05. März 2026 Bernardo Cantz
(Bild: Kathrine Andi / Shutterstock.com)
Südkorea fertigt drei Viertel aller Speicherchips weltweit – doch ohne Helium aus Katar stehen die Fabriken wohl bald still.
Wer in den nächsten Monaten ein neues Smartphone, einen Laptop oder PC kaufen möchte, sollte die Lage im Nahen Osten im Blick behalten. Denn der eskalierende Krieg gegen den Iran könnte die weltweite Versorgung mit Speicherchips empfindlich treffen.
Südkorea – Heimat von Samsung und SK Hynix – stellt fast drei Viertel aller DRAM-Speicherchips weltweit her. Genau dort wachsen nun die Sorgen.
Krisentreffen in Seoul: Chipbranche schlägt Alarm
Nach einem Treffen mit Führungskräften von Samsung Electronics, SK Hynix und Wirtschaftsverbänden zeichnete der südkoreanische Abgeordnete Kim Young-bae ein düsteres Bild.
"Wir sagen, dass der Superzyklus der Halbleiterindustrie begonnen hat, aber die Pläne für Rechenzentren werden höchstwahrscheinlich gestört werden, was möglicherweise zu Problemen mit der Chipnachfrage führen könnte", sagte er laut Reuters.
Nicht alle schätzen die Lage dramatisch ein. SK Hynix etwa verwies laut Reuters auf vielfältige Lieferketten und ausreichende Lagerbestände.
Der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC sieht demnach aktuell keine gravierenden Folgen und beobachtet die Entwicklung. GlobalFoundries teilte mit, bereits Maßnahmen zur Risikominderung getroffen zu haben.
Ohne Helium stehen die Fabriken still
Ein Stoff rückt besonders in den Fokus: Helium. Die Chipindustrie benötigt das Edelgas, um Siliziumwafer während der Fertigung zu kühlen. Einen Ersatz gibt es bislang nicht.
Laut Teilnehmern der Krisensitzung in Seouls Nationalversammlung werden bis zu 90 Prozent des Bedarfs an einigen Materialien – darunter auch Helium – aus dem Nahen Osten geliefert.
Die Versorgungslage hat sich zuletzt deutlich zugespitzt: Nach einem Drohnenangriff auf die zentrale Erdgasanlage in Ras Laffan legte Qatar Energy die Produktion still und berief sich dabei auf höhere Gewalt, um nicht für Schäden in den Lieferketten aufkommen zu müssen.
Das Unternehmen steht für rund 30 Prozent der globalen Heliumproduktion. Die Fachzeitschrift Gasworld rechnet laut Bericht mit einem Preisanstieg von bis zu 50 Prozent. Bis die Produktion wieder vollständig anläuft, dürfte mindestens ein Monat vergehen.
Teure Energie als zweite Belastung
Neben dem Materialmangel belastet ein weiterer Faktor die Branche: Südkorea deckt etwa 70 Prozent seines Ölbedarfs über den Nahen Osten. Klettern die Ölpreise weiter, schlägt sich das direkt in höheren Stromrechnungen für die energiehungrigen Chipfabriken nieder.
Branchenkenner beziffern den Anteil der Energiekosten an der Halbleiterfertigung auf zehn bis 20 Prozent. "Dies könnte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft beeinträchtigen", warnte Kim Young-bae.
Drohnenangriffe treffen Rechenzentren am Golf
Auch auf der Nachfrageseite gibt es Fragezeichen. Amazon meldete Schäden an Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain nach Drohnenangriffen.
Tech-Konzerne wie Amazon, Microsoft und Nvidia hatten die Golfregion als Drehscheibe für Künstliche Intelligenz aufgebaut. Rund ein Fünftel der weltweit geplanten Kapazitäten bei Rechenzentren soll in der Region entstehen.
Geraten diese Projekte ins Stocken, könnte das die Nachfrage nach Speicherchips spürbar bremsen.
Was das für Käufer in Deutschland heißt
Schon jetzt hat der weltweite Wettlauf um KI-Rechenzentren die Chiplieferungen an andere Branchen verknappt – ausdrücklich betroffen sind laut Branchenberichten Smartphones und Laptops.
Kommen nun Materialengpässe, höhere Energie- und Transportkosten hinzu, steigt das Risiko, dass Speicherchips knapper und teurer werden. Für Verbraucher könnte sich das in höheren Gerätepreisen oder eingeschränkter Auswahl niederschlagen.
Seoul arbeitet an Notfallplänen
Die südkoreanische Regierung steuert bereits gegen. Kim Young-bae arbeitet an einem Vorschlag, die strategischen Ölreserven gezielt einzelnen Industriezweigen zugänglich zu machen.
Die Investmentbank BNP Paribas erwartet laut Wall Street Journal weitere Maßnahmen aus Seoul, um die Chipproduktion zu stützen. Wirtschaftsverbände drängen auf detaillierte Szenarien für den Fall einer weiteren Eskalation.
Ob die Gegenmaßnahmen ausreichen, um einen Preisanstieg bei Chips und Speicher abzufangen, bleibt offen – zu viele Variablen hängen vom weiteren Verlauf des Konflikts ab.



