
Nothing hat mit dem Nothing Phone (3) ein neues Smartphone vorgestellt. Jenes siedelt sich über dem Phone (3a) und dem (3a) Pro an, die man bereits im Frühjahr auf den Markt brachte. Man ist jetzt erstmals bestrebt, ein „richtiges Flaggschiff-Gerät, mit allem, „was dazu gehört“ anzubieten.
So viel vorweg: Die Flaggschiff-Bestrebungen von Nothing merkt man – nicht nur, aber auch – am Preis: 799 Euro (für 12 GB + 256 GB) bzw. 899 Euro (für 16 GB + 512 GB) ruft Nothing auf. Damit rüttelt man noch nicht, wie einige Konkurrenz-Geräte, an der magischen vierstelligen Grenze. Ich konnte mir das Phone (3) bereits vor Launch anschauen und seit da auch erste Eindrücke sammeln, ob man denn tatsächlich mit Flaggschiff-Geräten anderer Hersteller Schritthalten kann.
Die technischen Details habe ich in meinem Beitrag zum Launch ausführlich behandelt. Daher will ich hier nur nochmals kurz auf die wichtigsten Kennzahlen eingehen. Unter der Haube des Nothing Phone (3) werkelt der Snapdragon 8s Gen 4 aus dem Hause Qualcomm. Zur Seite stehen diesem 12 bzw. 16 GB Arbeitsspeicher (LPDDR5X) sowie 256 GB bzw. 512 GB Speicherplatz (UFS 4.0).
Das 6,67 Zoll große AMOLED-Display mit 120 Hz Bildwiederholrate löst mit 1260 x 2800 Pixeln auf und bietet eine Pixeldichte von 460 PPI. Die typische Helligkeit beträgt 800 Nits, wobei man im Außenbereich bis zu 1600 Nits bzw. bei HDR-Inhalten bis zu 4500 Nits Peak-Helligkeit vorweisen kann. Die Glyph auf der Rückseite wurde durch die Glyph-Matrix im Dot-Matrix-Stil ersetzt.
Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich die Triple-Kamera, mit drei 50-Megapixel-Sensoren bestückt: 50 Megapixel Hauptsensor (OIS & EIS; f/1.68), 50 Megapixel Ultraweitwinkellinse (EIS; 114 Grad Sichtfeld; f/2.2; 50 Megapixel Tele mit Periskop-Linse und dreifachem Zoom (OIS & EIS, f/2.68). Auch die Frontkamera ist mit einem 50-Megapixel-Sensor bestückt. Beim kabelgebundenen Aufladen lässt sich der 5.150 mAh große Akku mit 65 Watt betanken.

Erstmalig ausgepackt fällt direkt die Rückseite im Nothing-typischen Design ins Auge. Während die Designelemente etwas aufgeräumter wirken und man auf die Spule auf der Rückseite verzichtet, wirkt die Kamera-Anordnung deplatziert und asymmetrisch. So verschwindet beispielsweise auch die etwas abseits angeordnete Periskop-Linse tiefer im Gerät als die anderen beiden Linsen. Wie so oft und gerade bei den Nothing-Designs: Kein 0815 und Geschmacksache, aber die „alten“ Designs haben mir da mehr zugesagt.
Der Rahmen ist jetzt komplett kantig, ohne abgeflachte Kanten an der Rückseite (wie beim Phone (2)). Das macht das Smartphone etwas griffiger. Das Phone (3) liegt angenehm und ausbalanciert in der Hand. Mitunter aufgrund des Gewichts (mit knapp 220 Gramm kein Leichgewicht) macht das Ganze einen sehr runden und hochwertigen Eindruck. Die Materialwahl (Aluminium und Glas) im Zusammenspiel mit der hervorragenden Verarbeitung ist hier in sich stimmig.
Die tiefe Button-Platzierung macht trotz der Abmaße problemlos die Bedienung mit einer Hand möglich. Die Buttons haben einen guten Druckpunkt. Es ist für den Essential Space ein dedizierter Knopf vorhanden. Wenngleich der „Button“ für die Glyph Matrix auf der Rückseite sich nicht ertasten lässt, so liegt er optimal, um mit dem Zeigefinger auch blind erreicht zu werden – das haptische Feedback tut hier sein Übriges.

Das 6,67 Zoll (ca. 17 cm) große AMOLED-Panel macht einen guten Eindruck. Das Panel ist scharf, hell und bietet stabile Blickwinkel. Seit dem Phone (1) hat Nothing die Panel-Qualität sukzessive verbessert. Auch hier legt man wieder eine Schippe drauf, vor allem, was die höhere Helligkeit angeht, die sich gerade beim derzeitigen sonnigen Wetter im Außenbereich positiv widerspiegelt.
Auf der anderen Seite kann das Panel bei Nacht auch mit einer minimalen, blendfreien Helligkeit punkten. In der alltäglichen Nutzung fällt das eher weniger auf, aber es handelt sich hierbei um ein LTPS-Panel. Status-Quo in Flaggschiff-Smartphones ist LTPO, hier kann die Bildwiederholrate (beispielsweise für das Alway-On-Display) auf 1 Hz abgesenkt werden. Beim Phone (3) sind es „nur“ 30 Hz.

