„Mafia: The Old Country“ im Test: Mit alten Stärken zu sich gefunden

6 months ago 9

„Mafia: The Old Country“ ist seit Ende der letzten Woche für PC und Konsolen erhältlich. Ich selbst spiele die Reihe bereits seit dem ersten Teil, sodass auch dieses Prequel natürlich sofort auf meine Fesplatte geschaufelt werden musste. Nach dem etwas faden „Mafia III“ findet die Reihe bzw. das Entwicklerteam Hangar 13 dabei zu alten Stärken zurück.

So war „Mafia III“ sicherlich kein schlechtes Spiel, allerdings über weite Strecken sehr monoton bzw. generisch. Die Kritik der Fans war somit nicht weit. „Mafia: The Old Country“ beweist, dass die Entwickler von Hangar 13 diesen Unmut wahrgenommen und aufgegriffen haben. Denn statt einer weitläufigen aber sterilen Spielwelt hat man sich auf lineares Gameplay besonnen. Ja, auch im Sizilien des frühen 20. Jahrhunderts gibt es gewissermaßen ein offenes Gebiet, doch wie schon in den ersten beiden Spielen ist dies eher Staffage. Abseits der Hauptgeschichte gibt es dort wenig zu tun. Zumal ihr in den Missionen auf bestimmte Areale festgenagelt werdet.

Die Story von „Mafia: The Old Country“ dreht sich um den jungen Minenarbeiter Enzo, der in die Intrigen der titelgebenden Verbrecherorganisation gezogen wird. Hier muss er nicht nur seine bedingungslose Loyalität unter Beweis stellen, sondern verliebt sich zu allem Übel auch noch in die Tochter des mächtigen Dons. Dass es da zu Konflikten an allen Fronten kommt, ist vorprogrammiert.

Mein Test-System:

  • CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
  • CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
  • Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
  • RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
  • Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 4080
  • SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
  • Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (850 Watt)
  • Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)

„Mafia: The Old Country“ ist ein Augenschmaus

Getestet habe ich „Mafia: The Old Country“ an meinem aktuellen Gaming-PC. Dabei handelt es sich um einen Titel, der einerseits optisch trotz seiner Double-A-Ursprünge richtig etwas hermacht und andererseits aber auch massiv an der Leistung zieht. Obwohl mein System in der Oberklasse einzuordnen ist, kam ich auf maximalen Einstellungen nicht auf DLSS im Qualitätsmodus herum, wollte ich 60 fps erreichen. Selbst bei diesem Setting kommt es aber stellenweise, etwa bei rasanten Autofahrten durch die Spielwelt, zu Framerate-Einbrüchen. Möchte ich also eiserne 60 fps verbuchen, muss ich tatsächlich DLSS im Performance-Modus einsetzen. Alternativ könnte ich natürlich ein Limit auf 30 fps setzen.

Wo wir bei 30 fps als Thema sind: Ihr könnt für die Cutscenes im Spiel einrichten, ob diese mit 30 oder 60 fps laufen sollen, was ich sehr begrüße. Denn leider gibt es ja viele Titel, die euch da auf 30 Bilder pro Sekunde festnageln, auch wenn das restliche Game mit 60 fps rennt. Hardware-Ray-Tracing bietet „Mafia: The Old Country“ im Übrigen nicht, sondern setzt auf das Software-Lumen der Unreal Engine 5. Das sieht aber für meine Begriffe immer noch verdammt gut aus. Sieht man etwa gleich in den ersten Spielabschnitten, wenn man, noch vor den ersten Begegnungen mit seiner späteren „Familie“, die Mine verlässt.

Auch die Umgebungstexturen sind eine echte Augenweide – teilweise mit Photogrammetrie entstanden – und kommen knackscharf daher. Mich haben vor allem die etwas hölzern animierten Charaktere daran erinnert, dass ich hier ein Double-A-Spiel und keinen Triple-A-Titel zocke. Auch der Soundtrack sorgt dabei im Übrigen für Stimmung und bietet die passende, orchestrale Untermalung. Was wiederum die Stimmen angeht, so könnt ihr zwischen englischsprachigen, deutschen oder beispielsweise auch italienischen Sprechern für das richtige Flair wählen.

