Insta360 Link 2 Pro & Link 2C Pro im Test: Die Webcam, die wirklich mitdenkt

6 hours ago 3

Webcams hatten lange das Image des notwendigen Übels. Irgendein Plastikding oben am Monitor, das in schlechtem Licht ein körniges Bild liefert, während der Hintergrund aussieht wie eine Horrorfilmkulisse. Insta360 versucht seit einiger Zeit, dieses Klischee loszuwerden, tat das mit ziemlichem Erfolg und legt mit den neuen Pro-Modellen der Link-2-Familie nochmal eine Schippe drauf. Ich habe mir beide Geräte angeschaut: die Insta360 Link 2 Pro und die Insta360 Link 2C Pro.

Kurz vorab: Die beiden sind eng verwandt, teilen sich dieselbe Hardware-Basis und unterscheiden sich im Wesentlichen durch ein einziges, aber entscheidendes Feature. Dazu gleich mehr.

Was steckt drin?

Beide Kameras setzen auf einen 1/1,3-Zoll-Sensor, was ein ziemlich großer Chip für eine Webcam ist. Die meisten anderen Webcams werkeln mit deutlich kleineren 1/2-Zoll-Sensoren. Dazu kommen Dual Native ISO und HDR. Anders ausgedrückt, gibt es deutlich bessere Bilder bei schlechtem Licht, weniger ausgeblichene Fenster im Hintergrund, natürlichere Gesichter und so weiter. Wer schon mal im Homeoffice mit der Abendsonne oder einer einzigen Schreibtischlampe gekämpft hat, weiß, wovon ich rede.

Das Sichtfeld liegt bei rund 84 Grad – etwas breiter als beim Vorgänger und angenehm für kleine Räume. Der Autofokus arbeitet per PDAF (Phase Detection). In der Praxis bedeutet das, dass der Fokus sofort und schnell nachzieht, ohne das nervige Herumpumpen, das man von günstigeren Webcams kennt. Haltet ihr Dokumente oder Produkte vor die Linse, bleibt das Bild zackig scharf.

Das Audio-System ist ebenfalls ein Upgrade gegenüber dem, was man sonst von Webcams kennt. Zwei Mikrofone sind an Bord, ein omnidirektionales und ein Richtmikrofon, kombiniert mit Strahlformung und KI-Rauschunterdrückung. Im Link Controller lassen sich vier Modi einstellen: Standard, Breit, Fokus und Original. Wer in einem lauten Großraumbüro oder neben einer laufenden Spülmaschine arbeitet, wird den Fokus-Modus mögen. Dieser schneidet Hintergrundgeräusche ziemlich konsequent weg.

Kurz die Specs auf einen Blick:

Eigenschaft Link 2 Pro Link 2C Pro
Video
Sensorgröße 1/1,3″ 1/1,3″
Videoauflösung Horizontal:
4K @ 30/25/24 fps
1080p @ 60/50/30/25/24 fps
720p @ 60/50/30/25/24 fps
360p @ 30/25/24 fps

Porträt:
4K @ 30/25/24 fps
1080p @ 60/50/30/25/24 fps
720p @ 60/50/30/25/24 fps

Horizontal:
4K @ 30/25/24 fps
1080p @ 60/50/30/25/24 fps
720p @ 60/50/30/25/24 fps
360p @ 30/25/24 fps

