Im letzten Jahr habe ich das Spiel "Ghost of Yotei" getestet. Es hat mir damals grundsätzlich super gefallen, kommt aber aus meiner Sicht nicht an den herausragenden Vorgänger "Ghost of Tsushima" heran. Das liegt unter anderem an der eindimensionaleren Rache-Geschichte und der Protagonistin Atsu, die für mich einfach keine Sympathieträgerin ist. Letztere erhält nun in der frischen Complete Edition dank einer Story-Erweiterung mehr Profil. Dennoch steht das neue Spiel weiterhin im Schatten des Vorgängers.
Das beginnt bereits beim reinen Umfang: Die Complete Edition von "Ghost of Tsushima" fügte mit der Erweiterung Ikki Island gut und gerne 10-12 Stunden zusätzliches Gameplay hinzu, je nachdem, wie viele Nebenaufgaben man wahrgenommen und wie genau man das zusätzliche Areal erkundet hat. Wer sich "Echos von Sekigahara" in "Ghost of Yotei" widmet, stößt auf ein überschaubareres Gebiet. Die Story-Erweiterung wird man auch bei gemächlichem Tempo nach 6-8 Stunden komplett durchgespielt haben.
Als kurzer Reinholer: Zum Hauptspiel schreibe ich an dieser Stelle nicht mehr allzu viel und verweise da nochmal auf meinen bestehenden Test. Neueinsteigern bietet die Complete Edition von "Ghost of Yotei" aber natürlich auch das gesamte Hauptspiel an. Wer jenes bereits besitzt, kann die zusätzlichen Inhalte auch als Upgrade-Paket für 14,99 Euro erwerben. Das ist durchaus ein fairer Preis.
Angebot
Ghost of Yotei™ Complete Edition
- Fechte die Ordnung der Edo-Zeit an. Werde in dieser definitiven Edition des eigenständigen „Ghost of...
- Beinhaltet: Ghost of Yōtei (Vollversion), Neuer DLC: Echos von Sekigahara, eine neue Story Erweiterung...
- Items im Spiel: In-Game Maske, Talisman von Hokkyokusei, „Die Schlange“-Rüstung...
"Ghost of Yotei Complete Edition": Story bleibt "so lala"
Neben den zusätzlichen Story-Inhalten enthält die Complete Edition auch alle bisherigen Dreingaben der Digital Deluxe Edition, sowie einen neuen Einzelspieler-Modus namens „Meistgesucht“. Das ist eine Art Roguelite-Modus, zu dem ich noch etwas später komme. „Echos von Sekigahara“ ist nämlich sicherlich für das Gros der Käufer der eigentliche Reiz. Hier öffnet sich ab einem bestimmten Punkt der Hauptstory für euch ein neues Gebiet. Ihr könnt dann also z. B. auch zwischen den DLC-Inhalten und der Geschichte des Hauptspiels wechseln.
Dabei liefert „Echos von Sekigahara“ in erster Linie Rückblenden. Die Geschichte setzt also nicht nach, sondern vor der Hauptgeschichte von „Ghost of Yotei“ an. Diese Herangehensweise ist durchaus geeignet der Protagonistin Atsu etwas mehr Profil zu verleihen, was für Neueinsteiger auch das Hauptspiel aufwerten könnte. Dieses Potenzial wird jedoch aus meiner Sicht nur mäßig genutzt. Auch in der Vorgeschichte ist Atsu eine Figur, die in ihren Launen zwischen „leicht gereizt“ bis „offen aggressiv“ schwankt und zumindest mir nie recht ans Herz wachsen wollte.
Im Zentrum steht dabei die historische Schlacht von Sekigahara und Ereignisse drumherum, in denen Atsu im Hintergrund eine Rolle einnimmt. Als neue Figur tritt dabei Atsus Kampfgefährte Nagato auf den Plan. Dieser spielt nicht nur in den Rückblenden eine tragende Rolle, sondern auch im Ezo der Gegenwart. Er wird von den Vipern gejagt, einem boshaften Clan, der allerdings arg eindimensional daherkommt.
Neu ist dabei, dass ihr in „Echos von Sekigahara“ gewaltige Waffen wie Äxte schwingen könnt. Obendrein könnt ihr nun nicht nur Banditenlager ausmerzen, sondern auch Lagerhäuser befreien, eine Variation, bei der ihr der Bevölkerung signalisiert, wo sie ihren Hunger stillen kann. Freilich bietet euch die Erweiterung natürlich auch neue Rüstungen, die ihr dann auch mit ins Hauptspiel nehmen könnt. Wie gesagt, ist die ziemlich stereotype Story um die bösen Vipern aber kein besonderer Erguss und bleibt höchstens wegen einer hart übertriebenen Momente im Gedächtnis.
Der neue Roguelite-Modus
In Sachen Gameplay bietet euch "Echos von Sekigahara" im Wesentlichen mehr von dem, was ihr aus dem Hauptspiel kennt. Die leichten Variationen sind nicht weltbewegend, lockern das Gameplay aber zumindest so weit auf, dass der DLC eine schöne Abwechslung ist. Wem das Hauptspiel "Ghost of Yotei" also gefallen hat, der macht hier definitiv nichts falsch. Denn schon da waren Kampfsystem, Erkundung und Atmosphäre exzellent - das bleiben sie auch hier.
Der neue Meistgesucht-Modus ist dann ein Singleplayer-Modus in Roguelite-Manier. Ihr kämpft euch durch Gegnerhorden, um ein Kopfgeld zu ergattern. Im Laufe der Zeit spielt ihr neue Verbesserungen für eure Ausrüstung, erweiterte Techniken und weitere Boni frei. Dabei müsst ihr nicht zwangsweise Atsu spielen, sondern könnt auch Oyuki, Nagato oder sogar den Protagonisten aus „Ghost of Tsushima“, Jin Sakai, verkörpern. Hier geht es eben darum, das Kampfsystem perfekt zu beherrschen, blitzschnell zur richtigen Fähigkeit bzw. Waffe zu wechseln und so Gegner und Bosse möglichst effizient zu eliminieren.
Mich selbst hat dieser Herausforderungs-Modus allerdings nicht so sehr bei Laune gehalten. Das mag daran liegen, dass ich immer ein bisschen Story und Erkundung drumherum bleibe, um in den Kämpfen einen Sinn zu erkennen. Hier geht es aber eben ausschließlich ums Draufhauen.
Mein Fazit
Der Aufpreis für die Complete Edition von "Ghost of Yotei" lohnt sich für all diejenigen, die schon an dem Hauptspiel viel Spaß hatten. Wesentliche Schwächen, wie die unsympathische Hauptfigur, die simple Geschichte und das mit der Zeit durchaus ein wenig monotone Aufgaben-Design bleiben jedoch bestehen. Die grandiose Inszenierung mit sehr viel Charme und Atmosphäre macht das aber alles wett, wenn man auf das Japan-Flair steht.
Insofern ist die Complete Edition sowohl etwas für Neueinsteiger, welche sich die volle Breitseite gönnen wollen, als auch für Veteranen, die nochmal Lust auf ein paar zusätzliche Spielstunden haben. Aber: Man kommt eben im Gesamtbild weder an die Hauptkampagne noch an die Erweiterung Ikki Island von "Ghost of Tsushima" heran. Das ist allerdings auch eine sehr hohe Messlatte.
Angebot
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2 weeks ago
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