Life is Strange: Reunion im Test: Passt alles zusammen?

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„Life is Strange: Double Exposure“ kam Ende 2024 auf den Markt. Als Protagonistin kehrte Max Caulfield zurück. Mir hat die Fortsetzung ihrer Geschichte aus der Hand von Deck Nine gut gefallen, kommerziell blieb das Spiel jedoch hinter den Erwartungen zurück. Dennoch ist mit „Life is Strange: Reunion“ inzwischen eine direkte Fortsetzung erschienen. Ich habe sie mir im Test für euch angeschaut.

Ich versuche dabei, Spoiler zu vermeiden, auch für diejenigen, welche vielleicht „Life is Strange: Double Exposure“ bisher verpasst haben. Generell solltet ihr jedoch in „Life is Strange: Reunion“ keineswegs einsteigen, ohne den direkten Vorgänger gezockt zu haben. Sonst wird euch die Story mit zahlreichen Fragezeichen hinterlassen, auch wenn es am Anfang eine geraffte Zusammenfassung gibt. Selbiges gilt auch für das allererste „Life is Strange“, das die Basis für die Handlung gelegt hat und auch immer wieder referenziert wird.

Getestet habe ich die PC-Fassung von „Life is Strange: Reunion“, die allerdings einige Grafik-Bugs aufweist. So flackern Objekte, die hinter der Tiefenunschärfe in Cutscenes liegen, immer wieder unruhig umher. Auch werden Haare und Blätter in manchen Nahaufnahmen falsch dargestellt und wirken flach und halbdurchsichtig, ein Grafikfehler, der sich nur schwer beschreiben lässt. Coole Sache hingegen: In den Grafikoptionen nennt sich die höchste Einstellung „Hella High“, als augenzwinkernde Anspielung auf den Slang im ersten Spiel.

Mein Test-System:

CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)

„Life is Strange: Reunion“ wirkt teilweise unfertig

Bedauerlicherweise merkt man „Life is Strange: Reunion“ an, dass Square Enix nach dem Misserfolg des Vorgängers offenbar das Entwicklungsbudget gekürzt hat. Nach einem kurzen Prolog etwa ploppt plötzlich ein simples Textfeld ohne Schnörkel rein, das eine Handlungsentwicklung zusammenfasst. Das wirkt wie ein Platzhalter, an dem irgendwann mal eine schönere Animation oder Cutscene landen sollte, für die am Ende aber das Geld fehlte. Auch enden manche Dialoge abrupt, denn zwischen Textzeilen folgt unvermittelt ein Jump-Cut, so als ob die Entwickler nicht mehr die Zeit gehabt hätten, um den finalen Feinschliff anzulegen. Das sind zwar jeweils nur kleine Dinge, die in der Summe aber einen etwas hölzernen bzw. unfertigen Eindruck machen.

Wie schon beim Vorgänger hinterlassen Grafik und Performance gemischte Gefühle. Manche Umgebungen und Lichtstimmungen wirken absolut zeitgemäß. Auch Charaktere wie Max und ausgerechnet die nervige Barbesitzerin Amanda sind erstklassig animiert. Andere NPCs, speziell Nebenfiguren wie Reggie, wirken aber etwas aus der Zeit gefallen, denn da sieht man doch ein deutliches Qualitätsgefälle. Feine Sache beim Ton: Ihr könnt „Life is Strange: Reunion“ sowohl mit englischer als auch deutscher Sprachausgabe zocken.

Schade ist, dass im Originalton nicht Chloes Originalsprecherin Ashley Burch zurückgekehrt ist, sondern deren Stellvertreterin aus „Life is Strange: Before the Storm“, nämlich Rhianna DeVries. Letztere ist keine unbegabte Sprecherin, doch aus meiner Sicht wäre Burch die bessere Wahl gewesen. Ich vermute, dass bei der Wahl der Sprecherin primär finanzielle Abwägungen den Ausschlag gegeben haben dürften.