Porträt:
4K @ 30/25/24 fps
1080p @ 60/50/30/25/24 fps
720p @ 60/50/30/25/24 fps

Videokodierungsformat H.264, MJPEG
(4K und 1080p 60 fps Portraitmodus unterstützen H.264 nicht).
H.264, MJPEG
(4K und 1080p 60 fps Portraitmodus unterstützen H.264 nicht).
Belichtungskorrektur ±3 EV ±3 EV
ISO Dual Native ISO
100-3200
Dual Native ISO
100-3200
Verschlusszeit 1/8000~1/30s 1/8000~1/30s
Weißabgleich 2000-10000 K 2000-10000 K
Blende f/1,9 f/1,9
35 mm äquivalente Brennweite 24 mm 24 mm
Festes FOV 83.9º DFOV, 71.4º HFOV 83.9º DFOV, 71.4º HFOV
Digitalzoom Bis zu 4x Bis zu 4x
Autofokus Unterstützt (Fokusabstand: 12 cm–) Unterstützt (Fokusabstand: 12 cm–)
HDR Unterstützt Unterstützt
Mikrofone 2 2
Rauschreduzierung KI-Rauschunterdrückung KI-Rauschunterdrückung
Audiomodi Standard, Breit, Fokus, Original Standard, Breit, Fokus, Original
Modi KI-Tracking, Intelligentes Whiteboard, DeskView, Virtueller Hintergrund Auto-Framing, Intelligentes Whiteboard, DeskView, Virtueller Hintergrund
Gimbal
Gimbal 2-Achsen Ohne
Hardware
Taste 1x Berührungstaste 1x Berührungstaste
Verbindungsmöglichkeiten Per USB-C-zu-USB-C-Kabel (USB 2.0) oder USB-C-zu-USB-A-Adapter Per USB-C-zu-USB-C-Kabel (USB 2.0) oder USB-C-zu-USB-A-Adapter
Stromverbrauch 5V/1A 5V/1A
Befestigungsoptionen Magnetische Halterung mit 1/4-Zoll-Befestigungspunkt für externes Stativ Magnetische Halterung mit 1/4-Zoll-Befestigungspunkt für externes Stativ
Maße (B × H × T) 71,3 × 58,9 × 38 mm 62,7 × 30,2 × 26 mm
Gewicht Ohne Magnethalterung: 102,5 g
Mit Magnethalterung: 167,5 g
Ohne Magnethalterung: 48,5 g
Mit Magnethalterung: 113,5 g
Betriebstemperatur 32 bis 104 Grad
*Unter Laborverhältnissen getestet
32 bis 104 Grad
*Unter Laborverhältnissen getestet
Farbe Graphitschwarz Graphitschwarz

Der Unterschied zwischen den Modellen: Dreht sich da was oder nicht?

Nachfolger, Vorgänger – irgendwas mit Spider-Man-Meme

Hier trennt sich die Zielgruppe. Die Link 2 Pro hat einen 2-Achsen-Gimbal. Die Kamera dreht sich physisch mit euch mit. Ihr steht auf, geht ans Whiteboard, zeigt Dinge, bewegt euch im Raum und die Kamera folgt. Das wirkt erstaunlich natürlich, weil es eben echte Bewegung ist und kein digitaler Trick. Einzel- und Gruppen-Tracking ist ebenfalls möglich, wobei ich für Gruppen sagen würde, dass zwei bis drei Personen realistisch sind, ab da wird es unruhig.

Die Link 2C Pro (das „C“ steht übrigens für Compact und Classic) dreht sich nicht. Sie nutzt stattdessen automatisches Framing, also einen intelligenten Bildzuschnitt. Die Kamera bleibt statisch, aber der Bildausschnitt folgt euch per Software-Zoom. So setzt es Apple beispielsweise auch bei Center Stage um. Das ist für klassische Schreibtisch-Setups absolut ausreichend und wirkt in ruhigen Szenarien sogar cleaner als das Gimbal-Tracking.

Die Frage ist also schlicht, ob ihr euch viel bewegt oder die meiste Zeit sitzt? Präsentiert ihr vor dem Rechner oder führt ihr hauptsächlich Meetings? Wer unterrichtet, Demos macht oder sich beim Sprechen naturgemäß bewegt, ist bei der Link 2 Pro besser aufgehoben. Wer hauptsächlich sitzt und redet, braucht den Gimbal nicht wirklich und spart dabei 50 Euro.

Die KI-Funktionen im Alltag

Beide Modelle bringen eine Handvoll Modi mit, die tatsächlich nützlich sind. Der DeskView-Modus kippt die Kamera nach unten auf den Schreibtisch, was ideal für Hardware-Demos oder Zeichnungen ohne zweite Kamera ist. Der Whiteboard-Modus verbessert die Lesbarkeit von Beschriftungen automatisch und lässt sich mit der Victory-Geste direkt aktivieren.


