GreedFall: The Dying World hat mittlerweile die Ziffer 2 aus dem Namen gestrichen, ist also kein klassisches Sequel. So spielt der RPG des französischen Entwicklerstudios Spiders zeitlich dann auch vor dem Quasi-Vorgänger. Nach einer langen Early-Access-Phase ist das Game im Vertrieb von Nacon mittlerweile erhältlich. Doch die turbulente Entwicklungsgeschichte merkt man diesem Titel leider an.
Eigentlich ist es schon fast ein Wunder, dass „GreedFall: The Dying World“ überhaupt erschienen ist. Denn der Publisher Nacon soll das Team von Spiders nach der vollständigen Übernahme vor einigen Jahren angeblich mehr schlecht als recht betreut haben. 2025 stutzte man wohl auch mitten im Early-Access das Entwicklerteam zurecht. Inzwischen hat Nacon Insolvenz angemeldet und etwa auch seinen Spiele-Showcase Nacon Connect vorerst verschoben. In all diesem Gerangel ist „GreedFall: The Dying World“ dann dennoch erschienen.
Manchmal kann allen widrigen Umständen zum Trotz dennoch etwas Tolles aus so einer Krise entstehen. Da will ich jedoch ehrlich sein: Das kann ich von „GreedFall: The Dying World“ nicht in Gänze behaupten. Für Rollenspieler kann der Titel unter bestimmten Umständen dennoch lohnenswert sein, allerdings gibt es deutliche Schwächen, die viele Interessenten schnell vertreiben dürften.
Mein Test-System:
CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)
GreedFall: The Dying World (Deutsche Verpackung) (PS5)
- DEUTSCHE VERPACKUNG. DEUTSCHE ANLEITUNG. DEUTSCH SPIELBAR.
- Zahlreiche Verweise auf das erste Spiel, während neue Charaktere und Umgebungen eingeführt werden.
- Charaktere mit starken Identitäten, deren Aussehen, Ausrüstung und Fähigkeiten du individuell anpassen...
Der Kampf mit den Kämpfen
Dabei muss ich, bevor ich auf das weitere Drumherum eingehe, meine größte Kritik an „GreedFall: The Dying World“ herausposaunen. So ist das Kampfsystem kompletter Mist. Denn hier hat Spiders eine komplette Abkehr vom ersten Spiel vollzogen. Zumal es nicht „das eine Kampfsystem“ gibt, sondern das Team drei Abwandlungen gebastelt hat, die allesamt nicht wirklich funktionieren. Sie alle erlauben euch keine direkte Kontrolle, sondern nutzen eine Art Stop-and-Go-Prinzip in Varianten, bei dem ihr der Hauptfigur oder je nach Auswahl auch den anderen Charakteren Anweisungen gebt. Erinnert lose an ältere „Dragon Age“-Titel. Das Ganze fühlt sich jedoch absolut plump an und endet in ständigem Pausieren, Rumgefrickel, kurzem Laufenlassen und neuen Pausen. Das macht einfach keinen Spaß.
Am Ende handhabt man es am besten, indem man die Schwierigkeit drosselt und den Kampf weitgehend automatisch ablaufen lässt, um es hinter sich zu bringen. Das geht dann zwar, ist aber natürlich nicht der Sinn der Sache bei einem RPG. Generell ist da auch das Interface sehr umständlich, was die Stop-and-Go-Kämpfe eben noch haarsträubender macht. Da haben definitiv ein paar Monate Entwicklungszeit für Verfeinerungen gefehlt. Zumal die Community schon im Early Access bei Steam vielfach auf diese Querelen hingewiesen hatte.
Dazu kommt, dass die Begleiter strunzdoof agieren und gefühlt immer den Feind attackieren, der von ihnen und mir als Spieler am weitesten weg steht. Während die Party also ans andere Ende des Schlachtfelds eilt, bekomme ich während ihres Marathons den Hintern versohlt und stehe ohne Support da. Zumindest kann man einige Fights durch alternative Lösungswege der Haupt- und Nebenmissionen umgehen. Wenn die Kämpfe aber so ein Totalausfall sind und eben doch weite Strecken des Spiels ausmachen, dann ist das ein tiefergehendes Manko. Zumal mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr Monotonie einkehrt, denn die Kämpfe entwickeln sich im Grunde nie weiter.
