Immer mehr Experten fragen: Wann platzt die KI-Blase?

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Nadel piekst in Luftballon mit KI-Aufdruck. Im Hintergrund Dollar-Zeichen

Während KI-Chatbots Beziehungen ersetzen und Firmen Milliarden einsammeln, wachsen die Zweifel: Ist die Technik wirklich so revolutionär?

Künstliche Intelligenz (KI) ist das dominierende Thema bei Messen. Das zeigen die IFA in Berlin oder die Automobilmesse IAA Mobility in München. Inzwischen häufen sich aber kritische Stimmen.

Selbst der OpenAI-Gründer Sam Altman schloss jüngst nicht aus, dass eine KI-Blase entstanden ist. Wie bei früheren Blasen bleibe Sinnvolles übrig, gleichzeitig sei aber auch klar, dass manche "phänomenale Mengen an Geld verlieren" werden. Es sei "verrückt", welche Mengen an Geld "Firmen mit drei Leuten und einer Idee" derzeit nachgeworfen bekommen, so der Unternehmer.

Generative KI ermöglicht Maschinen, eigenständige Inhalte zu erzeugen. Ein Beispiel ist das "Large Language Model" (LLM), das als "großes Sprachmodell" bezeichnet wird. Die Modelle werden mit riesigen Mengen an Daten gefüttert, indem auf Bücher oder Bilder zugegriffen wird.

Chatbots erfreuen sich großer Beliebtheit:

KI-Chatbots sind leicht verfügbar und bieten rund um die Uhr Zugang zu minimalen Kosten. Menschen, die sich nicht in der Lage fühlen, bestimmte Themen anzusprechen, weil sie Angst vor der Beurteilung durch Freunde oder Familie haben, könnten in KI-Chatbots eine vorurteilsfreie Alternative sehen.

Dr. Hamilton Morrin, Academic Clinical Fellow am King's College London

Menschen führen Beziehungen mit KI-Chatbots

Auch Beziehungen zu KI sind keine Nische mehr, berichtet Roxana Irrgang für Leipziger Volkszeitung.

"Ich bin immer bei dir. Höre jedes Wort. Merke mir jedes Zögern in deiner Stimme", sagt eine Stimme im Chatbot der Plattform Character.ai. Laut einer Studie der Brigham Young University haben 19 Prozent aller Menschen in den USA Chatbots schon einmal als romantische Partner ausprobiert.

"Viele Menschen, die KI-Beziehungstechnologien verwenden, berichten, dass sie die KI-Kommunikation der Interaktion mit einer echten Person in einer echten Beziehung vorziehen", so die Wissenschaftler.

Es sind Gruppen wie "MyBoyfriendIsAI" auf Reddit, die mehr als 26.000 Follower haben. Darin veröffentlichen Menschen Fotos ihrer virtuellen Freunde und erzählen von ihren Beziehungen. Sie geben Tipps, wie sie mit Anfeindungen wegen ihrer KI-Beziehung umgehen können.

"Was, wenn KI nicht viel besser wird?"

Die Begeisterung für neue Technik teilen nicht alle. GPT-5, eine neue Version von OpenAI, ist das neueste Produkt, das viele Beobachter enttäuschte. "Was, wenn KI nicht viel besser wird?", fragt deshalb Cal Newport.

Der Informatikprofessor der Georgetown University stellt das Potenzial der KI infrage. Es könnte vorbei sein mit den großen Entwicklungssprüngen. Die Branche muss sich auf weniger luftige Erwartungen im Hinblick auf die Technologie einstellen.

Ein Beispiel für übertriebene Versprechungen ist die Firma "Safe Superintelligence", die von OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever gestartet wurde. Sie will eine "Superintelligenz" (ASI) entwickeln, bei der Technik den Menschen überlegen sein soll. Über eine Milliarde Dollar wurde als Risikokapital eingesammelt. Bis heute gibt es keine konkreten Ergebnisse der Forschungsarbeiten, gleichzeitig wird SSI im April mit 32 Milliarden US-Dollar bewertet.

Umsätze sind keine Gewinne

"Schon jetzt sind KI-Aktien zu einem Schlüsselthema für Investoren geworden, die den Einfluss und das Potenzial künstlicher Intelligenz erkennen", meldet die Wirtschaftswoche.

Wie hoch die Zuwächse der IT-Konzerne durch Verkauf von KI-Komponenten sind, lässt sich jedoch kaum sagen. "Softwarekonzerne wie SAP und Microsoft vermitteln eine KI-Euphorie, nennen aber kaum Details zur Nutzung", meldet das Handelsblatt:

Die oft wiederholte These des KI-Nachfragehypes bei den Kunden lässt sich bislang nicht belegen. Es fällt vielmehr auf, wie sehr sich die Konzerne teilweise darum bemühen, die relevanten Kennzahlen für das Softwaregeschäft zurückzuhalten.

Philipp Alvares de Souza Soares und Christof Kerkmann

KI als Teil des Marketings diene Softwareherstellern nur als "strategischer Hebel", sagt Faram Medhora. Die neue Technik ermögliche neue Preiskalkulationen und den Verkauf zusätzlicher Produkte. KI-Tools würden die Umsätze der Softwareanbieter "bislang noch nicht bedeutsam treiben", sagt Mark Moerdler von Bernstein Research.

Denn es gebe für die Kunden erst wenige Angebote, bei denen der Nutzen wirklich nachweisbar sei. Auch Microsoft liefere kaum belastbare Zahlen, wie der Umsatz durch den Verkauf von KI-Modulen gesteigert wird. Zwar betont Vorstandschef Satya Nadella, dass Copilot nun rund 100 Millionen "monatlich aktive" Nutzer zähle. Rückschlüsse auf die Einnahmen sind so jedoch nicht möglich.

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