Im Fokus stehen dabei vor allem Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt. Anthropic-Chef Dario Amodei warnte in der Vergangenheit wiederholt vor sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen durch schnell voranschreitende KI-Systeme. Nachdem das Unternehmen bereits 200 Millionen US-Dollar für die Erforschung dieser Arbeitsmarktfolgen zugesagt hatte, seien angesichts des KI-Fortschritts nun womöglich "mutigere Ansätze" nötig, heißt es in der Mitteilung.
Steigt der Unternehmenswert über einen festgelegten Basiswert hinaus um jeweils 50 Prozent, könnten dem Fonds weitere zwei Prozent der Anteile zufließen. Anthropic stellt den Fonds als Gegenmodell zu den mit dem Wachstum steigenden Aktienpaketen dar, die Tech-Unternehmen üblicherweise ihren Führungskräften gewährten. Zusammen mit früheren Spendenversprechen der Mitgründer, die bei der Gründung 80 Prozent ihrer Anteile zusagten, sowie einem Spenden-Matching-Programm für Mitarbeiter seien damit laut Anthropic rund 20 Prozent der Firmenanteile "dem Gemeinwohl gewidmet".
Tochtergesellschaft statt klassischer Non-Profit-Struktur kurz vor dem Börsengang
Ein Blick auf die rechtliche Konstruktion zeigt jedoch, dass Anthropic die Kontrolle behält. Statt den Fonds etwa als steuerbefreite Non-Profit-Organisation aufzusetzen, gründet das Unternehmen eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in Form einer LLC. Anthropic begründet dies mit einer höheren Flexibilität bei der Mittelvergabe und versichert, das Kapital weder im In- noch im Ausland für Lobbyarbeit oder politische Spenden zu nutzen.
Allerdings sind auch die in Aussicht gestellten Aufstockungen der Anteile nicht festgeschrieben, sondern liegen laut Mitteilung im Ermessen des Vorstands. Welche konkreten Bewertungsmeilensteine für diese Zuweisungen gelten und wie die genaue Governance des Fonds aussieht, lässt Anthropic bislang offen und verweist auf weitere Informationen in den kommenden Monaten.
Die Kontrolle über das Anthropic-Board liegt beim Long-Term Benefit Trust. Er hält keine wirtschaftlichen Anteile, bestimmt die Mehrheit der Direktoren. Nach dem Börsengang sollen die Gründer zudem über eine Sonderaktie 50,1 Prozent der Stimmen bei wichtigen Entscheidungen halten.
Zeitlich fällt die Initiative direkt in die Vorbereitung eines großen Börsengangs. Erst in der vergangenen Woche empfing die KI-Firma Investoren in San Francisco zu ganztägigen Präsentationen, nachdem bereits erste Details aus dem Börsenprospekt bekannt wurden. Der geplante Börsengang könnte bis zu 100 Milliarden US-Dollar einbringen und Anthropic mit rund zwei Billionen US-Dollar bewerten, wobei die offiziellen Börsenunterlagen in den nächsten Wochen erwartet werden.
Bei OpenAI zeigen sich die Grenzen solcher Strukturen
Am ehesten vergleichbar ist die OpenAI Foundation. Sie hält seit der Umstrukturierung vor rund einem Jahr 26 Prozent an der gewinnorientierten OpenAI Group, damals etwa 130 Milliarden Dollar wert. Zusätzliche Anteile erhält sie, falls der Aktienkurs nach 15 Jahren eine Schwelle übersteigt. Anders als Anthropics Fonds ernennt sie zugleich das Board.
Wo die Macht eines solchen Gremiums endet, zeigte sich im November 2023. Damals stimmten vier von sechs Mitgliedern des gemeinnützigen Boards für die Entlassung von CEO Sam Altman. Drohende Massenkündigungen und ein Angebot von Microsoft, Altman einzustellen, setzten das Board unter Druck. Altman kehrte binnen fünf Tagen zurück, und das Board wurde neu besetzt.
Später wollte die Unternehmensführung um Altman der gemeinnützigen Organisation die Kontrolle über das gewinnorientierte Geschäft ganz entziehen. Erst nach Gesprächen mit Vertretern der Zivilgesellschaft und den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten ruderte OpenAI zurück. Dass die Foundation heute das Board bestimmt, verdankt sie damit vor allem dem Druck von außen. Beim Anthropic-Fonds dürfte eine solche Aufsicht kaum greifen, da er als konzerneigene LLC keine gemeinnützige Organisation ist.
Musk will Aktien direkt ausgeben, Google setzt bisher auf Philanthropie
Elon Musk reagierte auf X mit dem Rat, die Aktien direkt an die Öffentlichkeit zu geben. Er selbst werde das so machen, schrieb Musk. Wie oder wann er Aktien verteilen will, erläuterte er nicht. Musk hatte als OpenAI-Mitgründer gegen dessen Umwandlung geklagt, war im Mai 2026 aber wegen Verjährung gescheitert. Mit xAI führt er selbst ein konkurrierendes KI-Unternehmen, das seinen Status als Public Benefit Corporation bereits 2024 aufgegeben hatte.
Bei Google ist keine vergleichbare, an Aktien gekoppelte Konstruktion bekannt. Der Konzern setzt auf klassische Unternehmensphilanthropie, etwa mit dem AI Opportunity Fund. Er soll weltweit KI-Grundkenntnisse vermitteln. Direktzahlungen an Betroffene sind darin nicht vorgesehen.
Mit der ausdrücklich genannten Option auf Direktzahlungen geht Anthropic zumindest in der Ankündigung weiter als die Konkurrenz, solange sich Musks X-Posts nicht als echte Unternehmensstrategie manifestieren.



