Nintendo hat kürzlich mit "Fire Emblem: Fortune’s Weave" ein neues Taktik-RPG für die Switch 2 veröffentlicht. Für mich persönlich ist es vorher eine lange Durststrecke gewesen, denn für Multiplattform-Titel nutze ich die Plattform nicht. Insofern freue ich mich, dass jetzt endlich ein Game verfügbar ist, das in meiner subjektiven Rangliste der Exklusivtitel ganz oben rangiert.
Dabei bin ich tatsächlich Neuling in der Reihe "Fire Emblem", welche es schon seit der Ära des NES gibt. Es handelt sich hier um taktische Rollenspiele mit einer Anime-Ästhetik und epischen Storylines, die regelmäßig Spielzeiten von 50 oder bei Hardcore-Fans sogar 100 Stunden deutlich überschreiten. Der neueste Teil "Fire Emblem: Fortune’s Weave" knüpft dabei eher an den Community-Liebling "Fire Emblem: Three Houses" an als an das umstrittene "Fire Emblem Engage".
Dabei bedient man sich im Übrigen eines geschickten Kniffs für Gameplay und Geschichte: Ihr startet in das JRPG in der Rolle des legendären Pale Raven, der wieder zum Leben erweckt worden ist. Diesen stummen Protagonisten könnt ihr auch optisch anpassen. Erwartet hier allerdings keinen Charaktereditor mit großem Umfang. Ihr wählt im Wesentlichen das Geschlecht, aus ein paar vorgefertigten Frisuren und leicht abweichenden Rüstungsdetails. Ohnehin wechselt ihr jedoch nach dem rund ein- bis zweistündigen Prolog die Perspektive. Dann schlüpft ihr nämlich in die Rolle eines von vier unterschiedlichen Helden aus der Vergangenheit.
Angebot
- Konsole/System: Nintendo Switch 2
- Das neueste Spiel der Fire Emblem Reihe
- Kategorie: Rollenspiel, Simulation
Viele Wege führen nach Rom
Die Ursache für diese Zeitreise: In der Gegenwart drohen Untote, den Kontinent Dagda zu überschwemmen. Auch die vier Helden aus der Vergangenheit wurden korrumpiert. So seid ihr chancenlos. Doch gelingt es euch, die Zeit zu verändern, könnte sich das Blatt wenden. Mit der Hilfe der legendären Kämpfer (Flame Lords) hättet ihr erstmals eine echte Chance. Das Ganze hat dabei zum einen leichte „Game of Thrones“-Vibes, greift aber natürlich auch in die typische JRPG-Klischeekiste mit dem „Rette die Welt“-Szenario.
Der eigentliche Clou ist, dass ihr euch nach dem Prolog frei entscheiden könnt, welchem Handlungsstrang ihr weiter folgt. Schlüpft ihr in die Rolle des jungen Recken Cai, der nicht nur eine Mischung aus Naivität und Empathie mitbringt, sondern auch neue Reittiere zähmen kann? Oder zieht es euch eher zur rachsüchtigen Leda, die danach strebt, eine persönliche Tragödie zu bereinigen - auch, wenn das ihr eigenes Leben kosten sollte. Dabei sind die Texte im Übrigen auch auf Deutsch verfügbar, die Sprachausgabe hingegen ist nur in Englisch oder Japanisch vorhanden.
Dazu gesellen sich noch die martialische Königin Theodora sowie der so attraktive wie schattenhafte Dietrich, ein Nachfahre von Lamine, die die Fans aus "Fire Emblem: Three Houses" kennen. Es steht euch frei, welchen Handlungssträngen ihr als Erstes folgt, und zudem könnt ihr problemlos zwischen ihnen wechseln. Es ist also auch möglich, z. B. nach einigen Stunden mit Cai dessen Geschichte erstmal zu pausieren und stattdessen mit Dietrich oder eben einem anderen Flame Lord weiterzumachen.
