Gegen den Markt: USA setzen wieder auf Kohle

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17. März 2026 Bernd Müller

Luftbild eines Wärmekraftwerks, das Kohle verfeuert.

(Bild: ABCDstock / Shutterstock.com)

Die Trump-Regierung treibt den Kohle-Ausbau voran. In Alaska soll ein Milliarden-Projekt entstehen. Experten bezweifeln die Wirtschaftlichkeit.

Die US-Regierung unter Donald Trump hält nicht viel von Klimaschutz, was sie inzwischen mehrfach unter Beweis gestellt hat. Und während viele Länder in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren, gehen die USA auch hier einen anderen Weg: Sie fördern Kohlekraftwerke.

In Alaska soll jetzt erstmals seit über einem Jahrzehnt eine komplett neue Anlage entstehen, berichtet Bloomberg. Fachleute und Umweltorganisationen warnen zwar vor einem energiepolitischen Irrweg – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht –, ob sie aber in Washington Gehör finden, ist zu bezweifeln.

Washington stemmt sich gegen den Markttrend

Noch vor wenigen Jahren lieferte Kohle mehr als die Hälfte des Stroms in den USA. Inzwischen liegt ihr Anteil bei nur noch rund 16 Prozent, weil Energieversorger auf preiswerteres Erdgas und klimafreundlichere Alternativen umgestiegen sind.

Die Trump-Regierung will diesen Rückgang stoppen – und setzt dabei auf staatliche Eingriffe. Energieminister Chris Wright zufolge sind derzeit Anlagen mit 17 Gigawatt Leistung am Netz, die andernfalls abgeschaltet worden wären. Dies sei unter anderem auf Notverordnungen des Ministeriums zurückzuführen.

Überdies fließen bis zu 525 Millionen Dollar an Bundesmitteln in die Ertüchtigung und den Neubau solcher Anlagen.

Umweltverbände laufen dagegen Sturm. Auch aus der Finanzbranche kommen kritische Stimmen. Dennis Wamsted, Analyst am Institute for Energy Economics and Financial Analysis, betont laut Bloomberg: Der Markt stehe neuen Kohlekraftwerken ablehnend gegenüber, und die zentrale Frage laute, ob Investoren jemals ihr Geld zurückbekommen.

Großprojekt in Alaska mit internationaler Beteiligung

Trotz dieser Skepsis nimmt ein konkretes Vorhaben Gestalt an: Das Terra Energy Center will in Alaska eine Anlage mit 1,25 Gigawatt Kapazität errichten – Kostenpunkt rund eine Milliarde Dollar.

Die südkoreanische Beteiligungsgesellschaft Koreit steuert die Hälfte des Eigenkapitals bei. Für die Kraftwerkskessel unterzeichnete das Konsortium eine Absichtserklärung mit Hyundai Heavy Industries Power Systems.

Zum Vergleich: Die letzte vergleichbare Anlage in den USA war Sandy Creek in Texas, die 2013 mit 932 Megawatt ans Netz ging.

Energiehunger der KI-Branche als Rechtfertigung

Die Regierung begründet ihren Kurs vor allem mit dem stark wachsenden Stromverbrauch durch Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Innenminister Doug Burgum gab als Zielmarke eine lückenlose Stromversorgung rund um die Uhr aus und verknüpfte die Kohlepolitik direkt mit dem technologischen Wettlauf gegen China.

Ramaco-Resources-Chef Randall Atkins, der dem reaktivierten National Coal Council angehört, bestätigte gegenüber Bloomberg diese Stoßrichtung: Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie man die Rechenzentren zuverlässig mit Energie versorgen könne.

Enge Verflechtung zwischen Politik und Kohleindustrie

Unter Bidens Vorgängerregierung war der National Coal Council eingeschlafen – nun sitzt die Branche wieder direkt am Kabinettstisch.

Rund 60 Mitglieder aus den Chefetagen großer Kohlekonzerne wie Peabody Energy und Alliance Resource Partners beraten die Regierung zu Fragen des Kraftwerksbetriebs und der Exportstrategie.

Gleichzeitig öffnet das Innenministerium Bundesflächen in mehreren Staaten, um wieder Kohle fördern zu lassen.

Ob dieser Kurs langfristig trägt, bezweifeln selbst wohlwollende Beobachter. Marktanalyst Andy Blumenfeld von McCloskey by Opis verweist laut Bericht auf das Alter vieler Anlagen, die erhebliche Sanierungskosten verursachen.

Offizielle Prognosen der US-Energiebehörde rechnen für 2026 mit einem weiteren Rückgang der Kohleverstromung. Und eine Garantie, dass künftige Regierungen den eingeschlagenen Weg fortsetzen, gibt es nicht.

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