Anthropic veröffentlicht Claude Haiku 5.5 als bislang schnellstes und günstigstes kleines Modell des Unternehmens. Die Benchmark-Ergebnisse zeigen einen deutlichen Leistungssprung gegenüber dem Vorgänger. Gleichzeitig senkt Anthropic die Preise für Sonnet 5.5.
Haiku 5.5 ist laut Anthropic für hochvolumige, kostensensitive Anwendungen wie Zusammenfassungen, Datenbankabfragen, Klassifikation und Live-Kundensupport gedacht.
Im Durchschnitt soll das Modell rund 75 Prozent günstiger als Haiku 4.5 sein. Für Anfragen mit Prompts bis zu 100.000 Tokens, die laut Anthropic etwa 90 Prozent aller bisherigen Haiku-Anfragen ausmachen, liegt der Preis sogar 90 Prozent niedriger. Bei längeren Prompts über 100.000 Tokens verfünffachen sich die Preise.
| Cache Reads | $0,01 / $0,05 | $0,10 | $0,10 |
| Cache Writes | $0,125 / $0,625 | $1,25 | $2,50 |
| Input-Tokens | $0,10 / $0,50 | $1,00 | $2,00 |
| Output-Tokens | $0,50 / $2,50 | $5,00 | $10,00 |
Anthropic weist allerdings darauf hin, dass Haiku 5.5 einen aktualisierten Tokenizer verwendet, der pro Aufgabe etwas mehr Tokens verbraucht als der Vorgänger. Das war auch schon bei den Opus-Modellen der Fall, deren Tokenverbrauch allein dadurch um circa 30 Prozent stieg. Die tatsächliche Ersparnis fällt daher geringer aus als die Tokenpreise suggerieren.
Benchmarks zeigen deutlichen Leistungssprung
Im Wissens-Benchmark GDPval-AA v2.1 erreicht Haiku 5.5 einen Wert von 1620, verglichen mit 735 beim Vorgänger. Beim Reasoning-Test Humanity's Last Exam kommt das Modell ohne Tools auf 45,9 Prozent, mit Tools auf 57,4 Prozent. Haiku 4.5 erreichte hier lediglich 10,2 bzw. 18,7 Prozent.
Besonders auffällig ist der Bereich Computer Use, also die eigenständige Bedienung eines Computers durch das KI-Modell. Im OSWorld-2.1-Benchmark erzielt Haiku 5.5 laut Anthropic 72,4 Prozent, während der Vorgänger bei 15,7 Prozent lag. Beim agentischen Coding-Benchmark Terminal-Bench 4.0 schafft das neue Modell 39,2 Prozent, Haiku 4.5 kam auf null Prozent.
Als Vergleich führt Anthropic auch OpenAIs Billigmodell GPT-6 Luna auf, das in allen getesteten Kategorien hinter Haiku 5.5 liegt. Die Referenzwerte von Sonnet 5.5 zeigen jedoch, dass Haiku 5.5 trotz der Fortschritte weiterhin deutlich hinter Anthropics größerem Modell zurückbleibt.
| Knowledge work / GDPval-AA v2.1 | 1620 | 735 | 1437 | 1840 |
| Knowledge work / AA-Briefcase v1.1 | 1578 | 614 | 1336 | 1824 |
| Computer use / OSWorld 2.1 | 72.4% (Offline subset) | 15.7% (Offline subset) | 48.9% (Offline subset) | 83.9% (Offline subset) |
| Multidisciplinary reasoning / Humanity's Last Exam | 45.9% (no tools) | 10.2% (no tools) | — | 56.9% (no tools) |
| 57.4% (with tools) | 18.7% (with tools) | — | 64.5% (with tools) | |
| Agentic coding / Terminal-Bench 4.0 | 39.2% | 0.0% | 16.4% | 70.6% |
| Agentic coding / FrontierCode 1.1 (Main) | 46.4% | — | 42.4% | 52.1% (Xhigh) |
| Visual reasoning / Chartography | 46.4% (no tools) | 6.4% (no tools) | 29.1% (no tools) | 61.6% (no tools) |
Erstes Haiku-Modell mit einstellbarem Aufwand
Haiku 5.5 ist das erste Modell der Haiku-Klasse mit einstellbarer Effort-Stufe, bei der Nutzer zwischen Kosten und Leistung abwägen können. Anthropic betont, dass sich das Modell vor allem für eng umrissene Aufgaben eignet, etwa Kompaktierung, Zusammenfassung oder Sub-Agent-Arbeit. Für komplexe agentische Coding-Aufgaben seien Sonnet 5.5 und Opus 5.5 weiterhin die bessere Wahl.
Die Cybersecurity-Schutzmaßnahmen sind restriktiver als beim Vorgänger, erlauben aber einen breiteren Bereich defensiver Aufgaben als Sonnet 5.5, auch weil das Modell insgesamt weniger leistungsfähig ist. Penetrationstests bleiben blockiert. Organisationen mit weitergehenden Anforderungen können sich für Anthropics Verifikationsprogramme für Life Sciences und Cybersecurity bewerben.
Haiku 5.5 ist ab sofort auf allen Plattformen verfügbar, darunter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure.
Anthropic senkt auch Sonnet-5.5-Preise und verteilt API-Credits
Parallel senkt Anthropic die Kosten für Cache-Reads bei Sonnet 5.5 um 50 Prozent, von 0,20 auf 0,10 US-Dollar pro Million Tokens. Das soll die Kosten für die meisten agentischen Aufgaben um rund 20 Prozent reduzieren.
Zusätzlich führt Anthropic monatliche API-Credits ein: Max-5x-Nutzer erhalten 100 US-Dollar, Max-20x-Nutzer 200 US-Dollar und Team-Abonnenten bis zu 500 US-Dollar pro Monat. Die Credits sollen zum Experimentieren mit Tools, Apps und Agenten über die API dienen.
Darüber hinaus aktualisiert Anthropic seine Python- und TypeScript-SDKs, um Computer Use und Browser Use in der Beta-Phase zu unterstützen.
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