Die Gestensteuerung generell ist angenehm durchdacht. Hand hochhalten für Tracking an/aus, L-Geste für Zoom, V für Whiteboard. Das funktioniert zuverlässig und ist im Alltag ein echter Zeitsparer, besonders wenn man gerade in einem Meeting ist und nicht erst in der Software herumklicken will.


Der Portrait-Modus ermöglicht vertikales Video in 9:16 bis 4K 30fps. Für alle, die regelmäßig Reels oder vertikale Social-Media-Inhalte produzieren, ist das ein nettes Extra. Dazu kommen virtuelle Hintergründe, natürliches Bokeh und ein Greenscreen-Modus.

Wer Insta360 InSight nutzen möchte (das ist ein optionaler KI-Meeting-Assistent mit Transkription und Zusammenfassung) bekommt dafür 300 Credits zum Testen. Hab ich natürlich ausprobiert und muss sagen, dass es tatsächlich besser und strukturierter arbeitet als Granola und ohnehin VIEL besser als Copilot. Dazu kommt, dass InSight echt gute Grafiken erstellt, die zeigen, was in Meeting besprochen wurde.

Software

Wie eben schon erwähnt, heißt die Software Link Controller und ist die Schaltzentrale für alles. Dort findet ihr Belichtung, Weißabgleich, HDR, Audio-Modi, KI-Funktionen etc… Wer die Hintergrund-Effekte oder den Whiteboard-Modus auch in Zoom oder Teams nutzen will, wählt dort als Videoquelle die „Insta360 Virtual Camera“ statt der physischen Webcam. Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis für die Einrichtung.

Die Elgato Stream Deck Integration ermöglicht es, Szenen, Modi und Einstellungen direkt per Knopfdruck zu wechseln. Kombiniert mit den Szenen-Voreinstellungen (man kann komplette Setups für Meeting, Präsentation, DeskView, Stream etc. anlegen) ist das ein wirklich guter Workflow.

Was nervt?

Ganz ohne Kritikpunkte ist das natürlich nicht. Der Link Controller ist zwar funktional, aber nicht die schlankste Software. Wer wenig Platz auf dem Bildschirm hat oder mit mehreren Fenstern jongliert, muss sich erstmal organisieren. Auch ein wirklich kompakter Modus ist nicht vorhanden. Das Minimum ist eine ziemlich fette Leiste zur Steuerung der Kamera.

Das Tracking der Link 2 Pro ist bei sehr schnellen Bewegungen nicht perfekt. Man merkt gelegentlich das Nachziehen, wenn man sich ruckartig dreht. In normalen Meeting- oder Unterrichtssituationen fällt das kaum auf, wer aber hektische Demonstrationen macht, sollte das im Hinterkopf behalten.

Was noch? Der Preis. Knapp 270 Euro für eine Webcam sind kein Impulskauf. Das muss man schon bewusst entscheiden. Wer ein paar Stunden pro Woche kurze Video-Calls macht, ist mit günstigeren Modellen der Link-2-Familie (ohne Pro) gut bedient. Oder halt mit dem Vorgänger, der auch wirklich gut ist.

Fazit

Die Insta360 Link 2 Pro und Link 2C Pro sind die bisher überzeugendsten Argumente dafür, dass man eine gute Webcam kaufen sollte und nicht nur irgendeine. Der 1/1,3-Zoll-Sensor mit HDR und Dual Native ISO macht im Alltag einen echten Unterschied, vor allem in schwierigen Lichtsituationen. Das Audio-System mit zwei Mikrofonen und vier Modi ist für eine Webcam durchdacht und die Software-Integration über Link Controller, Stream Deck und Szenen-Presets macht beide Modelle zu einem ernstzunehmenden Werkzeug und nicht nur zu einem Gimmick.

Die Insta ist auf jeden Fall etwas für alle, die den Großteil der Zeit vor der Kamera verbringen. Für den gelegentlichen Call gibt es deutlich günstigere Modelle, die auch ihren Job tun.

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