Auf diese Weise bleibt das Gameplay abwechslungsreich, denn jede der Figuren hat eine eigene Kampagne mit abweichender Atmosphäre, Begleitern und Gameplay-Mechaniken. Wie erwähnt, kann Cai etwa Reittiere zähmen und nutzen, während Leda sich auch als Musikerin verdingt und Auftritte an bestimmten Punkten der Map absolvieren kann.
Taktik und Beziehungsmanagement
In "Fire Emblem: Fortune’s Weave" gibt es mehrere Gameplay-Säulen. Zum einen wären da natürlich die rundenbasierten Kämpfe. Diese gibt es in zwei Varianten. Als "Nebenschauplatz" gibt es kürzere Scharmützel beim Erkunden von Dungeons. Hier könnt ihr eure Einheiten nicht bewegen und kontrolliert, wie auch in klassischen JRPGs, nur eine kleine Party. Diese Gefechte machen aber einen eher kleinen Teil aus und dienen als Auflockerung.
Der eigentliche Brocken sind die taktischen Battles, bei denen ihr auf einem isometrischen Schlachtfeld eure Einheiten kontrolliert. Auch diese Schlachten laufen rundenbasiert ab, bringen aber zusätzliche Elemente ins Spiel. Das wäre einmal die Positionierung der Einheiten. In jedem Zug könnt ihr eure Einheiten auf Wunsch bewegen und auch angreifen. Wo eure und feindliche Einheiten jeweils positioniert sind, kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Beispielsweise gibt es in manchen Positionen Boni oder auch Mali.
Zusätzlich haben sowohl eure eigenen als auch die gegnerischen Figuren sowohl Stärken als auch Schwächen. Feinde mit Rüstungen z. B. sind gegen klassische Waffen gut gewappnet, aber anfällig für Magie. Berittene Gegner überbrücken rasch große Distanzen, reagieren aber allergisch gegen Speere, etc. Dabei ist die Bedienung im Übrigen etwas fummelig und aus der Zeit gefallen, die taktischen Möglichkeiten machen aber mächtig Laune. Oft muss man aber etwas zu viel in Menülisten wühlen.
Doch es spielen in den Kämpfen auch die Beziehungen eurer Charaktere eine Rolle. Verstehen sich die Figuren gut, gewähren sie einander Boni oder können gar gemeinsame Angriffe starten. Verbessern könnt ihr die Verhältnisse durch gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsames Kämpfen oder auch Geschenke an spezifische Charaktere. Da kommen also auch gewisse Social-Links ins Spiel, wie man sie auch aus den "Persona"-Titeln kennt.
"Fire Emblem: Fortune’s Weave": Technisch solide
"Fire Emblem: Fortune’s Weave" läuft auf der Nintendo Switch 2 mit 30 fps und nutzt Upscaling. Denn nativ läuft das Game, wie Digital Foundry gecheckt hat, mit verhältnismäßig niedrigen Auflösungen - 720p im Docked- und 540p- im Handheld-Modus. DLSS skaliert das Bild dann auf 1440p bzw. 1080p hoch. Im Ergebnis sieht das Bild zwar etwas soft aus und auch leichte Upscaling-Artefakte in Form von Schimmern kommen vor, der Anime-Grafikstil verzeiht hier jedoch relativ viel.
So ist "Fire Emblem: Fortune’s Weave" kein Technikwunder, sieht aber stimmungsvoll aus - auch am 4K-TV. Das Art-Design kann hier schlichtweg viel herausreißen. Auch die englischsprachige Sprachausgabe hat mir richtig gut gefallen. Es sind aber nicht alle Dialoge komplett vertont, einige laufen in reinen Textfenstern ab. Die Musik hingegen hat bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen. Nintendo und das Entwicklerstudio Intelligent Systems nutzen teilweise echte Instrumente wie Akustikgitarren, Chöre, Streichinstrumente und mehr. Doch dann bollern manchmal auch ziemlich nichtssagende Synthie-Klänge aus den Lautsprechern.
Insofern wechseln sich beim Soundtrack richtige Perlen mit wahlosem Gedudel ab. Größtenteils ist die Musikuntermalung allerdings gelungen. Da es für jede Region und die entsprechenden Charaktere abweichende Klänge und Stimmungen gibt, ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass nicht nur Hits dabei sein können.
