Die Künstliche Intelligenz wirbelt den Arbeitsmarkt durcheinander. Für manche Altersgruppen öffnen sich neue Türen, andere bleiben außen vor.
Seitdem die Künstliche Intelligenz in unser Leben getreten ist, wird die Diskussion über die KI als Jobkiller geführt. Längst glaubt kaum mehr jemand das Versprechen von Sam Altman, dem OpenAI-Firmenboss, dass die KI ein "superkompetenter Kollege" sei.
Viele argwöhnen, die KI sei ein unerbittlicher Konkurrent um den Arbeitsplatz. Eine frische Studie zeigt nun, dass die KI beides sein kann, Kollege und Konkurrent.
KI verändert die Personalstruktur
Fakt ist, dass die KI den Arbeitsmarkt nachhaltig verändert. Seyed M. Hosseini und Guy Lichtinger von der Harvard Universität untersuchten die Daten von 62 Millionen Arbeitnehmern und knapp 285.000 Unternehmen für die Jahre 2015 bis 2025.
Die Wissenschaftler ermittelten anhand der Lebensläufe der Mitarbeiter deren Profil. Ihre Studie zeigt, dass die Einführung der KI einen technologischen Wandel befeuert hat, der sich in der Personalstruktur von Unternehmen niederschlägt.
Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass bei Unternehmen, die auf KI setzen, hauptsächlich die Jobs junger Mitarbeiter in Gefahr sind. Der Effekt kam im ersten Quartal 2023 zum Tragen.
Junge Arbeitnehmer verlieren, Ältere profitieren
Bei älteren Mitarbeitern sorgt die Einführung von KI zumindest zum jetzigen Zeitpunkt dafür, dass sie vermehrt eingestellt werden. Die Studie ermittelte, dass die Arbeitsplätze von Nachwuchskräften um sieben bis zwölf Prozent verringert wurden. In der Groß- und Einzelhandelsbranche sanken gemäß den Studiendaten die Neueinstellungen von Nachwuchskräften gar um vierzig Prozent. Es wird der Eindruck erweckt, als ob die KI nicht nur Praktikantenjobs obsolet macht.
Im Firmenjargon ausgedrückt, fielen die "Junior"-Stellen der KI zum Opfer, während die "Seniors" mit der KI ihre Stellung im Unternehmen stärken konnten. Die Forscher fanden zunächst paradox, dass in den Betrieben bereits beschäftigte "Juniors" ihren Aufstieg im Unternehmen im Zeitalter der KI beschleunigen konnten.
Damit bestätigt die Studie frühere Beobachtungen, denen gemäß die Transformation von Unternehmen in die KI-Welt den meisten Erfolg verspricht, wenn die eigenen Mitarbeiter eingebunden werden.
Bildung als entscheidender Faktor
Die Autoren der Studie sehen eine Korrelation des Bildungsstatus mit den Einstellungstrends. So seien Absolventen mittlerer Universitäten am meisten vom Wegfall von Arbeitsplätzen betroffen, während die Alumni der besseren und der einfacheren Bildungsinstitute weniger Auswirkungen spüren würden.
Obwohl nur rund vier Prozent der untersuchten Unternehmen die generative KI in großem Maßstab eingeführt hätten, wagen die Autoren die Feststellung, dass Karrieren im Zeitalter der generativen KI anders beginnen und verlaufen. Das würde sich auch in der Gehaltsentwicklung widerspiegeln.
Das Studienergebnis erscheint nur auf den ersten Blick als Oxymoron. Ist doch der empirische Eindruck weitverbreitet, dass Unternehmen verstärkt Juniors einstellen, die KI-Tools mutmaßlich besser verstehen und nutzen können als ältere, in festgefahrenen Bahnen denkende Mitarbeiter. Es muss sich zeigen, wie die Entwicklung weitergeht.
Es müsste der Gegenstand weiterer Studien sein, zu erforschen, ob die Präferenz zu älteren Arbeitskräften auch damit zusammenhängen könnte, dass in den Unternehmen noch Arbeitsabläufe stattfinden, die in der Vor-KI-Epoche konzipiert wurden. Hier haben die Seniors noch einen Erfahrungsvorteil.



