Studierende aus Fidschi erhalten den alternativen Nobelpreis: Dank ihnen hat der Internationale Gerichtshof eine saubere Umwelt zum Menschenrecht erklärt.
2. Oktober 2025, 7:15 Uhr
Wer bei Fidschi-Inseln immer noch an Palmenstrände und das gute Leben denkt, sollte mit Vishal Prasad reden. Prasad, 29, beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen der Erderwärmung für seine Heimat. Das Thema Klimaschutz ist in Deutschland und Europa ja derzeit aus der Mode gekommen. Länder wie Fidschi können sich ein solches Desinteresse nicht leisten. Ihre Städte und Dörfer werden zunehmend unbewohnbar.
Prasad ist ein netter, aber sturer Kerl, der nicht einsieht, warum die Hauptverantwortlichen für die Klimakrise ungeschoren davonkommen sollen. Deswegen dachte er sich vor mehreren Jahren mit anderen Studentinnen und Studenten in einem Seminar eine Strategie aus, um die Klimakrise vor das höchste Gericht der Vereinten Nationen zu bringen. Dafür wird den Pacific Islands Students Fighting Climate Change (PISFCC), deren Direktor er ist, nun der Right Livelihood Award verliehen. Auch bekannt als alternativer Nobelpreis.
Die ZEIT sprach mit Prasad zum ersten Mal 2021. Da hatte Fidschi gerade den Klimanotstand ausgerufen, und die Studierenden standen noch am Anfang ihres Vorhabens.
Prasad und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter leben in Ländern, die mächtigere und reichere Staaten – auch Deutschland – für entbehrlich erklärt haben. Weil die Weltgemeinschaft sich nicht auf das nötige Tempo bei der Reduktion von CO2-Emissionen durchringen kann, steigt der Meeresspiegel immer schneller, werden immer häufiger Plantagen und Äcker überschwemmt, zerstören immer heftigere Stürme Dörfer, müssen schon jetzt Menschen umgesiedelt werden.
Die "ertrinkenden Inseln" – so nennt man die Ministaaten im Pazifik, darunter neben Fidschi auch Vanuatu, Tuvalu und Palau. Auf Tuvalu hat mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung ein Visum für Australien beantragt.
Eine Idee im Jura-Seminar wird zur historischen Rechtsnorm
Angesichts dieser existenziellen Bedrohung und der internationalen Tatenlosigkeit wundert man sich, dass Menschen wie Prasad noch auf die Weltgemeinschaft setzen. Genauer gesagt: auf ihre Justiz.
2021 hatte die PISFCC gerade den ersten der Inselstaaten, Vanuatu, überzeugt, mit ihrer Unterstützung nach Den Haag vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) zu ziehen. Der IGH ist das höchste Rechtsprechungsorgan der UN und damit der Welt. Mitgliedsländer tragen hier Rechtsstreitigkeiten aus – um Grenzverletzungen, Hoheitsgewässer, Kriegsschulden, aber auch um grenzüberschreitende Umweltzerstörung.
Prasad und seine Organisation wollten niemanden verklagen. Sie wollten ein Rechtsgutachten. Der IGH sollte klären, welche Verpflichtungen Staaten haben, jetzige und zukünftige Generationen vor den Folgen der Erderwärmung zu schützen. Weltweit schlossen sich mehr als 100 Organisationen und Regierungen dem Antrag auf ein IGH-Gutachten an. Dessen sogenannte advisory opinions sind für niemanden bindend. Aber sie können eine enorme rechtsnormative Wucht entfalten. Was dann auch geschah.



