KI-Update kompakt: Carlsen vs. OpenAI, Arbeitsmarkt, KI nutzt KI, Smart Glasses

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Der Carlsen Verlag verklagt OpenAI vor dem Landgericht München. Auf Anfrage erfindet ChatGPT neue Geschichten rund um das „NEINhorn“, ein bekanntes Kinderbuch von Autor Marc-Uwe Kling und Illustratorin Astrid Henn. Dabei greift der Chatbot auf Charaktere aus den Büchern zurück und erstellt Illustrationen, die stark an das Original erinnern. Der Verlag wertet dies als Beleg dafür, dass das Modell mit den geschützten Inhalten trainiert wurde. Zudem schlage der Chatbot von sich aus rechtsverletzende Texte und Bilder vor.

Besonders weit reicht laut Verlag eine Funktion, bei der ChatGPT komplette Druckvorlagen liefert, samt Umschlaggestaltung, Impressum, gefälschter ISBN und Verlagslogo. Für Carlsen ist der Streit mit KI nicht neu. Vor einem Jahr sorgte der Verlag mit dem Vorgehen gegen KI-generierte Conni-Memes für Aufsehen.

Sicherheitsforschende von Varonis, einem Anbieter für Datensicherheit, deckten eine kritische Lücke in Microsofts KI-Assistenten Copilot auf. Sie befragten die KI gezielt nach ihren Schutzmechanismen. Anfangs verweigerte Copilot die Auskunft, doch jede Ablehnung enthielt technische Details zur internen Architektur. So gelang es den Forschenden, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen und über einen manipulierten Link Daten aus verknüpften Diensten wie E-Mails abzugreifen.

Mit versteckten Anweisungen in Webseiten manipulierten sie sogar dauerhaft das „Gedächtnis“ der KI. Diese Einträge überstanden laut Varonis Passwortänderungen und Geräte-Neuanmeldungen. Microsoft hat die Lücke behoben. Die Forschenden sehen jedoch ein grundsätzliches Problem, da KI-Assistenten meist reaktiv statt proaktiv abgesichert sind. Nutzer sollten die Zahl verbundener Apps klein halten und Links aus unbekannten Quellen prüfen.

Das Karrierenetzwerk LinkedIn kämpft mit einer Flut minderwertiger, KI-generierter Inhalte. Seit Einführung einer Meldefunktion markierten Nutzende rund eine Million Beiträge als mutmaßlich KI-generiert. Frühere Analysen zeigten bereits, dass ein erheblicher Teil längerer Beiträge von KI stammt. LinkedIn hat deren Reichweite deshalb stark gedrosselt.

Produktchef Hari Srinivasan erwägt nun, betroffene Personen über die Meldungen zu informieren. Ziel sei stets, Nutzenden hilfreiches Feedback zu geben. Der Grund für die vielen KI-Beiträge liegt im Stil der Plattform, denn Texte, die fachliche Kompetenz suggerieren, lassen sich leicht per KI erzeugen.

Eine Studie des Stanford Digital Economy Lab wertete echte Lohnabrechnungsdaten eines großen US-Personaldienstleisters aus, mit Millionen Erwerbstätigen über fünf Jahre. Die Gesamtbeschäftigung stieg, auch in KI-nahen Berufen. Doch bei Berufseinsteigern in stark KI-betroffenen Feldern sank sie seit dem Start von ChatGPT um rund elf Prozent, während sie in weniger betroffenen Berufen derselben Altersgruppe um etwa zehn Prozent zulegte. Der Grund ist kein klassischer Jobabbau. Firmen besetzen Junior-Positionen schlicht nicht mehr nach. Erfahrene Kräfte nutzen KI als Werkzeug, Berufseinsteiger machen sich mit denselben Tools unbeabsichtigt überflüssig.

Das Muster findet sich auch in Südkorea. In Deutschland erwartet laut einer Ifo-Umfrage rund die Hälfte der Unternehmen sinkende Einstiegslöhne für Nachwuchskräfte ohne akademischen Abschluss. Die Bundesregierung sieht dennoch keinen Grund zur Sorge. Das Arbeitsministerium erklärt, KI habe hierzulande keinen systematischen Stellenabbau ausgelöst, und führt Rückgänge bei Neueinstellungen eher auf die Konjunkturschwäche zurück. Als Antwort verweist die Regierung auf Weiterbildungsinitiativen und KI-gestützte Lernsysteme.

Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Denis Lehmkemper kritisiert in seinem Tätigkeitsbericht die Zentralisierung der KI-Kontrolle bei der Bundesnetzagentur. Sinnvoller wäre es, die Aufsicht über KI-Systeme der niedersächsischen Verwaltung im Land anzusiedeln. Zugleich haben die Landesbehörden ohnehin viel durch KI zu tun. In Niedersachsen stieg die Zahl der Bürgerbeschwerden um über 70 Prozent, weil Chatbots bei Recherchen direkt Musterschreiben erstellen. Das erzeugt eine Welle teils unvollständiger Anträge.

Auch als Beratungsthema gewinnt KI an Gewicht. Die Behörde begleitete Pilotversuche wie LLMoin und MS-Copilot-Chat in der Verwaltung und stellte fest, dass spezifische Rechtsgrundlagen weitgehend fehlten. Lehmkemper fordert vom Gesetzgeber klare Regeln fürs KI-Training, verbindliche Schulungen und präzisere Modelleinstellungen gegen Halluzinationen und Verzerrungen.

Betreiber von KI-Rechenzentren und Cloud-Anbieter müssen mit höheren Nvidia-Preisen rechnen. Systeme auf Basis der neuen Vera-Rubin- und der bisherigen Grace-Blackwell-Plattformen sollen im kommenden Jahr über 15 Prozent teurer werden. Die Auftragsfertiger, die diese Server für große Betreiber wie Microsoft, Google und Oracle bauen, haben ihre Kunden bereits informiert.

Der Grund liegt in gestiegenen Speicherpreisen, denn die Server sind Komplettsysteme aus Prozessoren, KI-Beschleunigern und RAM. Die Branche hängt von nur drei Speicherherstellern ab. Diese können die Nachfrage nicht bedienen und reagieren mit Preisaufschlägen.

Der US-Chipdesigner Marvell Technology hat einen Großauftrag von Google erhalten und wird für den Konzern KI-Prozessoren entwickeln. Der Auftrag könnte die Umsätze des Unternehmens verdoppeln. Im Gegenzug erhält Google Optionen zum Kauf von Marvell-Aktien.

Solche Geschäfte sind Teil eines Trends, bei dem große Technologiekonzerne Partnerschaften im KI-Sektor durch Finanzgeschäfte absichern. Google sichert sich so den Zugang zu spezialisierter Hardware, während der Börsenwert von Marvell steigt.

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Laut einer Analyse von OpenRouter, einer Plattform mit API-Zugang zu nahezu allen KI-Modellen, verbrauchen KI-Agenten inzwischen mehr Tokens als Menschen. Seit dem 6. Februar 2026 stieg der Verbrauch durch Agenten um das 14-Fache, der menschliche nur um das 2,8-Fache. Der Grund liegt in der Arbeitsweise der Agenten. Sie arbeiten selbstständig über längere Zeiträume und stoßen dabei weitere KI-Prozesse an.

Fast 70 Prozent des Agenten-Verbrauchs stammen aus dem gecachten Prompt, einem zwischengespeicherten Teil der Eingabe, der günstiger abgerechnet wird. Die Kosten steigen also weniger stark als die reinen Token-Zahlen vermuten lassen. OpenRouter bedient bevorzugt Open-Weight-Modelle, die teils weniger effizient sind. Der Trend dürfte aber auch bei großen Laboren gelten, denn auch Werkzeuge von Anthropic und OpenAI nutzen eigenständig Subagenten.

Anthropic überarbeitet seine umstrittene Datenpolitik. Seit Juni speichert das Unternehmen alle Kundendaten seiner Modelle Mythos und Fable 30 Tage lang auf eigenen Servern, um Cyberangriffe zu erkennen. Anthropic räumte selbst ein, die Regel sei unbeliebt und ein Geschäftsrisiko. Ab Herbst soll die Frist bestehen bleiben, die Daten aber in der Cloud des Kunden liegen statt bei Anthropic. Das neue System entstand laut Bloomberg gemeinsam mit über 100 Kunden aus regulierten Branchen.

OpenAI plant ein anderes Verfahren namens „Private Safety Processing“. Es soll Missbrauch erkennen, ohne Kundendaten zu speichern, indem es Muster über mehrere Interaktionen hinweg auswertet. OpenAI erhält dabei nur ein eng gefasstes Sicherheitssignal zu Art und Schwere einer Aktivität, nicht die eigentlichen Eingaben und Antworten.

Nach der Pleite von Spirit Airlines will Google deren interne Daten fürs KI-Training übernehmen. Der Datensatz enthält Millionen interner E-Mails und Nachrichten. Die Association of Flight Attendants hat Einspruch eingelegt, da ehemalige Mitarbeitende um ihren Datenschutz fürchten.