„GreedFall: The Dying World“: Die Atmosphäre stimmt
In Sachen Atmosphäre kann „GreedFall: The Dying World“ dann jedoch punkten. Spannend ist, dass man das Prinzip des ersten Spiels gekonnt umdreht. Segelte man dort als Entdecker in eine mystische, neue Welt, so ist es in diesem Fall umgekehrt. Als Ureinwohner der Neuen Welt wird man in die Zivilisation entführt und muss sich dort zurechtfinden. Dabei geht man auch einer unheilvollen Seuche auf den Grund, welche schon im ersten Spiel der Reihe ein zentrales Element der Handlung gewesen ist. Ohne es groß zu verstecken, spielt man da natürlich auch auf die Kolonisierung Nordamerikas an.
Die Idee ist gut, aber die Geschichte ist teilweise ein wenig flach. So gibt es hier viel Schwarz und Weiß. Die Schurken sind halt klischeehaft böse, während die Guten schillernde Helden darstellen. Viel Platz für Grauzonen verbleibt nicht. Anders beim Loot-System, das euch Ausrüstung verschiedener Qualitätsstufen verheißt, die je nach Seltenheit und Stärkegrad Boni verheißen. Obendrein kann gefundene Ausrüstung auch noch verbessert werden, sodass es da durchaus Spaß macht, im Inventar zu wühlen. Dazu kommen natürlich auch Attribute und Fähigkeiten, die ihr im Spielverlauf steigern könnt.
Dabei solltet ihr euch jedoch früh festlegen. Denn wer seine Punkte etwa auf zu viele Waffentypen und Stile verteilt, muss später noch mehr Zeit in den öden Kämpfen herumtüfteln, als notwendig sein sollte. Mehr Sinn hat es aber ohnehin, z. B. die Konversationsfähigkeiten oder das Schlösserknacken zu pushen, um Aufgaben anders zu bewältigen. Eure Begleiter unterstützen dabei jeweils bestimmte Talente, sodass es je nach Situation sinnvoll ist, die Party anders zu gestalten.
Technisch lief „GreedFall: The Dying World“ grundsätzlich auf meinem mächtigen Testsystem flüssig und problemlos in 4K mit 60 fps. Allerdings haben viele Bugs das Spielvergnügen getrübt. Beispielsweise wurden Texturen manchmal nur in schlechter Qualität oder verzögert geladen. Das betraf sowohl die Umgebung als auch Charaktere, bei denen manchmal etwa Feinheiten an den Rüstungen schlichtweg nicht zu sehen gewesen sind. Auch mit zwei Abstürzen musste ich leben, habe aber zumindest dank des Autospeicherns nie große Fortschritte verloren.
Im Übrigen bringt das RPG von Spiders zwar deutsche Texte mit, die Sprachausgabe gibt es aber nur auf Englisch. Die weiß jedoch zu gefallen, was auch für den epischen Soundtrack gilt, der manchmal bombastischer wirkt, als es das Game eigentlich hergibt. Im Übrigen werdet ihr in dieses Abenteuer wohl 20 bis 30 Stunden stecken, je nachdem, wie viele Nebenaufgaben ihr abseits der Hauptgeschichte abreißt.
Mein Fazit
„GreedFall: The Dying World“ ist ein solides Rollenspiel, an dem mir der Spaß vor allem durch die Kämpfe verdorben worden ist. Das AA-Spiel von Spiders hatte das Potenzial, den Vorgänger zu toppen, bleibt aber stattdessen, wohl auch wegen der Entwicklungsumstände, hinter diesem zurück. Die Atmosphäre stimmt weiterhin und es gibt ein reichhaltiges Talent- und Skillsystem. Auch das Aufrüsten mit Loot macht Spaß und greift sauber mit dem Crafting-System ineinander. Aber die an sich gut gemachten Charaktere finden sich hier in einer ziemlich zweidimensionalen und vorhersehbaren Geschichte wieder.
Im Ergebnis ist „GreedFall: The Dying World“ ein RPG, das Liebhaber des ersten Spiels mal in einem Deal mitnehmen sollten. Stelle die Kämpfe möglichst easy ein und nehmt Lore und Story mit. Die Welt weiß durchaus zu gefallen und ich hoffe, dass Spiders vielleicht unter besseren Bedingungen nochmal eine Chance erhält, dorthin zurückzukehren.
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3 weeks ago
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