Lineares Gameplay muss kein Tabu sein

Endlose Open-World-Spiele, die massiv an der Freizeit nagen, gibt es meiner Ansicht nach ausreichend auf dem Markt. Da ist „Mafia: The Old Country“ mit seinem linearen Aufbau und einer Spielzeit von 12 bis 14 Stunden, je nachdem wie viel Zeit ihr euch so zum Erkunden nehmt, angenehm kompakt. Dazu hat man mit 49,99 Euro durchaus den passenden Preis gewählt. Denn schließlich sollte nicht nur die reine Spieldauer zählen, sondern vor allem die gebotene Qualität. Und die stimmt hier in aller Regel.

Die Mischung aus langsamen, narrativen Abschnitten, in denen man Charaktere begleitet, zu Missionen fährt oder Cutscenes verfolgt sowie coverbasierten Schießereien findet die richtige Dynamik. Einzig die eingestreuten Messerkämpfe, die jeweils eine Art Bosskampf darstellen und eigentlich die Abschnitte krönen sollten, nutzten sich für mich rasch ab. Und auch die Schleicheinlagen, bei denen sofort ein „Game Over“ winkt, wenn ihr entdeckt werdet, haben meine Geduld strapaziert. Zumal ich ab und an kurz davor gewesen bin, obszöne Gesten in Richtung TV zu vollführen: Erst muss ich partout schleichend und unentdeckt einen Abschnitt meistern, nur um dann als zwingender Teil der Story doch im selben Gebiet wild um mich zu ballern. Da kommt man sich veräppelt vor.

Glücklicherweise sind solche Erlebnisse eher die Ausnahme als die Regel. So habe ich den Protagonisten Enzo rasch lieb gewonnen. Auch andere Charaktere wie die Tochter des Dons, Isabella Torrisi, oder der charmante wie gleichzeitig bedrohliche Niccolò Galante bleiben im Gedächtnis. Grundsätzlich gibt „Mafia: The Old Country“ derartigen Gangster-Epen zwar keinen neuen Twist, doch die hier gebotene Geschichte ist stringent erzählt und macht von Anfang bis Ende Spaß. Das kann man aktuell nur von wenigen Games ernsthaft behaupten.

Ein wenig enttäuschend ist allerdings das rudimentäre Fortschritts- und Ausrüstungssystem des Spiels. So kann man zwar in der Spielwelt manche Sammelobjekte mitnehmen und bei einem Händler zu Geld (Dinari) machen. Letzteres lässt sich dann in neue Outfits, Waffen, Fahrzeuge oder auch Pferde stecken. Das macht einem zwar das Leben etwas leichter, notwendig ist es aber nicht wirklich. Zumal man sich in Kämpfen sowieso meist die Waffen bereits ausgeschalteter Gegner schnappt. Zusätzlich kann man die Anhänger an Enzos Rosenkranz wechseln und so zusätzliche Boni erhalten – zum Beispiel, dass man beim Schleichen weniger auffällt. Auch das ist aber je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad auch gut zu ignorieren.

Mein Fazit zu „Mafia: The Old Country“

„Mafia: The Old Country“ verlangt für höchste Grafikeinstellungen am PC potente Hardware, sodass die Verwendung von Upscaling unumgänglich ist, wollt ihr 60 fps erreichen und seid nicht gerade mit einer GeForce RTX 5090 unterwegs. Dafür bekommt man hier aber technisch auch einiges geboten, was die verhältnismäßig bescheidene Double-A-Herkunft locker kaschiert. Die Spielzeit von rund 12 bis 14 Stunden sehe ich nicht als Nachteil, denn hier wird nichts gestreckt und ich habe mich durch die wenig innovative, aber dafür packende Story über die gesamte Dauer super unterhalten gefühlt.

Letzten Endes werde ich „Mafia: The Old Country“ somit als gelungenes Gangster-Drama zum Mitspielen länger in Erinnerung behalten, als Open-World-Abenteuer XY mit 100 Stunden Spielzeit. Kritikpunkte gibt es zwar auch, etwa die erzwungenen Schleicheinlagen oder die aus meiner Sicht etwas eintönigen Messerkämpfe, aber das Gesamtergebnis ist ein kompaktes Mafia-Abenteuer, das (fast) an die Qualität des bisher besten Teils, natürlich „Mafia“, anknüpfen kann.

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