Nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die EU-Umweltminister auf ein Klimaziel für 2040 geeinigt. Ein Teil der Einsparungen soll aber erkauft werden können.
Aktualisiert am 5. November 2025, 10:23 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa, yer , ut
Kurz vor der Weltklimakonferenz in Brasilien haben sich die EU-Umweltminister auf ein Klimaziel für 2040 verständigt. Dieses wurde nach stundenlangen Verhandlungen in Brüssel aber abgeschwächt, wie der dänische Klimaminister Lars Aagaard mitteilte, der das Treffen leitete.
Die Minister einigten sich darauf, dass die EU-Staaten ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 90 Prozent senken sollen. Der Kompromiss sieht allerdings vor, dass fünf Prozentpunkte davon durch Deals mit dem außereuropäischen Ausland erkauft werden können. Effektiv müssen die Staaten ihre eigenen Emissionen also nur um 85 Prozent senken. Zudem wird der Start des neuen Emissionshandels für Verkehr und Gebäude (ETS2) um ein Jahr auf 2028 verschoben. Über die Einigung muss noch mit dem Europaparlament verhandelt werden.
Ursprünglich hatte die EU-Kommission eine Emissionssenkung um 90 Prozent bei einem Anteil von maximal drei Prozent an Zertifikaten aus Drittstaaten vorgeschlagen. Dafür hatte sich bei Beginn der Beratungen am Dienstag auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) eingesetzt. "Die drei Prozent internationale Gutschriften, das ist für uns das Maximum, was wir uns vorstellen können", hatte Schneider gesagt. "Wir wollen, dass die Investitionen in Klimaschutz in Europa stattfinden."
Trotzdem lobte Schneider die Einigung als "wichtigen Fortschritt für das Klima". Die Verhandlungen seien intensiv gewesen, das Ergebnis sei gut. Dieses sei auch eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft, weil es gleiche Wettbewerbsbedingungen gebe. Die Europäische Union habe sich als handlungsfähig und verlässlich erwiesen und könne auf dieser Grundlage eine tragende Rolle bei der anstehenden Weltklimakonferenz spielen.
Polen und Italien forderten noch deutlichere Abschwächung
Die EU stand unter Zeitdruck für ihr neues Klimaziel, um nicht mit leeren Händen zum Weltklimagipfel in Brasilien zu fahren. Dieser beginnt am kommenden Montag in Belém. Zwei Fristen, im Februar und zuletzt im September, wurden schon gerissen, weil sich die Mitgliedsstaaten nicht einig geworden waren.
Die Abschwächung des Klimaziels geht auf die Bedenken einiger Länder zurück, dass höhere Investitionen in Klimaschutz Wirtschaft und Verbraucher überforderten. Zudem gibt es angesichts des Ukraine-Kriegs neue Prioritäten wie höhere Verteidigungsausgaben. Zusätzlich belasten Billigimporte aus China und die Zollpolitik der USA die Wirtschaft insgesamt. Frankreich und Portugal hatten gefordert, die Option zum Ankauf von Klimagutschriften aus Drittländern auf fünf Prozentpunkte zu erhöhen. Polen und Italien verlangten zehn Prozentpunkte.
Bislang muss die EU ihre Klimaziele durch Treibhausgas-Minderungen auf eigenem Boden erreichen. Bei der Nutzung von Auslandszertifikaten zur Kompensation befürchten Kritiker, dass Staaten im Globalen Süden ihre nationalen Klimaziele bewusst niedriger ansetzen, um sich Aufstockungen von den Europäern bezahlen zu lassen – oder dass Minderungen doppelt angerechnet werden könnten.



