14. Januar 2026 Bernd Müller
(Bild: Frame Stock Footage / Shutterstock.com)
Wirtschaftswachstum ohne steigende Emissionen – das schien in den USA endlich zu funktionieren. Doch der Trend ist nach zwei Jahren vorbei.
Der Trend zu sinkenden CO2-Emissionen in den USA hat nur zwei Jahre angehalten. Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß von Treibhausgasen wieder an.
Wie Bloomberg berichtet, geht das Forschungsunternehmen Rhodium Group von einem Anstieg von 2,4 Prozent aus. Damit wären die Emissionen stärker gestiegen als das Bruttoinlandsprodukt des Landes.
Besonders bedenklich ist das aus einem weiteren Grund: In den vergangenen Jahren schien es, dass sich Wirtschaftswachstum und Emissionen entkoppelten. Dieser Trend kehrt sich jetzt wohl auch wieder um.
Kältere Winter und stromhungrige Server
Grund für den Anstieg sind laut dem Bericht hauptsächlich zwei Faktoren. Zum einen erhöhten kältere Wintertemperaturen den Bedarf an Raumheizung, was die Emissionen aus Gebäuden um 56 Millionen Tonnen beziehungsweise 6,8 Prozent steigen ließ.
Zum anderen trieben Rechenzentren und das Schürfen von Kryptowährungen den Stromverbrauch in die Höhe. Die Emissionen des Energiesektors stiegen dadurch um 3,8 Prozent.
Um den wachsenden Bedarf zu decken, griffen Versorger verstärkt auf Kohle zurück: Die Kohleverstromung legte gegenüber dem Vorjahr um dreizehn Prozent zu – erst zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren. Als Ursache nennen die Analysten höhere Erdgaspreise.
Digitalisierung als wachsender Klimafaktor
Der Fall verdeutlicht, welche Rolle die digitale Infrastruktur inzwischen für das Klima spielt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) waren Rechenzentren im Jahr 2024 für rund 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs verantwortlich – Tendenz steigend.
Bis 2030 könnte sich der Stromverbrauch mehr als verdoppeln, von 415 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2024 auf 945 TWh.
Besonders das Training der KI-Modelle verbraucht erhebliche Mengen an Rechenleistung – und damit auch an Energie. So kamen Forscher der UC Berkeley zu dem Schluss, dass das Training des Modells GPT-3 rund 1.287 MWh verbrauchte und dabei Emission von 552 Tonnen Kohlendioxid verursachte.
Doch nicht nur das Training ist energieintensiv, sondern jede einzelne Anfrage bei ChatGPT verbraucht laut Schätzungen zwischen drei und neun Wattstunden Strom. Und bei 2,5 Milliarden Anfragen pro Tag summiert sich der Energieverbrauch auf erhebliche Größen.
Warnung vor fossiler Reaktion des Stromnetzes
Angesichts des wachsenden Strombedarfs warnen die Autoren des Rhodium-Berichts vor den kommenden Jahren. "Wir sehen noch keine direkten Auswirkungen dieser politischen Veränderungen auf die Emissionen in den USA", schreiben Michael Gaffney und Ben King.
"Das könnte sich in den nächsten ein bis zwei Jahren ändern, insbesondere wenn der Strombedarf von Rechenzentren weiter steigt und das Stromnetz mit einer höheren Leistung bestehender fossiler Kraftwerke statt mit neuen, sauberen Ressourcen reagiert."
Um die Emissionen wieder zu senken, brauche es eine "weiterhin starke Nutzung erneuerbarer Ressourcen und Batterien im Energiesektor", so Gaffney.
Weniger Daten erschweren künftige Analysen
Ob sich diese Entwicklung der CO2-Emissionen tatsächlich umkehren lässt, wird künftig allerdings schwerer zu beurteilen sein. Die US-Umweltbehörde EPA gab nämlich im vergangenen Jahr bekannt, ein seit langem bestehendes Programm zur Erfassung von Treibhausgasen zu beenden.
Rund 8.000 Standorte meldeten darüber zuletzt etwa 2,6 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent jährlich, heißt es bei Bloomberg.
"Der Verlust dieser Daten bedeutet, dass wir uns auf unruhigeres Terrain begeben, wenn es darum geht, den zweitgrößten Emittenten von Treibhausgasen weltweit zu verstehen", schreiben Gaffney und King.
Atomkraft als Alternative – aber nicht kurzfristig
Manche setzen auf Atomkraft, um den wachsenden Strombedarf klimafreundlich zu decken. Die US-Regierung hat etwa mit Westinghouse Electric ein milliardenschweres Abkommen geschlossen.
Doch schnelle Lösungen bietet dieser Weg nicht: Realistische Einschätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren nur zwei Kraftwerke tatsächlich in Betrieb gehen werden. Der Bau traditioneller Reaktoren dauert zehn Jahre oder länger, Schlüsselkomponenten haben Lieferzeiten von bis zu vier Jahren.
Globaler Rekord bei CO2-Emissionen
Der US-Anstieg fügt sich dabei in ein besorgniserregendes globales Bild: Laut Global Carbon Budget wurde im vergangenen Jahr mit einem neuen Rekord bei weltweiten CO2-Emissionen gerechnet.
Aus dem Verfeuern von fossilen Brennstoffen sollten demnach 38,1 Milliarden Tonnen CO2 resultieren – ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verschärfend kommt hinzu, dass die natürlichen Kohlenstoffsenken wie Ozeane und Wälder immer weniger CO2 aufnehmen, was den Treibhauseffekt verschärfen könnte.



