03. März 2026 Matthias Lindner
(Bild: Helsing)
Die Helsing HX-2 trifft offenbar Ziele im rückwärtigen Raum der russischen Armee. Doch technische Probleme werfen Fragen auf. Was kann die Drohne wirklich?
Russische Soldaten klagen auf Telegram über Angriffe einer deutschen Kamikazedrohne. Auf dem Kanal "UAV Developer" zeigt ein Foto mutmaßliche Wrackteile einer Helsing HX-2. Unabhängig überprüft sind die Bilder nicht.
Die Drohne trifft laut den Berichten keine Fronttruppen, sondern Logistikziele weiter hinten. "Sie greifen Reparaturmannschaften und Straßenbauarbeiter im relativen Hinterland an", zitiert das Fachportal Militarnyi russische Soldaten.
Zwölf Kilogramm schwer, KI-gesteuert, schwarmfähig
Helsing, ein Münchner Rüstungs-Startup und laut Bloomberg das wertvollste europäische Rüstungs-Startup seiner Art, präsentierte die HX-2 Ende 2024.
Das Fluggerät bringt rund zwölf Kilogramm auf die Waage, erreicht dank vier Elektromotoren eine Geschwindigkeit von etwa 220 Kilometern pro Stunde und fliegt bis zu 100 Kilometer weit. Gedacht ist sie für Angriffe auf Fahrzeuge, Artillerie und Versorgungseinrichtungen.
Das zentrale Versprechen steckt in der Software: Ein KI-System vergleicht laufend Sensordaten mit digitalen Karten und steuert die Drohne so auch ohne GPS oder Funkverbindung.
Dadurch soll sie selbst dann noch ihr Ziel finden, wenn der Gegner massiv stört. Außerdem können mehrere HX-2 als Schwarm zusammenarbeiten – das macht die Abwehr deutlich schwieriger.
Kinderkrankheiten auf dem Gefechtsfeld
Zwischen Werbeversprechen und Frontbedingungen liegt jedoch ein spürbarer Abstand. Im Januar 2026 meldete Militarnyi – unter Berufung auf einen Welt-Bericht – eine Treffergenauigkeit von lediglich 35 Prozent im Einsatz. Ob Helsing die Mängel seitdem beseitigt hat, bleibt offen.
Schon zuvor hatte Bloomberg unter Berufung auf eine interne Bundeswehr-Präsentation von erheblichen Startschwierigkeiten berichtet: Nur ein Viertel der Drohnen hob bei Tests erfolgreich ab.
Mechanische Defekte am Startgerät und russische Störsender sorgten für Ausfälle. Allerdings fehlten den Testmodellen offenbar jene KI-Komponenten, die genau vor solchen Störungen schützen sollen.
Helsing widersprach den Zahlen. "Die offiziell dokumentierte Trefferquote der ersten Flüge ist vielversprechend", erklärte ein Sprecher laut Tagesspiegel. Bei Tests des deutschen und britischen Militärs im Oktober habe die HX-2 überzeugt.
Tausende Drohnen bestellt – Lieferstatus unklar
Seit 2025 steht fest, dass die Ukraine 6.000 HX-2 bei Helsing geordert hat. Die Kosten trägt ein deutsches Hilfspaket über drei Milliarden Euro. Wie viele Exemplare bereits in der Ukraine fliegen, geben weder Hersteller noch Kiew preis.
Ein endgültiges Urteil über die HX-2 fällt noch schwer. Auch der US-Konkurrent Anduril kämpfte anfangs mit Problemen und besserte dann nach. Die jüngsten Berichte aus dem russischen Hinterland legen nahe, dass die Drohne trotz Kinderkrankheiten inzwischen im Einsatz ist.



