"Marvel's Wolverine" ist diese Woche am 15. September 2026 erschienen. Im Vorfeld bekam das Game zwar solide Wertungen, wurde jedoch in vielen Tests gleichzeitig als Enttäuschung gebrandmarkt. Tatsächlich sind die aggregierten Wertungsspiegel auf Plattformen wie MetaCritic so niedrig, wie bei kaum einem anderen PS5-Exklusivtitel. Ich habe mir einmal an der PlayStation 5 Pro einen eigenen Eindruck für euch verschafft.
Kein Spoiler, die Überschrift verrät es ja schon: Mir hat "Marvel's Wolverine" offenbar besser gefallen, als vielen anderen Testern. Doch der Reihe nach: Im neuen Titel von Insomniac Games ("Spider-Man 2") schlüpft ihr in die Rolle des titelgebenden Logan alias Wolverine. Allerdings verkörpert ihr den Charakter zu einer Zeit, als Mutanten noch etwas weitgehend Unbekanntes auf der Welt sind und die X-Men bestenfalls ein kleiner Traum eines glatzköpfigen Professors bleiben.
Stattdessen ist Wolverine mit Mystique, Sabretooth und Nathaniel Essex als Team X unterwegs, um die Zukunft der Mutanten zu sichern. Dabei trifft er sowohl auf neue Verbündete wie Jean Grey als auch auf Antagonisten wie den Mutantenhasser Bolivar Trask. Doch auch sein Mentor Essex könnte mehr im Schilde führen, als seine scheinbar altruistischen Motive offenbaren. Steht Logan also wirklich auf der richtigen Seite und gibt es hier überhaupt ein klares "Gut gegen Böse"?
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Weitgehend exzellente Technik
Technisch ist "Marvel's Wolverine" größtenteils ein Augenschmaus. Ich habe das Spiel an der PlayStation 5 Pro gezockt. Die Konsole bietet sowohl einen 60-fps-Modus als auch einen Fidelity-Modus mit erweitertem Ray-Tracing und höherer Auflösung. Fürs Upscaling nutzt man die neueste Version von PSSR. Das Ergebnis ist ein Bild, das nur selten kleinere Grafikfehler aufweist. So habe ich in Innenräumen um Ecken manchmal komisch flackernde Schatten erspäht. Umgebungen und Charaktere wirken aber generell sehr detailreich und stark.
Ab und an wirken Kleidungsstücke etwas kantig oder einzelne Texturen etwas detailarm, das bleibt aber im Großen und Ganzen die Ausnahme. Besonders die Gesichter von Logan, Jean Grey, Mystique und Co. sind sehr ausdrucksstark. Liam McIntyre etwa, der hier Wolverine in der englischsprachigen Version vertont, ist auch 1a mit seiner Mimik im Charakter zu erkennen. Witzig, dass nach Hugh Jackman nun schon wieder ein Australier in die Rolle des kanadischen Superhelden geschlüpft ist.
Egal ob ihr mit 30 oder 60 fps zockt: "Marvel's Wolverine" läuft flüssig und zeigt teils beeindruckende Szenarien. In einer Szene ergibt sich etwa eine Demontage eines ganzen Kraftwerks von Trask Industries, die in ihrer Rasanz auch aus einem "Uncharted"-Spiel stammen könnte. Generell scheint sich Insomniac Games beim Aufbau der Geschichte und vielen Gameplay-Sequenzen eher bei den Titeln von Naughty Dog Inspiration geholt zu haben, als bei seinen eigenen Open-World-Superhelden-Spielen.
"Marvel's Wolverine": Linear, aber mit Atempausen
So verfügt "Marvel's Wolverine" nicht über eine offene Welt. Vielmehr bewegt ihr euch durch lineare und meist sehr eng begrenzte Gebiete. Vielseitigkeit solltet ihr dabei vom Gameplay nicht erwarten. Meistens kämpft ihr euch durch Gegnerhorden, ab und zu schleicht ihr kurz um 2-3 Gegner, um sie vor dem großen Getöse um die Ecke zu bringen, oder bewältigt sehr anspruchslose Plattforming-Einlagen. Letztere sind deswegen kein großes Ding, da ihr zwar generell springen könnt, aber nur festgelegte und deutlich markierte Stellen in der Spielwelt euch größere Jumps oder gar Klettertouren erlauben. Da gilt meistens: Run-Button gedrückt halten und an den weiß markierten Punkten springen - fast wie von selbst erledigt.
Die Kämpfe wiederum sind zwar nicht ultra-komplex, erfordern aber mehr Aufmerksamkeit. Gegner haben bestimmte Angriffe, die ihr blocken oder ihnen ausweichen solltet, oder können ihrerseits teilweise eure Attacken blockieren. Bei Gegnern mit Energieschilden etwa ist zunächst ein beherzter Tritt notwendig, bevor ihr Schaden verursachen könnt. Mit zunehmender Spielzeit kommen immer mehr neue Gegnertypen hinzu. Später tarnen sich z. B. einige Feinde und legen Minen, die eure Mutantenfähigkeiten temporär blockieren können.
