03. Dezember 2025 Thomas Pany
KI-generierte Grafik
Öffentlich-Rechtliche und Verlage schlagen Alarm: Big Tech entzieht Medien Reichweite und Einnahmen. Das neue Bündnis fordert klare Regeln und faire Vergütung.
Ein bemerkenswertes Bündnis schlägt Alarm: Die öffentlich-rechtliche ARD und die Verlegerverbände BDZV sowie MVFP haben sich zum gemeinsamen Kampf gegen die Übermacht der US-Tech-Riesen zusammengeschlossen.
In einem gemeinsamen Appell fordern sie von der Politik eine strikte Regulierung von Plattformen wie Google und Meta sowie von Künstlicher Intelligenz.
Nach Angaben von DWDL.de wollen ARD und das "Bündnis Zukunft Presse" aus BDZV und MVFP mit ihrer gemeinsamen Erklärung einen "offenen Austausch über den gesellschaftlichen und demokratischen Wert von Medien" einladen.
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Bedrohung: Laut dem Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree kontrolliert Google 88 Prozent des Suchmaschinenmarkts, Meta dominiert mit 85 Prozent bei Social Media, YouTube beherrscht 78 Prozent des kostenlosen Video-Streamings.
Wie Telepolis bereits vor einem Jahr berichtete, fließen zwischen 70 und 90 Prozent aller digitalen Werbeinvestitionen an diese US-Monopolisten.
Dramatischer Niedergang der Reichweite
Die Auswirkungen sind verheerend: Selbst erfolgreiche deutsche Nachrichtenseiten wie spiegel.de erreichen zwar 29 Millionen Nutzer monatlich, diese verbringen dort aber nur 18 Minuten im Monat – gerade einmal eine halbe Minute täglich.
Bei der Süddeutschen Zeitung sind es sogar nur neun Minuten monatlich, wie Telepolis unter Berufung auf Martin Andrees Forschung berichtete. ARD-Vorsitzender Florian Hager warnt laut Presseportal:
"Wir erleben gerade eine Erschütterung gewachsener medialer Strukturen: Demokratien werden weltweit politisch angegriffen, KI-Agenten torpedieren Ausgewogenheit, Tech-Konzerne bestimmen in ihren Monopolen den Blick der Menschen auf die Welt."
KI verschärft die Krise
Eine neue Dimension der Bedrohung entsteht durch Künstliche Intelligenz. KI-gestützte Suchmaschinen fassen journalistische Inhalte zusammen, ohne dass Nutzer die ursprünglichen Webseiten besuchen müssen. Dadurch verschwinden sowohl die Finanzierungsgrundlage als auch die Sichtbarkeit der Originalquellen.
MVFP-Vorstandsvorsitzender Philipp Welte von Hubert Burda Media erklärt:
"Die unheilvolle Konzentration medialer, ökonomischer und zunehmend politischer Macht in den Händen weniger Tech-Monopole gefährdet die freie Meinungsbildung und damit unsere liberale Demokratie."
Aus der Defensive in die Offensive
Das Bündnis markiert einen strategischen Wandel. Wie Telepolis bereits zuvor berichtete, haben die Verlegerverbände beim BDZV-Kongress einen "medialen Kriegszustand" ausgerufen. Nach Jahren des erfolglosen Bittstellertums wollen sie nun offensiv für ihre Relevanz als "systemrelevante" Infrastruktur der Demokratie kämpfen.
BDZV-Vorstandsvorsitzender Matthias Ditzen-Blanke betont:
"Medienfreiheit und -vielfalt sind keine Selbstverständlichkeit mehr."
Das "Bündnis Zukunft Presse" sei eine koordinierte medienpolitische Plattform, die erstmals die strategische Arbeit beider Verlegerverbände unter einem Dach bündele, wie Meedia mitteilt.
Konkrete Forderungen an die Politik
Die Medienallianz fordert einen modernen Ordnungsrahmen, der die Sichtbarkeit journalistischer Inhalte sichert, Transparenz bei Algorithmen schafft und faire Vergütung für die Nutzung redaktioneller Inhalte garantiert. Dabei berufen sie sich auf Artikel 5 des Grundgesetzes und den gesellschaftlichen Auftrag freier Medien.
Parallel unterstützen über 75 zivilgesellschaftliche Organisationen ähnliche Forderungen. Wie Telepolis im März deses Jahres berichtete, verlangen sie von der neuen Bundesregierung eine wirksame Kontrolle der Plattformen und eine konsequente Durchsetzung des EU-Rechts.
Der gemeinsame Appell zeigt: Die deutsche Medienbranche geht davon aus, dass nur ein geschlossenes Vorgehen gegen die Übermacht der US-Tech-Plattformen noch eine Chance auf Erfolg haben könnte. Ob diese späte Einsicht ausreicht?



