Falsche Atomwarnungen in beiden Ländern

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Stand: 02.11.2026, 16:55 Uhr

Von: Tim Krüger

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Erst Kiew, dann Moskau: Binnen weniger Stunden trifft es beide Seiten. Die Meldungen enthielten Details, die schnell Zweifel weckten.

Offizielle Alarm-Apps in der Ukraine und in Russland haben am Sonntag falsche Warnungen vor einer nuklearen Bedrohung an Millionen Nutzer verschickt. Beide Seiten erklärten, ihre Systeme seien kompromittiert worden. Allein die ukrainische Luftalarm-App wird nach Angaben des Ministeriums für digitale Transformation und des Entwicklers Ajax Systems von 6,7 Millionen Menschen genutzt.

Luftangriffs-Alarm auf einem Smartphone mit ukrainischer Flagge im Hintergrund.

Warn-Apps und in Russland und der Ukraine (Symbolbild). © IMAGO/Andreas Stroh

Inhaltlich drehten sich die Falschmeldungen um den Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete „Oreshnik“ sowie um Atomsprengköpfe auf kleinen ukrainischen Drohnen. Der Vorfall verdeutlicht, dass zivile Frühwarnsysteme im Cyberkrieg zu einem eigenen Angriffsziel geworden sind. Die Urheberschaft ist bislang nur teilweise geklärt und wird von den Beteiligten unterschiedlich dargestellt.

Falschalarm in der „Air Alert“-App: Ukraine zuerst betroffen

Zuerst traf es nach übereinstimmenden Berichten, wie etwa von der BBC, die Ukraine. Kurz vor Mitternacht verbreitete die Luftalarm-App Nachrichten auf Ukrainisch über eine „Strahlungsgefahr in Kiew“. Eine weitere makabre Mitteilung auf Russisch lautete sinngemäß, es werde einen nuklearen Alarm in der gesamten Ukraine geben, doch man solle sich keine Sorgen machen, es sei nur die „Oreshnik“, die vorbeifliege. Andere Meldungen warnten vor chemischen Gefahren und Straßenkämpfen in Kiew.

Die ukrainische Luftwaffe teilte über ihren Telegram-Kanal mit, es bestehe keine Strahlungsgefahr, die Anwendung sei vermutlich kompromittiert worden. Das Zentrum für strategische Kommunikation, SPRAVDI, machte Russland für die gefälschten Nachrichten verantwortlich. Nutzer wurden in einem Beitrag auf X aufgefordert, seltsame Mitteilungen in der App zu ignorieren. Mehrere Regionalbehörden rieten laut Recherchen zudem davon ab, enthaltene Links anzuklicken.

Dem Recherchematerial zufolge setzten der Entwickler und das Ministerium den Push-Dienst vorübergehend aus. Als Rückfallebene dienten demnach das städtische Angebot „Kyiv Digital“ sowie physische Alarmsirenen. In den frühen Morgenstunden sei die App mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen wieder in Betrieb genommen worden. Ajax Systems habe zudem bestätigt, dass die Anwendung keine sensiblen Nutzerdaten speichere.

Russlands Katastrophenschutz bestätigt Cyberangriff auf Warn-App

Einige Stunden später räumte das russische Katastrophenschutzministerium ein, auch seine mobile App sei „einem massiven Cyberangriff ausgesetzt“ gewesen, wodurch falsche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt seien. Regionale Telegram-Kanäle des Ministeriums, die üblicherweise Luftangriffswarnungen verbreiten, veröffentlichten laut Screenshots unsinnige Warnungen auf Russisch, durchsetzt mit vulgären Ausdrücken.

Verlauf der Fehlalarme in der Ukraine vom 01.11.2026.

Illustration der ausgelösten Fehlalarme in der Ukraine. © Ki-generiert

In einer Nachricht hieß es, „P1-Sun-Träger“, gemeint war ein kleiner ukrainischer Abfang-Quadcopter, würden Atomsprengköpfe nach Russland befördern. Eine weitere forderte die Menschen auf, Lebensmittelvorräte für drei Wochen anzulegen. Offiziell hat Russland bislang niemanden für den Angriff verantwortlich gemacht. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach dem Recherchematerial zufolge von täglichen massiven Angriffen auf staatliche Infrastruktur.

Zur Täterschaft kursieren widersprüchliche Angaben. Über den russischen Kanal Mash bekannte sich demnach eine bislang unbekannte Gruppe namens „Hitcore“ zum Angriff auf die ukrainische App. Diese Darstellung ist unabhängig nicht verifiziert. Den Gegenschlag auf russischer Seite reklamierte die Partisanengruppe „Atesch“ für sich. Belastbare Belege für beide Behauptungen liegen keinen Quellen vor.

Präzedenzfälle gibt es bereits. Im Februar 2023 strahlten in Russland mehrere Radiosender plötzlich gefälschte Luftangriffs- und Raketenwarnungen aus. Eine Woche später drangen Hacker in private russische Radio- und Fernsehsender ein, um Audiowarnungen und Lauftexte über vermeintliche Angriffe zu senden. Beide Staaten haben im Kriegsverlauf wiederholt Cyberangriffe gegeneinander geführt. Die UN machte kürzlich einen Bericht bekannt, in dem sie Russland Kriegsverbrechen und Menschenhandel vorwarf.

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