Wo wir bei Fähigkeiten sind: Logan kann bis zu vier Spezialangriffe ausrüsten, die ihr auch auswechseln könnt. Durch Kämpfe und das Zerdeppern bestimmter Container erhaltet ihr nämlich Erfahrungspunkte. Für diese könnt ihr neue Techniken freischalten. Dazu gibt es Whiskeyflaschen zu finden, die neue, passive Upgrades zur Verfügung stellen. Um jene durch ausreichend Punkte freizuschalten, sammelt ihr wiederum Punkte in Albtraum-Challenges, die sich regelmäßig in den Levels finden. So greift alles gut ineinander.
Allerdings gibt es valide Kritikpunkte: Echte Zwischengegner gibt es in "Marvel's Wolverine" quasi nicht und die Bosskämpfe sind oft über mehrere Etappen gestreckt und deutlich zu lang. Ihr müsst monotone Angriffsmuster auswendig lernen und einmal erkannt zu oft das gleiche Programm abspulen. Obendrein sehe ich hier manchmal in den Levels das gleiche Syndrom wie schon bei "Dragon Age: The Veilguard". Sprich, die Entwickler zeigen durch blinkende Richtungshinweise den ohnehin offensichtlichen Weg auf, machen "versteckte" Collectibles unübersehbar oder platzieren benötigte Objekte direkt neben dem Anwendungsszenario. Da fühlt man sich manchmal schon für sehr dumm gehalten.
Wie ein Marvel-Film: großartige Unterhaltung, aber anspruchslos
So habe ich jede Menge Spaß mit "Marvel's Wolverine" gehabt. Vor allem die Geschichte und ihre Inszenierung hat mir gut gefallen. Dass Logan mit seinen inneren Dämonen hadert, wird hier überdeutlich. Hardcore-Fans von Wolverine könnte jedoch stören, dass der Charakter hier offener und freundlicher ist als in fast allen anderen Inkarnationen. Harte Schale, weicher Kern passt hier fast gar nicht mehr, da auch seine Schale nicht allzu hart ist. Ich finde aber, man hat noch die Kurve bekommen, denn in Kämpfen ist der Charakter absolut gnadenlos.
Was ein wenig fehlt, ist eben die Substanz. "Marvel's Wolverine" ist ähnlich wie die Marvel-Filme: aufwändig gemachte, leichte Unterhaltung mit sehr wenig Tiefe. Hier wird jedenfalls wohl kaum ein Spieler noch nach dem Zocken lange über das Gebotene nachgrübeln, sondern sich zwar gut unterhalten fühlen, aber auch rasch ohne Reue zum nächsten Game weiterziehen. Denn auch wenn die blutigen Kämpfe immer Laune machen - sie bieten sauberen Genre-Standard, aber nicht wirklich neue Ideen.
Ab und an wurde zudem in den Kämpfen die Kamera zu meinem härtesten Gegner. So konnte ich zwar irgendwie noch einige meiner Gegner sehen, Logan selbst hatte es sich aber hinter einem Objekt gemütlich gemacht, sodass schwer erkennbar war, ob ich gerade einem Feind erfolgreich auf die Mütze gebe oder selbst einstecke. Das kam jedenfalls ab und zu in Innenräumen vor.
Mein Fazit zu "Marvel's Wolverine"
"Marvel's Wolverine" hat sich für mich eher wie ein besonders blutiges und auf Nahkämpfe ausgelegtes "Uncharted" mit einer Prise "God of War" angefühlt. Die linearen Levels und das simple Plattforming stehen jedenfalls eher den genannten Titeln nahe als Insomniacs eigenem "Spider-Man". Zudem gibt es manchmal doch etwas zu viel Handholding, sodass es schwer ist, hier überhaupt mal ein Collectible zu übersehen oder Erfahrungspunkte zu vergeigen.
Die blutigen Kämpfe sind extrem launig und kurzweilig, bieten aber eben den Genre-Standard ohne neue Impulse. Das fand ich angesichts der bombastischen Inszenierung auch vollkommen ausreichend, die Meinungen werden da aber auseinandergehen. Die technische Präsentation ist jedenfalls exzellent. So lässt die PlayStation 5 (Pro) ihre Muskeln spielen und "Marvel's Wolverine" zeigt, was man aus der fast 6 Jahre alten Konsole noch herausholen kann.
Mir hat "Marvel's Wolverine" jedenfalls extrem viel Spaß gemacht. Ja, es handelt sich hier um ein recht gradliniges und simples Game, macht aber genau deswegen nach einem anstrengenden Arbeitstag zum Abschalten extrem Laune. Man sucht sich nicht in einer offenen Welt nach Sammelobjekten tot oder muss filigrane Special-Moves erlernen bzw. millisekundengenaues Timing beherrschen, um in Kämpfen Land zu sehen. Insofern hoffe ich durchaus, dass sich das Game gut verkauft und vielleicht zu einem Sequel führt. Es mag bessere PS5-Exclusives geben, aber für Fans von Wolverine und den X-Men liegt hier ein empfehlenswertes Spiel vor, das perfekt die Wartezeit auf "GTA VI" überbrücken kann.
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