EU-Gentechnik-Lockerung spaltet Ampel

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Die EU will bei bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen auf eine Kennzeichnung verzichten. SPD-Umweltminister Carsten Schneider spricht von einem "schweren Fehler".

20. Dezember 2025, 13:07 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP,

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 In Zukunft sollen Produkte aus bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen keine Kennzeichnung mehr tragen müssen.
In Zukunft sollen Produkte aus bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen keine Kennzeichnung mehr tragen müssen. © Matthias Bein/​dpa

Nach der EU-Abstimmung für Lockerungen bei der Gentechnik ist die Bundesregierung gespalten. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) kritisierte den Beschluss: "Die große Mehrheit der Menschen will selber entscheiden können, ob sie sich mit oder ohne Gentechnik ernährt." Er nannte die Entscheidung einen "schweren Fehler".  

Die Abschaffung von Kennzeichnungspflichten für gentechnisch veränderte Pflanzen sei ein falscher Weg, sagte auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD). Lebensmittel, die gentechnisch verändertes Material enthalten, sollten weiterhin als solche gekennzeichnet werden müssen.

Keine Kennzeichnung im Supermarkt

Schneider hofft, dass das EU-Parlament den Beschluss noch korrigiere. Ansonsten werde es darum gehen, den Schaden für Deutschland zu begrenzen, sagte er. Die Politik dürfe die landwirtschaftlichen Betriebe, die weiterhin gentechnikfrei produzieren wollen, nicht alleine lassen. Für sie müsse es dann neue gentechnikfreie Lieferketten geben und neue Nachweismethoden, die es ermöglichen, gentechnisch veränderte von gentechnikfreien Pflanzen und Produkten zu unterscheiden.

Zuvor hatten die EU-Mitgliedstaaten mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, dass Produkte aus bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen im Supermarkt künftig keine Kennzeichnung mehr tragen müssen. Aufwendige Umweltprüfungen vor der Zulassung sollen wegfallen. Die Regeln betreffen sogenannte Neue Genomische Techniken (NGT). Dabei geht es um eine begrenzte Anzahl gentechnischer Eingriffe, wie durch die DNA-Schere Crispr/Cas.

Deutschland hatte sich bei der Abstimmung enthalten. Das Europaparlament muss dem Gesetz noch zustimmen. Dort zeichnet sich eine Mehrheit aus Teilen der Liberalen, Konservativen und den Rechtsaußen-Fraktionen ab.

Dorothee Bär und Alois Rainer begrüßen Entscheidung

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) lobten den Beschluss hingegen als "Meilenstein für neue Züchtungsmethoden in der Landwirtschaft". Bär sagte, die neuen genomischen Techniken "bieten enormes Potenzial, um Pflanzen klimaresistenter und ertragreicher zu machen". Nutzpflanzen könnten so widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Trockenheit oder Wind werden.

Die Entscheidung aus Brüssel schaffe klare Rahmenbedingungen für moderne Pflanzenzüchtung, sagte Rainer. Es sei richtig, dass die Auswirkungen auf die biologische Landwirtschaft und auf den Zugang zu genetischen Ressourcen evaluiert werden sollen. Er nehme die Bedenken vieler Landwirte und Verbraucher sehr ernst.

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