Meta-Chef Mark Zuckerberg will mit einem neuen Spezialteam zur Konkurrenz aufholen. Auslöser ist offenbar seine Unzufriedenheit mit dem bisherigen Fortschritt bei Metas KI-Modellen.
Mark Zuckerberg baut persönlich ein neues Expertenteam auf, das Metas Rückstand bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz aufholen und das Unternehmen zur sogenannten Artificial General Intelligence (AGI) führen soll. Laut einem Bericht von Bloomberg will Zuckerberg rund 50 Personen für die interne "Superintelligence Group" rekrutieren – darunter eine neue Leitung für den KI-Forschungsbereich.
Zuckerberg führt die Personalgespräche größtenteils selbst. In den vergangenen Wochen traf er sich mit KI-Forschenden, Infrastruktur-Ingenieuren und Unternehmern in seinen Privathäusern in Lake Tahoe und Palo Alto. Im Menlo-Park-Hauptquartier ließ er Arbeitsplätze so umstrukturieren, dass das neue Team in unmittelbarer Nähe zu seinem Büro sitzt.
Rückschläge bei Llama 4 und "Behemoth" treiben Neuausrichtung
Laut Bloomberg ist der Aufbau des Spezialteams eine direkte Reaktion auf Zuckerbergs Unzufriedenheit mit dem im April veröffentlichten Sprachmodell Llama 4 von Meta, das unerwartet deutlich hinter der Konkurrenz zurückfiel. Hinzu kamen die fragwürdigen Benchmark-Ergebnisse einer auf LLM Arena spezialisierten Variante, die nicht mit der veröffentlichten Variante übereinstimmten.
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Wie Bloomberg berichtet, wurde das Modell auch intern als überambitioniert und leistungsschwach kritisiert. Das ursprünglich für dieses Jahr geplante "Behemoth"-Modell wurde nach Informationen des Wall Street Journal verschoben, weil es keinen ausreichenden Fortschritt gegenüber früheren Versionen bot.
Diese Rückschläge führten zu Zuckerbergs Entscheidung, sich deutlich stärker in die KI-Strategie einzubringen. Laut Bloomberg befindet er sich aktuell in einem "Gründer-Modus" und zeigt einen zunehmend direktiven Führungsstil. Ein WhatsApp-Chat mit dem Namen "Recruiting Party", in dem Führungskräfte rund um die Uhr über potenzielle Kandidaten diskutieren, dient der Koordination der Personalgewinnung.
Superintelligence-Gruppe und Meta AI
Zuckerberg betonte gegenüber potenziellen Neuzugängen, dass Meta dank stabiler Werbeeinnahmen keine externen Finanzierungsrunden benötige. Das Unternehmen könne selbst eine Multi-Gigawatt-Datenzentrumsinfrastruktur aufbauen – eine der weltweit leistungsfähigsten. Meta hat für 2025 bereits zweistellige Milliardenbeträge für KI-Projekte vorgesehen. In den kommenden Jahren sollen es laut Zuckerberg "hunderte Milliarden" werden.
Wie genau sich die neue Superintelligence-Gruppe zu den bestehenden KI-Teams bei Meta AI verhalten wird, ist laut Bloomberg derzeit noch unklar. Einige bestehende Mitarbeitende sollen zur neuen Einheit wechseln. Auffällig ist, dass Metas KI-Chefwissenschaftler Yann LeCun in den Gerüchten keine Rolle spielt. LeCun ist ein prominenter Kritiker von generativen KI-Systemen, die er für eine Sackgasse auf dem Weg zu menschenähnlicher Intelligenz hält. Er entwickelt bei Meta mit JEPA einen alternativen Ansatz. Womöglich fährt das Unternehmen in Zukunft also zweigleisig.



