(Bild: mohammadhridoy / Shutterstock.com)
Agentic AI revolutioniert die Arbeitswelt: Intelligente Software-Systeme übernehmen Aufgaben, treffen Entscheidungen und ersetzen menschliche Arbeit.
"Mit Agentic AI steigt künstliche Intelligenz vom Helfer zum Chef-Assistenten auf", betont Apratim Purakayastha, Manager beim Unternehmen für Bildungstechnologie Skillsoft. Großes Potenzial im Personalbereich sieht auch Marius Wehner, Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Was ist ein KI-Agent?
Ein KI-Agent ist ein autonomes Softwaresystem, das Künstliche Intelligenz nutzt, um Aufgaben zu erledigen. Im Gegensatz zum klassischen Chatbot sollen KI-Agenten lernen, indem sie ihre Umgebung analysieren und eigenständig aktiv werden.
KI-Agenten werden die Personalentwicklung "grundlegend verändern", erklärt Apratim Purakayastha. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und sich häufig ändernder Anforderungen muss die Qualifizierung der Beschäftigten sichergestellt werden.
KI-Agenten ermöglichen es, "individuelle Lernpfade für Mitarbeitende zu entwickeln, die sich an deren Fähigkeiten, Zielen und Karrierestufen orientieren". Soll ein Angestellter etwa vom Marketing auf die Position des Data-Analysten wechseln, könne KI die passenden Kurse zur Datenanalyse empfehlen, um die erforderlichen Kenntnisse zu erwerben.
Durch Fachkräftemangel müssen häufig Aufgaben neu intern verteilt werden. Offene Stellen können durch interne Bewerber besetzt werden. "Ähnlich wie bei der Analyse von Qualifikationsdefiziten kann eine agentische KI dabei helfen, Empfehlungen für interne Wechsel auf Basis von Kompetenzen und Karrierezielen zu geben, um Lücken relativ schnell zu schließen", so Purakayastha.
Hierarchisch organisierte KI-Agenten
Ein KI-Agent kann dazu genutzt werden, automatisch auf eingehende E-Mails zu antworten. Besonders interessant werden dabei KI-Agenten, die in einem hierarchischen System strukturiert werden.
So kann etwa ein erster untergebener KI-Agent relevante Informationen aus Linkedin-Beiträgen oder Websites herunterladen und speichern, ein zweiter KI-Agent eine Sentiment-Analyse und eine Zusammenfassung erstellen, während ein dritter KI-Agent die Ergebnisse mit internen Unternehmensdaten abgleicht. Der führende KI-Agent bündelt schließlich alle Informationen, leitet daraus eine Entscheidung ab und übermittelt diese entweder an den Menschen – oder agiert selbstständig weiter.
Nur noch wenige Menschen müssten ein solches KI-Agenten-System überwachen.
KI im Recruiting
"So sind Hire Vue, Pymetrics oder Retorio dafür bekannt geworden, Softwarelösungen für videobasierte Vorstellungsgespräche und Onlinespiele für die Rekrutierung anzubieten, die es ihnen erlauben, die Persönlichkeitseigenschaften von Bewerberinnen und Bewerbern aus den Bewerbungsgesprächen oder den Onlinespielen vorherzusagen", berichtet Experte Wehner.
Bei jährlich knapp 1,8 Mio. Bewerbungen hat Unilever mithilfe dieser Anbieter ungefähr 70.000 bis 100.000 Arbeitskräftestunden bei der Kandidatensuche eingespart.
Auftrag für Werbeagentur: "Mit KI, bitte!"
"Die KI kann im Arbeitsprozess einen beträchtlichen Teil der geistigen Arbeit übernehmen, so wie einst die Maschine ein großes Stück der körperlichen Arbeit ersetzt hat", sagt Wolfgang Däubler, Professor für Arbeitsrecht.
Wie weit die Technik derzeit bereits ist, zeigt ein Beispiel der Werbeagentur Glück in Berlin: Ein Touristikkonzern suchte eine Kampagne, die früher wochenlange Konzeption und Castings von Orten und Personen zur Folge hatte. Jetzt war der entscheidende Satz: "Alles bitte mit KI."
Das bedeutet: zu einem niedrigen sechsstelligen Betrag, ein Bruchteil früherer Budgets. "Für die Konzeption setzen wir uns immer erst zusammen und besprechen das Ziel und den Markenkern", sagt Bastian Meneses von Arnim, "aber danach gehört KI für jeden bei uns zum normalen Werkzeug".
Digitale Werkzeuge werden schon seit Jahrzehnten von Werbeagenturen genutzt. Jedoch blieb das Kerngeschäft "Kreativität" Aufgabe der Menschen – etwa die Produktion von Text und Bild für Kampagnen. Mit der generativen KI gibt es nun Werkzeuge, die Ideen schnell und einfach in sichtbare Ergebnisse umsetzen können. Das spart enorme Zeit und Personalkosten: Texte oder Filme, selbst Models, werden digital generiert.