Obwohl die Daten anonymisiert werden sollen, befürchtet der Verband, dass sensible Informationen wie Disziplinarmaßnahmen oder Gehaltsanpassungen später wieder zugeordnet werden könnten. Die vorgesehenen Schutzmaßnahmen seien auf Verbraucherdaten ausgelegt und für vertrauliche Mitarbeiterdaten unzureichend. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur ethischen Beschaffung von Trainingsdaten auf.

Die argentinische Regierung von Präsident Javier Milei hat den Einsatz KI-gestützter Überwachungstechnik in zwei Jahren stark ausgebaut. Laut einem Bericht von Amnesty International schaffte sie gezielt Gesichtserkennungssoftware, KI-Tools zur Überwachung sozialer Medien und automatisierte Drohnen an.

Damit überwache die Regierung Proteste, unterdrücke abweichende Meinungen und schüchtere Aktivisten ein. Dies schaffe ein Klima der Angst und beschneide die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Amnesty fordert eine strenge Regulierung und ein Verbot biometrischer KI-Technik zur Massenüberwachung.

Mit der Verbreitung der Ray-Ban Meta-Brillen wächst die Sorge über Missbrauch. Sogenannte „Rizzfluencer“ filmen heimlich Frauen und veröffentlichen die Aufnahmen in sozialen Netzwerken. In Deutschland fordern gemeinnützige Organisationen deshalb ein Vertriebsverbot. Ein solches Verbot wäre jedoch schwer zu rechtfertigen. Beurteilte man Technik allein nach ihrem Missbrauchspotenzial, müsste man auch Smartphones verbieten. Täter würden zudem auf andere Geräte ausweichen.

Ein Verbot brächte auch Nachteile für den Standort. Smart Glasses könnten sich zu einer eigenen Computerplattform entwickeln, und mit EssilorLuxottica sowie dem Meta-Zulieferer Schott sind europäische Firmen beteiligt. Zudem helfen KI-Funktionen blinden Menschen, die ihre Umgebung verbal beschrieben bekommen. Sinnvoll wären daher strengere Kennzeichnungspflichten und ortsbezogene Verbote statt eines Verbots ganzer Produktkategorien.

Die smarte Brille RayNeo iO soll den Alltag produktiver machen, allein mit einem Mikrofon und ganz ohne Kamera. Eine KI-Suite läuft bei Besprechungen im Hintergrund mit, erkennt Aufgaben und schlägt Kalendereinträge vor. Neben Mikrofonen nutzt die Brille einen Knochenschallsensor, um Spracheingaben präzise zu erfassen.

Zusätzlich bietet sie eine Echtzeit-Übersetzung von Sprache zu Text und einen Teleprompter-Modus, der dank KI-Spracherkennung automatisch mitscrollt. Eine integrierte LED leuchtet, sobald Mikrofone oder Übersetzungstools aktiv sind. Die KI-Funktionen basieren auf Gemini 3.1 Flash Lite, der Zugriff auf weitere Modelle erfordert ein Abonnement.

Bei der Eröffnungsfeier der World Humanoid Robot Games in China lief ein Roboter die 100-Meter-Strecke schneller als der menschliche Weltrekordhalter Usain Bolt. Die Leistung demonstriert Fortschritte bei „verkörperter KI“, bei der eine künstliche Intelligenz einen physischen Körper in Echtzeit steuert, sowie Fortschritte bei Balance, Koordination und Fortbewegung.

China fördert die Forschung an humanoiden Robotern massiv. Bei der zweiten Roboter-Weltmeisterschaft in Peking treten die Maschinen in Disziplinen wie Weitsprung, Gewichtheben, Tischtennis und Fußball an, aber auch in alltagsnahen Szenarien wie Haushaltsaufgaben, Rettungseinsätzen und Fertigungslinien.

Der Deutsche Wetterdienst setzt zur Verbesserung seiner Prognosen verstärkt auf künstliche Intelligenz. Laut Roland Potthast vom DWD sind präzisere Vorhersagen nicht nur für die Alltagsplanung wichtig, sondern auch für die Warnung vor Extremwetter, die Sicherheit im Flugverkehr und die Planung erneuerbarer Energie.

KI dient dabei als Schlüsselwerkzeug neben Satelliten- und Flugzeugdaten, um riesige Datenmengen zu verarbeiten und die meteorologischen Modelle zu verfeinern. Das ganze Interview mit dem Direktor für meteorologische Analyse und Modellierung könnt Ihr bei heise+ lesen.

(igr)

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