Kürzlich haben mehrere europäische Unternehmen und Organisationen gemeinsam Euro-Office in Berlin vorgestellt. Der Gedanke dahinter ist eigentlich lobenswert: Man will eine europäische und souveräne Alternative zu Microsoft Office anbieten. In Zeiten, in denen die USA ein immer unzuverlässigerer Partner sind, wirkt das absolut naheliegend. Hinter Euro-Office stecken unter anderem IONOS, Netcloud, Eurostack und mehr. Schon gibt es aber den ersten Ärger. Denn die Entwickler der quelloffenen Office-Suite OnlyOffice werfen Euro-Office Lizenzverstöße vor.
In einer öffentlichen Mitteilung erklärt das Team hinter OnlyOffice, dass Euro-Office Techniken aus OnlyOffice übernommen habe und dabei die Lizenzbestimmungen und internationales Eigentumsrecht verletzt habe. Dazu erklärt man, dass OnlyOffice unter der GNU Affero General Public License v3 (AGPL v3) vertrieben werde und zusätzliche Anforderungen an Transparenz und Urheberschaftsangaben habe. Partner müssen etwa das OnlyOffice-Branding in ihren Ablegern übernehmen und klar auf die Ursprünge ihrer Software verweisen. Zudem müssen sie selbst den Open-Source-Verpflichtungen nachkommen. Das sind keine freiwilligen Richtlinien, sondern bindende Vorgaben.
In Absprache mit einem Anwalt hat OnlyOffice auch erklärt, dass Unternehmen und Organisationen nicht auswählen können, welche Teile der Lizenz sie erfüllen – entweder sie richten sich komplett danach, oder sie müssen es lassen. Euro-Office habe klar und nachweislich die Lizenzbedingungen verletzt. Deswegen habe das Projekt kein Recht, die Entwicklungen und Techniken von OnlyOffice zu verwenden.
OnlyOffice erklärt, dass bereits irreführende und falsche Aussagen rund um OnlyOffice und etwaige Verbindungen zu Euro-Office gemacht worden seien. Dazu wolle man noch nicht ins Detail gehen. Erst einmal wolle man sicherstellen, dass Euro-Office bzw. IONOS und Co. die Lizenzvorgaben voll erfüllen. Klarstellen möchte man aber, dass Aussagen des Teams von Euro-Office, dass keine „offene Zusammenarbeit möglich gewesen“ sei, falsch seien. Man habe aber die Meinung, dass die Arbeit mit einem klaren und rechtlich verlässlichen Rahmen für die Lizenzierung die Basis einer echten Zusammenarbeit gewesen wäre.
Letzten Endes wird es nun spannend: Euro-Office wird zwar als Fork von OnlyOffice ausgewiesen, aber offenbar wäre da mehr nötig gewesen. Jetzt könnte ein langer Rechtsstreit drohen, warten wir es ab.
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3 weeks ago
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