Hautzellen zu Eizellen: Labor-Durchbruch

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Bei einem Erfolg könnte das als In-vitro-Gametogenese (IVG) bezeichnete Verfahren unfruchtbaren oder älteren Frauen dabei helfen, eigene Kinder zu bekommen. Auch gleichgeschlechtlichen Paaren könnte das Verfahren ermöglichen, »ein Kind zu bekommen, das genetisch mit beiden Partnern verwandt ist«, sagte die Mitautorin Paula Amato von der Oregon Health & Science University der Nachrichtenagentur AFP.

»Wir haben in dieser Studie weibliche Hautzellen verwendet, aber man könnte auch Hautzellen von Männern verwenden«, sagte Mitautor Shoukhrat Mitalipov dem britischen »Guardian «. Zudem könne man Eizellen für Männer produzieren, auf diese Weise sei das Verfahren auch für männliche, gleichgeschlechtliche Paare anwendbar.

Für ihre Studie entfernten die Wissenschaftler nun zunächst den Zellkern aus normalen Hautzellen und übertrugen ihn anschließend in eine Spendereizelle, deren Zellkern entfernt worden war. Diese auch als somatischer Zellkerntransfer bezeichnete Technik wurde 1996 auch zum Klonen des Schafs Dolly verwendet.

Allerdings musste noch ein Problem gelöst werden: Hautzellen haben 46 Chromosomen, Eizellen hingegen nur 23. Die Wissenschaftler entfernten diese zusätzlichen Chromosomen nun mithilfe eines speziellen Verfahrens, das die normale Zellteilung imitiert.

Das Team stellte schließlich 82 heranreifende Eizellen her, die dann durch In-vitro-Fertilisation (IVF) mit Spermien befruchtet wurden. Nach sechs Tagen hatten sich weniger als neun Prozent der Embryonen so weit entwickelt, dass eine Übertragung in die Gebärmutter einer Frau möglich gewesen wäre. Die Embryonen wiesen aber eine Reihe von Anomalien auf, sodass das Experiment beendet wurde.

Die aktuelle Studie stelle zwar einen bedeutenden Fortschritt dar, das Verfahren sei aber noch Jahre davon entfernt, potenziellen Eltern zur Verfügung zu stehen, erklären die Wissenschaftler.

Die britische Forscherin Ying Cheong bezeichnete die Studie als »hochinteressanten« Durchbruch. Zum ersten Mal hätten Wissenschaftler gezeigt, »dass DNA aus gewöhnlichen Körperzellen in eine Eizelle eingebracht, aktiviert und dazu gebracht werden kann, ihre Chromosomen zu halbieren«, sagte die Reproduktionsmedizinerin von der Universität Southampton. Dabei würden »die speziellen Schritte nachgeahmt, die normalerweise zur Bildung von Eizellen und Spermien führen«.

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