27. Februar 2026 Christoph Jehle
Über 90 Prozent aller KI-Rechenzentren stehen in nur drei Regionen. Der Grund ist nicht nur Geld – auch Kühlwasser spielt eine Rolle.
Die Konzentration von Künstlicher Intelligenz und deren Infrastruktur auf der Nordhalbkugel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis wirtschaftlicher, geografischer und infrastruktureller Faktoren.
Über 90 Prozent der spezialisierten KI-Rechenzentren befinden sich in den USA, China und Westeuropa.
Der große Energie- und Kühlwasserbedarf zeigt seine Probleme jedoch auch in den Industriestaaten. So werden in der Not jetzt auch wieder fossile Kraftwerke von der Kernkraft bis zur Steinkohle reaktiviert und im Zweifelsfalle Privatkunden von der Stromversorgung abgeklemmt, wenn die KI-Rechenzentren bevorzugt bedient werden sollen.
Neben dem steigenden Strombedarf kommt auch der enorme Kühlwasserbedarf zum Tragen. Das Kühlwasser steht dann beispielsweise für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und für die Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung.
Die fünf Hauptgründe, warum KI primär auf der Nordhalbkugel entwickelt und betrieben wird:
1. Wirtschaftliche Macht und Investitionen: KI-Entwicklung ist extrem kapitalintensiv. Die wirtschaftlich führenden Nationen im Globalen Norden verfügen über die finanziellen Mittel, um die enormen Kosten für Forschung, Entwicklung und Hardware zu tragen.
2. Infrastruktur und Energieversorgung: Der Betrieb von KI-Modellen erfordert riesige Mengen an Energie und spezialisierten Rechenzentren. Die Nordhalbkugel bietet eine etablierte digitale Infrastruktur, zuverlässige Stromnetze und in vielen Fällen wie Skandinavien auch Zugang zu günstiger, nachhaltiger Energie.
3. Technologische Ökosysteme: Die Zentren der Technologiebranche, wie das Silicon Valley oder führende Tech-Hubs in China, befinden sich auf der Nordhalbkugel. Die Nähe zu Fachkräften, Forschungseinrichtungen und Investoren fördert die Clusterbildung.
4. Datenverfügbarkeit: Für das Training von KI-Modellen werden große Datenmengen benötigt. Da die meisten großen Tech-Unternehmen, die diese Daten generieren und sammeln, im Norden ansässig sind, ist der Zugriff auf Trainingsdaten dort einfacher.
5. Geografische Vorteile: Rechenzentren erzeugen massive Hitze. Die Ansiedlung in nördlicheren Regionen ermöglicht eine effizientere Kühlung der Server, da kühlere Umgebungstemperaturen genutzt werden können, was wiederum Energiekosten spart.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Konzentration im Norden zu einem KI- oder Global Divide führt, bei dem der Globale Süden aufgrund fehlender Infrastruktur und Investitionen aktuell nur eingeschränkt an der Entwicklung teilhat.
Weltweit nur 32 Länder mit KI-Rechenzentren
In Zahlen ausgedrückt zeigt sich die globale Technik-Kluft sehr deutlich, denn nur 32 Länder weltweit verfügen über KI-Rechenzentren. Hier dominieren die USA und China, während Afrika und Südamerika in der KI-Revolution deutlich zurückfallen. Da künstliche Intelligenz als neue Grundlage globaler Innovation gelobt wird, zählen inzwischen nicht mehr nur Talent und Ideen, sondern auch die Hardware.
Und diese Hardware ist derzeit alles andere als gleichmäßig über den Globus verteilt. Die große Mehrheit der Länder weltweit hat somit keinen Zugang zu dieser entscheidenden technologischen Infrastruktur, wie ein aktueller Bericht von Forschern der Universität Oxford zeigt.
Zu den wichtigsten Erkenntnissen des am 24. Juni 2025 veröffentlichten Berichts der Universität Oxford zählen:
- Allein die USA und China betreiben über 90 Prozent der spezialisierten KI-Rechenzentren.
- US-amerikanische Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft und Google betreiben weltweit 87 große KI-Rechenzentren, während chinesische Unternehmen 39 betreiben. Europäische Unternehmen sind mit nur sechs vertreten.
- Afrika und Südamerika fehlen auf der Liste nahezu vollständig.
In diesen Einrichtungen befinden sich Hochleistungschips, hauptsächlich von NVIDIA, die die fortschrittlichsten KI-Tools antreiben. Ohne Zugang zu dieser Technik fallen die meisten Länder in der KI-Entwicklung, der wissenschaftlichen Forschung und sogar in ihrer wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit zurück.
Die industrialisierten Staaten sollten sich jedoch auf ihrem vermeintlichen Vorsprung nicht ausruhen, denn bislang ist keinesfalls gesichert, dass die Unsummen, die in KI investiert wurden und werden nicht weitgehend verloren sind, weil es künftig an menschlichem Nachwuchs in den derzeit führenden Industriestaaten fehlt, weil Berufseinsteiger konsequent durch KI-Systeme verdrängt werden und dem Arbeitsmarkt dann nicht mehr zur Verfügung stehen.
Afrika, Lateinamerika und Teile von Südostasien werden erst einmal abgehängt
Da viele Länder keine eigenen KI-Rechenzentren besitzen, sind sie gezwungen, Rechenleistung von ausländischen Technologiekonzernen einzukaufen. Der Zugang zu Rechenzentren im Ausland ist teuer, oft langsam und unterliegt ausländischen Gesetzen. Für Start-ups und Forscher Regionen ohne eigene KI-Rechenzentren stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar.
In Kenia entwickeln Start-ups wie Qhala umfangreiche Sprachmodelle für afrikanische Sprachen. Da sie jedoch keine lokalen Rechenzentren besitzen, sind sie gezwungen, Rechenzeit auf weit entfernten Servern anzumieten. Ohne eigene Rechenressourcen sind die afrikanischen Entwickler extrem benachteiligt.
Länder, die nicht von den USA abhängig sind und daher auf US-Technik zurückgreifen müssen, wie die Golfstaaten, können jetzt chinesische Technik beispielsweise von Huawei und Software von DeepSeek oder anderen chinesischen Anbietern nutzen, die letztlich preiswerter und energiesparender als die US-Technik ist. Während die Nutzung von KI in wohlhabenden Ländern fast doppelt so schnell wie im Globalen Süden steigt, erobert das chinesische Modell DeepSeek Afrika und Russland.



