Kritik am KI-Hype: Fehlende Produktivitätssteigerung und Robotik-Probleme

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30. November 2025 Marcus Schwarzbach

Zwei Roboter, einer mit Aufschrift

Mitarbeiter spüren den KI-Boost – doch die Chefs sehen in den Zahlen etwas ganz anderes. Was läuft da schief?

Künstliche Intelligenz (KI) verspricht eine gesteigerte Arbeitsleistung. Das steigert aber nicht die Produktivität in den Betrieben – das sind die Kernaussagen im "AI Collaboration Report 2025" des australischen Softwareunternehmens Atlassian.

Nach Einschätzung der Arbeitenden steigt ihre Produktivität um 33 Prozent, während die Manager nur für drei Prozent der Unternehmen deutliche Effizienzgewinne sehen. Weltweit hat das Unternehmen 12.000 Büroangestellte und 180 Führungskräfte befragt.

Die Wahrnehmung der KI durch das Management unterscheidet sich von den Erfahrungen der Belegschaft.

Führungskräfte sind 5,6-mal häufiger davon überzeugt, dass KI bei der Lösung komplexer Probleme hilft. So glauben 82 Prozent der Marketingverantwortlichen, die Angestellten nutzen KI zur Content-Erstellung. Von den betroffenen Beschäftigten sehen dies jedoch nur 56 Prozent so.

KI zu unsicher für Roboter-Einsatz

Aber nicht nur Menschen bereitet die KI Probleme. Roboter sollen nicht mehr nur starre Arbeitsabläufe beherrschen, sondern zunehmend komplexe und flexible Tätigkeiten übernehmen.

"Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Robotik birgt riesige Chancen für unsere Wirtschaft."

Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Diese Entwicklung sieht Dominik Bösl kritisch. "Wenn Robotik das Korsett der Werkshalle abstreifen und unsere Alltagswelt durchdringen soll, dann muss sie sich weiterentwickeln", erläutert der Professor für Digital Sciences, Automation and Leadership an der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft.

Große Probleme sieht der KI-Experte bei Energieversorgung und Zuverlässigkeit der Roboter. Roboter streben nach Bewegungsfreiheit, sollen flexibel eingesetzt werden, jedoch laufen auch optimierte Batterien heute nur wenige Stunden "oder bringen riesige Gewichtsbelastung mit sich". Der Roboterhund "Spot" habe eine maximale Laufzeit von 90 Minuten.

"Ein zentraler Widerspruch zeigt sich zudem in der Frage der Zuverlässigkeit. Industrielle Automatisierungssysteme arbeiten mit einer Präzision, die an Perfektion grenzt: Fehlerraten im Bereich von Millionstel-Ereignissen sind Standard."

Dominik Bösl

Hier prallen zwei Philosophien aufeinander. Denn KI operiert auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten, Halluzinationen mit erfundenen Antworten sind an der Tagesordnung. Ein neuronales Netz könne seine Entscheidungen weder vollständig erklären noch garantieren. "Was im Textmodus tolerierbar ist – eine halluzinierte Antwort, ein fehlerhafter Kontext – wird im physischen Raum zur Gefahr", so Bösl, der vor einem KI-Hype warnt:

"Wir sind noch meilenweit von echter künstlicher Intelligenz entfernt. Die derzeitigen Modelle sind energieintensiv, teuer, ineffizient und oft kaum für physische Agenten geeignet."

Aktuelle Studien zur Fehlerquote zeigen die fundamentalen Schwächen der Technologie. Eine Untersuchung der Europäischen Rundfunkunion zeigt, dass bis zu 45 Prozent aller KI-Antworten zu aktuellen Ereignissen mindestens ein signifikantes Problem aufweisen, das Nutzende in die Irre führen könnte.

"Bei genauerer Betrachtung weisen sogar 81 Prozent der Ergebnisse fehlerhafte Darstellungen auf. Besonders problematisch ist die Quellennachverfolgung: In 31 Prozent aller Fälle sind die Quellenangaben signifikant fehlerhaft oder fehlen ganz."

Gewerkschaftlicher Info-Service Einblick

Der Handelsriese Amazon will KI zum Kahlschlag nutzen. Die New York Times berichtet von internen Amazon-Dokumenten, die die ehrgeizigen Pläne zum Arbeitsplatzabbau offenlegen.

Roboter und KI sollen immer mehr Arbeiten übernehmen. Fast 600.000 Stellen sollen bis 2033 durch die Automatisierungswelle eingespart werden. Allein bis 2027 sollen etwa 160.000 Neueinstellungen überflüssig werden.

"Rauswurf-Bumerang" durch KI

Wie riskant dieser Weg von Amazon ist, zeigen die Entwicklungen in anderen Branchen. Vor einem "Rauswurf-Bumerang" warnt die österreichische Tageszeitung Der Standard: "Firmen holen immer öfter Mitarbeiter zurück, die durch KI ersetzt wurden"

Manager hätten keine klaren Vorstellungen von Verbesserungen durch KI in der Praxis. Häufig verspüren die Beschäftigten einen "gewissen Überenthusiasmus in der Chefebene von Firmen in Hinblick auf die Möglichkeiten von KI".

"Mittlerweile werden 5,3 Prozent aller gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter später vom selben Arbeitgeber wieder angeworben. Das zeigt eine Analyse der Daten von 2,4 Millionen Angestellten bei 142 Firmen rund um die Welt. Ein Wert, der über den Werten der Jahre zuvor liegt."

Axios

Grenzen der KI-Transformation bestätigt auch eine aktuelle Studie, die im MIT (Massachusetts Institute of Technology) durchgeführt wurde. Darin heißt es, dass 95 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, bisher keinen relevanten Nutzen aus ihren Investitionen ziehen.

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