Umfangreiche Map, viele Abenteuer
Die Karte und die Reiche von "Fire Emblem: Fortune’s Weave" erinnern an das antike Rom oder auch Griechenland. Dabei könnt ihr auf einer ziemlich weitläufigen Karte, über die ihr euch in Zügen bewegt, auch abseits der Hauptgeschichte viel entdecken. Das lohnt sich auch, denn so kommt ihr an Materialien wie Erze, die ihr zur Herstellung neuer bzw. verbesserter Ausrüstung benötigt. Auch zusätzliche Dungeons, die jeweils eigene Schätze zum Bergen offerieren, gilt es zu finden.
Teilweise öffnen sich durch das Erkunden der Dungeons für euch neue Pfade auf der Weltkarte, die eure künftigen Reisen abkürzen. Alle Helden haben dabei zudem jeweils eigene Optionen auf der Karte - wie Ledas bereits erwähnte, musikalische Darbietungen. Zu bedenken ist aber, dass eben alle Aktivitäten Zeit kosten. Ergeht ihr euch also z. B. Zug um Zug im Sammeln von Ressourcen, vernachlässigt ihr womöglich die Verbesserung der Charakterbeziehungen. Balance ist also wichtig.
Im Übrigen könnt ihr den Schwierigkeitsgrad anpassen und Permadeath an- und ausschalten. Denn in der klassischen Einstellung sind auf dem Schlachtfeld gefallene Einheiten dauerhaft tot. Alternativ richtet ihr ein, dass sie im nächsten Gefecht wieder zur Verfügung stehen. In den Kämpfen verfügen eure Hauptcharaktere im Übrigen allesamt über eigene, sehr mächtige Spezialangriffe (Blaze Arts), die ihr allerdings mit Lebenspunkten bezahlen müsst. Zudem jagt ihr den Segnungen von Fortuna nach, die zeitweise oder dauerhafte Boni gewähren. Da gibt es also viel zu tun.
Mein Fazit
"Fire Emblem: Fortune’s Weave" ist mehr als die Summe seiner Teile. Ich bin ja großer Fan der "Persona"-Spiele, sodass mich auch das Spiel von Intelligent Systems schnell in seinen Bann gezogen hat. Die Mischung aus taktischen Kämpfen, die immer herausfordernder, aber nie unfair werden, und Social- und Ressourcenmanagement hat mir richtig gut gefallen.
Ein Highlight ist auch, dass man aus vier Handlungssträngen wählen und so im Grunde auch vier Kampagnen erleben kann, die sich am Ende treffen - oder auch nicht. Denn ihr könnt auch versuchen, ohne die Hilfe der vier Flame Lords, wie sich die Protagonisten nennen, in den finalen Akt zu starten. Zu empfehlen ist das aber natürlich nicht. Gerade für den Einstieg ist der genannte Aufbau eine extrem geschickte Lösung, da man sofort mit dem Charakter durchstarten kann, der einen auf Anhieb am meisten anspricht. Aber ehrlich: Alle vier Stränge sind gut geschrieben und halten bei Laune.
Im Ergebnis ist "Fire Emblem: Fortune’s Weave" für Taktik-JRPG-Fans ein echtes Highlight. Nintendo legt ein Exklusivspiel für die Switch 2 vor, auf das auch PS5-, Xbox- und PC-Spieler neidisch schielen dürften. Die Technik mag keine Bäume ausreißen, aber der Anime-Stil schafft dennoch eine tolle Atmosphäre. Wenn ihr also eine Nintendo Switch 2 besitzt und Rollenspiele mit taktischen Kämpfen mögt, dann kommt ihr wirklich an "Fire Emblem: Fortune’s Weave" nicht vorbei.
Angebot
- Konsole/System: Nintendo Switch 2
- Das neueste Spiel der Fire Emblem Reihe
- Kategorie: Rollenspiel, Simulation
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1 month ago
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