KI im Jurastudium: Wer sich verweigert, verliert den Anschluss

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Untersuchung von Rechtsfragen im internationalen und inländischen Handel durch KI-Anwendungen.

(Bild: Aree_S / Shutterstock.com)

Ein Juraprofessor warnt: Studierende, die KI-Tools ignorieren, schreiben schlechtere Arbeiten – bei Sprache, Argumentation und Nachweisen.

In Schulen und Universitäten wird über geeignete Formen, Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, diskutiert. Schüler und Studierende arbeiten bereits heute mit der Technologie.

KI in der juristischen Ausbildung: Chancen und Verantwortung

"Nutzt ein Jurastudent KI gut, wird er unweigerlich eine bessere Arbeit schreiben als ein Student, der sich verweigert. Sei es die Sprache, die Argumentationsschärfe oder die Nachweisdichte", ist sich Georg Borges, Professor an der Universität des Saarlandes, sicher.

Er berichtet von einer Untersuchung gemeinsam mit Studenten der Rechtswissenschaften. Das Verhalten der jungen Menschen sei unterschiedlich. "Einige nutzen die Tools, ohne viel darüber nachzudenken, andere nutzen KI aus Angst nicht".

Borges will verstehen, "was die Studierenden damit anfangen können und welche Bedeutung dies für die Lehre hat". Wichtig ist, KI als Assistenzsystem zu nutzen. "Das Verbessern der eigenen Argumentation über KI setzt hohe Eigenverantwortlichkeit voraus", betont der Jurist.

Gerade Halluzinationen bereiten oft Probleme. Die KI-Ergebnisse müssen auch überprüft werden.

Wer so blöd ist und ein Ergebnis ungeprüft verwendet, der gehört nicht in unseren Beruf. Das sage ich mit dieser Brutalität und vielleicht auch überzogenen Schärfe. Ein KI-generiertes Ergebnis ungeprüft zu verwenden, ist unprofessionell. Ich benutze kein Ergebnis ohne Originalquelle.

Neue Ideen für die juristische Ausbildung

"Zeitgemäße juristische Arbeitsmethoden" fordert Ole Neitzel, Rechtsreferendar am Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht.

Dies müsse jedoch bereits in der juristischen Ausbildung beginnen. Vieles hänge derzeit von der Initiative Einzelner ab. Viele bisherige Neuerungen, die im Kontext der Lehre und des Lernens nicht nur Vorschläge geblieben, sondern zur Umsetzung gelangt sind, gehen "vor allem auf studentische Initiativen zurück", betont Neitzel.

Der Rechtsreferendar sieht die Universitäten gefordert und hat Ideen, um das Lernen zu erleichtern. Bei der Examensvorbereitung könne ein interaktiver Lernassistent helfen: "Ein Chatbot, der über die bloße Karteikarten-Abfrage hinaus auch als Lernpartner fungiert".

Auch wäre eine Prüfungssimulation per Technik möglich. Es könne eine mündliche Prüfung simuliert werden, wobei ein Chatbot das Wissen prüft und "seine Rolle gegebenenfalls nach individuellen Vorgaben interpretieren kann".

Digitalisierung der Justiz bleibt hinter Erwartungen zurück

Neitzel sieht den verstärkten Technikeinsatz als "Chance für den Sprung in die Gegenwart". Die Praxis sieht anders aus: Viele Gerichte scheitern schon an einfachen Formen der Digitalisierung.

Die E-Akte ist die digitale Form der traditionellen Papierakte. Ursprünglich sollte die neue Form der Akte bereits ab Januar 2026 bundesweit für alle Gerichte verpflichtend sein. Geworden ist daraus jedoch nichts. Viele Landesregierungen haben den Termin verschlafen.

Die Bundesregierung hat deshalb die Verschiebung mit dem Gesetzentwurf "zur Änderung der Vorschriften über die Einführung der elektronischen Akte in der Justiz und über die allgemeine Beeidigung von Gerichtsdolmetschern sowie zur Änderung des Stiftungsregisterrechts" möglich gemacht. Der Bundestag verschafft so den Bundesländern ein weiteres Jahr Zeit bei der Einführung der elektronischen Akte.

Die Regelung ist sinnvoll, legt dabei aber Versäumnisse der Vergangenheit offen, schreibt der Deutsche Richterbund. In vielen Bundesländern ist die Einführung der elektronischen Gerichtsakte sehr weit fortgeschritten – während "andernorts – trotz großer Anstrengungen der mit der Umsetzung in der Praxis befassten Kolleginnen und Kollegen – keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen worden, um die gesetzgeberische Verpflichtung zu erfüllen".

Digitalisierung erhöht Belastung in der IT-Branche

Während Juristen noch über den Technikeinsatz diskutieren, wächst in einer KI-erfahrenen Branche der Stress am Arbeitsplatz. Belastungen durch Digitalisierung und KI steigen – das ist das zentrale Ergebnis einer von ver.di durchgeführten Befragung von Beschäftigten der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), an der dieses Jahres bundesweit rund 13.500 Beschäftigte teilgenommen haben.

"Organisationsveränderungen und digitaler Wandel, inklusive KI, verursachen Sorgen und verschärfen die Anforderungen bei den Beschäftigten", sagt Florian Haggenmiller, ver.di-Bundesfachgruppenleiter IKT. Rund zwei Drittel erleben, dass die Anforderungen an Wissen und Können im Zuge des digitalen Wandels steigen. Arbeitshetze und Zeitdruck sind für die Mehrheit der Befragten Alltagsrealität.

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