Zwischen Zeit und Raum

In „Life is Strange: Reunion“ schlüpft ihr in die Rolle der College-Lehrerin und Fotografin Max Caulfield, welche ihre Fähigkeit wiederentdeckt hat, die Zeit zurückzudrehen. So beginnt das Spiel damit, dass die Caledon-Hochschule in Flammen aufgeht. Max springt in der Zeit zurück und versucht aufzuklären, wie es zu dem Brand kommen konnte, um ihn natürlich zu verhindern. Parallel verschmelzen jedoch weiter die Grenzen zwischen den Dimensionen und alternativen Zeitlinien. So kommt es, dass eine alte Bekannte zu Max zurückkehrt: Chloe.

Im Übrigen könnt ihr Spielstände aus „Life is Strange: Double Exposure“ zwar nicht übernehmen, zu Beginn des Spiels aber fünf zentrale Beziehungen definieren. Etwa legt ihr fest, wie Chloes Schicksal am Ende von „Life is Strange“ verlaufen ist und ob Max mit ihr befreundet geblieben ist oder ihr Verhältnis in einer Romanze mündete. Parallel könnt ihr angeben, ob ihr mit Amanda, Vince oder keinem von beiden angebandelt seid. Die letzte Entscheidung betrifft Saphi aus dem direkten Vorgänger. Das will ich euch jedoch nicht spoilern.

Auch in „Life is Strange: Reunion“ dominiert dabei ein Gameplay-Mix aus Gesprächen, dem Nutzen der Rewind-Mechanik, um die Zeit zurückzudrehen, und dem Lösen meist eher simpel gestrickter Rätsel. Immer wieder trefft ihr Entscheidungen, welche die Geschichte beeinflussen. Allerdings sei gesagt, dass es hier mehr um die „Illusion der Freiheit“ geht, denn die Handlung verläuft am Ende streng linear auf ein vordefiniertes Finale zu. Letzteres können eure Entscheidungen aber beeinflussen. Ihr könnt aber eben nicht völlig verschiedene Richtungen einschlagen.

Das ist aber in diesem Fall nicht so schlimm, denn trotz der technischen Mängel und des offensichtlich zurechtgestutzten Budgets liefert „Life is Strange: Reunion“ ein würdiges und emotionales Finale ab. Das Rätsel um das Feuer und das Schicksal von Max und Chloe nimmt einige Wendungen und auch falsche Fährten werden geschickt eingestreut. So bleibt die Story tatsächlich bis zum Ende packend. In rund 10 Stunden wird aber bei euch auch schon der Abspann über den Screen flimmern. Dafür ist der ausgerufene Preis mit 39,99 Euro für den PC und 49,99 Euro für Konsolen aus meiner Sicht aber auch in Ordnung.

Mein Fazit

„Life is Strange: Reunion“ merkt man an, dass Publisher Square Enix den Entwicklern einen Sparkurs verordnet hatte. Aber auch mit einigen Ecken und Kanten ist ein würdiges Finale entstanden, das ich als Fan der ersten Stunde sehr gerne gespielt habe. Ja, immer noch nutzt man eher Blendwerk, was die Entscheidungen betrifft – denn am Ende läuft alles doch recht linear auf einen zentralen Höhepunkt hinaus. Immerhin kann man aber im Kleinen doch gewisse Aspekte beeinflussen. Etwas mehr Entwicklungszeit hätte hier aber nicht nur für technischen Feinschliff sorgen, sondern auch den Nebenfiguren mehr Profil verleihen können. Die verkommen neben Max und Chloe schnell zu Staffage.

Für Fans der Marke ist „Life is Strange: Reunion“ ein Muss und ein gelungener Abschluss ihrer Saga. Neueinsteiger sollten mit dem Remaster des ersten Teils einsteigen und auf jeden Fall auch vorher „Life is Strange: Double Exposure“ nachholen, weil die Geschichten eng miteinander verwoben sind.

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