01. Februar 2026 Marcus Schwarzbach
Die großen Unternehmensberater investieren Milliarden in KI – und verdienen gleichzeitig am Verkauf dieser Technologie an ihre Kunden.
Das offizielle Motto des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos lautete "A Spirit of Dialogue" – was angesichts der Drohungen von Donald Trump fast schon zynisch klingt.
Medienberichte über das WEF bezogen sich meist auf die Auftritte des US-Präsidenten. Dabei waren nicht nur über 60 Staats- und Regierungschefs vertreten, sondern auch Spitzenmanager globaler Konzerne und Unternehmensberater. Diese diskutierten über die ökonomische Entwicklung, ohne besondere Beachtung durch die Öffentlichkeit.
"Im Mittelpunkt stehen Fragen nach der verantwortungsvollen Nutzung neuer Technologien, der Transformation hin zu nachhaltigen Wirtschaftsmodellen sowie der Bewältigung geopolitischer Spannungen in einer zunehmend fragmentierten Welt", berichtet die KPMG von einer Veranstaltung in Davos mit Commerzbank-Vorstand Bettina Orlopp, RWE-Chef Markus Krebber und Siemensmanager Cedrik Neike.
Industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Souveränität Europas seien wichtige Themen, berichtete im Vorfeld die Börsen-Zeitung, die die Unternehmensberatung Roland Berger lobte: Sie sei die "einzige wirklich prominente Unternehmensberatung mit deutschen Wurzeln".
Konkurrenz setzt Unternehmensberater unter Druck
Beratungsfirmen stehen in starker Konkurrenz zueinander. Die "Big Four" der Consultingfirmen sind Deloitte, PricewaterhouseCoopers (PwC), Ernst & Young (EY) und KPMG. Sie dominieren den Markt, prüfen den Großteil der Bilanzen börsennotierter Konzerne und bieten Unternehmensberatung an.
"Unter den vier großen Wirtschaftsprüfern in Deutschland verschärft sich der Kampf um Platz zwei hinter dem Branchenführer PwC. […]
Vor allem in den Consultinggeschäften zeigen sich Dellen durch die allgemeine Wirtschaftskrise, in der Unternehmen auch ihre Beraterbudgets gekürzt haben. Die Beratungsgeschäfte inklusive der Begleitung von Abspaltungen und Übernahmen sind bei allen vier großen Prüfungsgesellschaften die größten Einheiten und stellen bis zu 70 Prozent des Gesamtumsatzes."
Die Beratungsriesen investieren selbst Milliardenbeträge in KI,
"Gerade in der Abschlussprüfung und Steuerberatung dürften Anbieter vorn liegen, die über die besten Tools verfügen."
Aber auch zur Steigerung des Umsatzes an Kunden wird KI-Beratung genutzt.
"Künstliche Intelligenz steht im Zeichen der Umsetzung – und genau darin liegt der Kern der AI-Souveränität. Die zentrale Frage für Führungskräfte lautet nicht mehr, ob künstliche Intelligenz eingesetzt wird, sondern wie sie zuverlässig und dauerhaft in den operativen Kern des Unternehmens integriert werden kann", gibt KPMG-KI-Experte Ashish Madan die Linie vor. Er warnt vor einer wachsenden "Abhängigkeit von wenigen Plattformen, die den Zugang zu KI bestimmen".
Mit einer Studie zur "KI-Führerschaft" ermittelte die Beratungsfirma einen "Strategic AI Capability Index". Danach führen US-Unternehmen bei KI-Fähigkeiten mit einem Score von 75,2 Punkten, während Europa nur 48,7 Punkte erreicht.
Die Umsetzung stockt, so Madan:
"KI bleibt oft in Pilotprojekten stecken, Investitionen fließen langsamer, und der Zugang zu Rechenkapazität ist begrenzt".
Es gebe zu wenig "operative Geschwindigkeit". Deshalb entstehe Abhängigkeit von externen Anbietern.
Der Unternehmensberater fordert deshalb von den Unternehmen, mehr Geld für die neue Technik auszugeben – er lässt unerwähnt, dass KI-Beratung ein wichtiges Geschäftsfeld der Consulting-Branche geworden ist.
Tech-Konzerne präsent in Davos
Palantir, Workday, Infosys oder auch Cloudflare waren in Davon präsent, berichtet Mat Honan, Chefredakteur von MIT Technology Review:
"Vielleicht versteht sich das heutzutage ja von selbst. Doch diese massive Präsenz, sowohl bei den Häusern als auch auf den verschiedenen WEF-Bühnen, Partys und Plattformen hier, führte mir wirklich nochmals vor Augen, wie vollständig die Technologiebranche unser Wirtschaftsleben bestimmt"
Unternehmenslenker lieferten Beispiele, wie KI aus ihrer Sicht eingesetzt werden soll. Ryan McInerney, CEO des Finanzriesen Visa, verspricht sich viel von KI-Agenten. Er glaubt, dass solche Systeme direkte Auswirkungen auf Handel und Verbraucher haben. Für ihn ist es realistisch, dass diese Agenten eigenständig Waren kaufen werden.
Welche Auswirkungen der zunehmende KI-Einsatz auf die Beschäftigten hat, erklärt McKinsey-Manager Bob Sternfels. Er sagte, dass seine Unternehmensberatung im letzten Jahr durch KI-Einsatz 1,5 Millionen Stunden bei Recherche-Arbeiten eingespart habe.
Sternfels sagte auch, "dass KI-Agenten, von denen McKinsey 25.000 hat, sich exzellent für die Erstellung von Diagrammen eignen und dass sie in den letzten sechs Monaten 2,5 Millionen davon erstellt haben". Seine Berater können jetzt "aufsteigende Aufgaben" übernehmen und "kompliziertere Probleme" angehen. Uniabsolventen müssten sich darauf einstellen.
Dieses Beispiel soll Managern deutlich machen, wie KI Arbeitskräfte ersetzen kann und mit welcher Zielsetzung die Technik aus Sicht der Consulting-Branche gefördert werden soll.



