den Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn modellbasiert und erzeugt Rückstellkräfte passend dazu. Ziel sei ein vertrautes, präzises Lenkgefühl, nur eben mit weniger Gerumpel in den Händen.

Weil das neue Lenkrad flacher und kompakter ausfällt, wirkt der Bereich vor dem Fahrer luftiger, der Blick auf das Display wird freier, der Einstieg wird einfacher. Der EQS nutzt die Technik also nicht nur für Fahrdynamik, sondern auch, um den Arbeitsplatz vorn aufgeräumter wirken zu lassen.

Beim Thema Sicherheit fährt Mercedes-Benz erwartbar einen dicken Aufwand. Über eine Million Testkilometer hat das System bereits hinter sich, verteilt auf Prüfstände, Testgelände und normalen Straßen. Die Architektur ist redundant ausgelegt, es gibt zwei Signalpfade. Fällt ein Strang aus, bleibt der andere aktiv. Dazu kommen hochauflösende Sensoren und entsprechende Steuergeräte. Selbst im sehr unwahrscheinlichen Komplettausfall soll noch eine Querführung möglich sein, dann greifen Hinterachslenkung und gezielte Bremseingriffe über ESP ein, um das Fahrzeug zu stabilisieren und kontrollierbar zu halten.

Steer-by-Wire ist im EQS mit allen Motorisierungen kombinierbar, immer in Verbindung mit der 10-Grad-Hinterachslenkung. Wer mit der neuen Technik noch fremdelt, kann weiterhin eine klassische elektromechanische Lenkung bestellen. Mercedes-Benz zwingt hier niemanden in den Bruch mit der Lenksäule.

Einen eigenen Block widmet Mercedes-Benz dem Airbag. Da das neue Lenkrad oben geöffnet ist, fehlt die klassische Auflagefläche für den sich entfaltenden Luftsack. Die Lösung steckt in einer internen Stütz- und Faltarchitektur. Gasführung, Faltbild und Haltepunkte sind so gestaltet, dass sich der Airbag stabil und reproduzierbar positioniert, auch ohne geschlossenen Kranz. Untergebracht ist das System weiterhin in der Nabe und erfüllt die bekannten Rückhalteanforderungen. Die Idee dahinter, das neue Interieurkonzept bis in die passive Sicherheit durchzuziehen, ohne fette Kompromisse zu machen.

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