EU wirft TikTok Sucht-Design vor

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Die Europäische Kommission glaubt, dass wesentliche Merkmale des Designs von Tiktok süchtig machen. Das ist das vorläufige Ergebnis ihrer Untersuchung zu TikTok, die Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) nahelegt, so eine Pressemitteilung der Kommission.

Besonders kritisiert werden Funktionen wie das „Infinite Scroll“ bei dem man ohne jegliche Begrenzung zu immer weiteren Inhalten gelangt, Autoplay, das Videos sofort bei Erreichen abspielt, und ein extrem personalisierter Empfehlungsalgorithmus. Laut der Kommission fördert all dies süchtig machendes Verhalten und beeinträchtigt die Selbstkontrolle der Nutzer. Das könne besonders Minderjährige treffen, aber auch Erwachsene, die dafür empfänglich sind.

Suchtmittel „Infinite Scroll“

Laut der Untersuchung hat TikTok es versäumt, die Risiken seiner Designmerkmale angemessen zu bewerten und wirksame Maßnahmen zur Risikominderung umzusetzen. Zwar gibt es Bildschirmzeit-Management-Tools und Kontrollfunktionen für Eltern, doch diese schätzt die Kommission als ineffektiv ein, da sie leicht zu umgehen sind und Eltern hohe technische Anforderungen abverlangen. Die Kommission fordert grundlegende Änderungen am Design der Plattform, darunter die Einführung von automatischen Pausen der Bildschirmzeit und die Abschaffung des „Infinite Scroll“.

Sollten die vorläufigen Ergebnisse bestätigt werden, drohen TikTok Bußgelder, die bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens betragen könnten. Diese Untersuchung, die seit Februar 2024 läuft, beleuchtet auch weitere Themen wie Datenschutz, die „Rabbit-Hole“-Effekte des Algorithmus und Werbetransparenz.

Tiktok bekommt nun Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Altersbegrenzung für Social Media?

Das vorläufige Untersuchungsergebnis fällt in eine Zeit, in der ohnehin die Risiken und Nebenwirkungen von Social Media stärker thematisiert werden. Gerade hat Australien eine Altersbeschränkung eingeführt, die es Jugendlichen unter 16 Jahren verbietet, bestimmte Social-Media-Dienste zu nutzen. Auch in Europa gibt es ähnliche Erwägungen, so wird in Spanien debattiert, ob das Land dem australischen Beispiel folgt.

Henna Virkkunen, EU-Vizepräsidentin für Tech-Souveränität, betonte: „Social-Media-Sucht kann die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erheblich beeinträchtigen. Wir setzen unsere Gesetze durch, um unsere Bürger und Kinder online zu schützen.“

Der DSA der Europäischen Union regelt, wie digitale Dienste, insbesondere soziale Medien und digitale Marktplätze, Inhalte moderieren, Daten schützen und Risiken für Verbraucher minimieren müssen. Zu den zentralen Anforderungen gehören der Schutz von Minderjährigen, die Bekämpfung illegaler Inhalte, die Transparenz von Werbeanzeigen und Algorithmen sowie die Gewährleistung eines Zugangs zu öffentlichen Daten für Forscher.

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