
Die EU-Kommission hat neue Leitlinien zum Schutz von Minderjährigen auf Online-Plattformen vorgelegt, doch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht diese als nicht weitreichend genug an. Der Digital Services Act soll zwar grundsätzlich für mehr Sicherheit im Netz sorgen, aber die vorgeschlagenen Maßnahmen greifen nach Ansicht der Verbraucherschützer zu kurz.
Die reine Altersverifikation schaffe noch keine sichere Umgebung für Kinder. Vielmehr müssen die Plattformen von Grund auf anders gestaltet werden. Das bedeutet konkret: Schluss mit endlosem Scrollen, automatischer Wiedergabe und ständigen Push-Benachrichtigungen. Diese Features sind bewusst so designt, dass sie süchtig machen – und genau das muss aufhören, so Ramona Pop.
Besonders interessant ist der Aspekt der Privatsphäre-Einstellungen. Der vzbv fordert, dass alle Accounts standardmäßig auf „privat“ gestellt sein müssen. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist es aber leider nicht. Auch die Empfehlungssysteme, die auf „Engagement“ basieren, sollen deaktiviert werden. Diese Systeme sind darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten – oft mit problematischen Inhalten.
Die Altersverifikation, die bisher als Hauptschutzmaßnahme gilt, wird vom vzbv kritisch gesehen. Sie kann nicht nur leicht umgangen werden, sondern birgt auch Datenschutzrisiken. Wer sich den Digital Services Act genauer anschaut, findet in Artikel 28 die Verpflichtung für Plattformen, Minderjährige vor Risiken wie Cybergrooming, Abhängigkeit und verstörenden Inhalten zu schützen. Die Frage ist nur: Wie verbindlich sind diese Vorgaben wirklich? Die neuen EU-Leitlinien sollen das konkretisieren, aber ob sie stark genug sind, um die kommerziellen Interessen der Plattformbetreiber in die Schranken zu weisen, bleibt abzuwarten.
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6 months ago
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