Nothing OS 3.5 wurde gut auf das Smartphone angepasst und im Zusammenspiel mit dem Snapdragon 8s Gen 4 und den 120 Hz Bildwiederholrate ergibt sich ein performantes Gesamtpaket, Benchmarks hin oder her: Zumindest in der alltäglichen Nutzung würde ich wohl in einem Blindtest ein ansonsten identisches Gerät mit einem 8 Elite nicht unterscheiden können. Alles wirkt butterweich, Apps öffnen schnell und Bilder sind wenige Augenblicke nach ihrer Aufnahme, sprich in Sekundenbruchteilen, optimiert. (Man kann dem Post-Processing von aufgenommenen Fotos also noch für einen kurzen Moment direkt nach dem Öffnen in der Galerie zuschauen.)
Nothing hat Android 15 mit schönen Animationen aufgepeppt, die das Erlebnis abrunden. Man merkt durchaus, dass Nothing OS inzwischen sehr erwachsen geworden ist. Alles ist aufeinander in einer einheitlichen Benutzererfahrung abgestimmt. Inzwischen bietet man auch diverse Apps, die da nahtlos ineinandergreifen (wie die Galerie-App). Das wirkt wie aus einem Guss. Auf Wunsch kann man (optisch) aber auch ein sehr Android-natives Erlebnis auswählen. Schön ist zudem die neue Suchfunktion, die – wie beim iPhone oder Pixel – auch über mehrere Apps hinweg global funktioniert.
Software-Unterstützung gibt es bis Android 20. Das sind fünf große Updates, wenn ich auch den Marketing-Sprech mit den fünf Jahren Software-Unterstützung schwierig finde – Android 21 dürfte in exakt fünf Jahren, wenn alles wie bisher läuft, sicher bereits raus sein. Andere Hersteller müssen hier auch erstmal hinsichtlich der Update-Garantie liefern – rein vom Versprechen sind hier aber auch beim Betriebssystem bei diversen Herstellern (Google, Samsung) sieben Jahre drin.

Die Glyph Matrix? Eher eine nette Spielerei, wie auch schon das Glyph-Interface. Diese passt aber ganz gut zum Pixel-Look in Nothing OS. Durch die ansteuerbaren LEDs lässt sich diese allerdings viel flexibler und individueller nutzen, beispielsweise was personalisierte Benachrichtigungssymbole angeht. Das ist auch deutlich einfacher zu erkennen, als letztlich ein Blinke-Muster (aka Morse-Code).
Zudem ist diese Art von Benachrichtigungen letztlich dezenter. Mit dem Glyph Button auf der Rückseite kann man durch die Anwendungen zappen und diese mit langem Drücken steuern. Hier dürften auf kurz oder lang auch diverse Spielereien aus der Community bereitgestellt werden – beim Glyph Interface, war die Unterstützung in den vergangenen Jahren kaum angewachsen.
Neben nützlichen Anwendungen (Benachrichtigungen, Uhrzeit, Countdown beim Selbstauslöser, Visualisierung der Lautstärke) gibt es auch Mini Games (Schere, Stein, Papier oder auch Flaschendrehen). Die Einstellungsmöglichkeiten alleine für die Benachrichtigungs-Anzeige sind sehr umfangreich – ich war früher Fan der Benachrichtigungs-LEDs in Smartphones – dies ist ein willkommenerer Ersatz und was anderes als ein Always-On-Display.

Eine vertane Chance ist der sogenannte Glyph Mirror, der zeigt in Echtzeit einen Stream der Hauptkamera im Pixel-Look. Leider lässt sich die nicht gleichzeitig zur Kamera-App bedienen – sonst hätte man Selfies mit der Hauptkamera auf der Rückseite zumindest besser ausrichten können.

Auf Seiten der Kamera hat sich durchaus etwas getan: Man setzt auf ein Dreiergespann mit 50-Megapixel-Sensoren. Sämtliche Fotos könnt ihr hier in voller Qualität betrachten. Nothing punktet generell mit einer sehr natürlichen Farbgebung bei den Bildern. Etwas schade: Während die farbliche Abstimmung zwischen Haupt- und Weitwinkellinse passt (meistens), fallen einige Farben bei der Tele-Linse anders aus. Den eigenen Look kann man mit den Bildstilen anpassen, sollte hier Bedarf bestehen.

Der große Hauptsensor punktet mit einem schönen natürlichen Bokeh, sowie detailreichen und lichtstarken Aufnahmen. Die Resultate soweit solide. Das Schießen von Schnappschüssen aus der Hüfte ist durchaus möglich, wenngleich man da hin und wieder etwas daneben sitzt und das Point-and-Shoot-Erlebnis nun nicht an ein Pixel oder ein iPhone heranragt.


Auch in der Dunkelheit liefert man, dem großen Sensor, sei Dank – auch bei der Tele- und Weitwinkellinse authentische Fotos, die jedoch teilweise an Schärfe und Details vermissen lassen. Zudem brennen helle Punkte im Bild teils aus. Bilder mit der Ultraweitwinkel-Linse neigen, wie so oft, zur Randunschärfe und zu Verzerrungen an den Bildrändern. Da hebt man sich gegenüber anderen Herstellern nicht hervor. Schade, dass die Ultraweitwinkel-Linse keinen Autofokus hat – für Makro-Aufnahmen setzt man tatsächlich auf die Tele-Linse. Die fallen aber zum Glück gut aus.

Die Telelinse bietet einen dreifachen Zoom, der zu überzeugen weiß. Sie liefert auch Sobald dann aber der digitale Zoom bei größeren Vergrößerungen mit einsteigt, wirken die Bilder oftmals zu glatt gebügelt und bearbeitet. Dies merkt man Bildern vor allem an, wenn der 10-fach-Zoom überschritten wird. Alles drüber fällt dann eher in die Kategorie Schnappschuss.

Das Aufladen geht nun nochmal etwas schneller vonstatten: 65 Watt per Power Delivery sind durchaus fix. Man kann da entsprechend auf USB-C-Kabel und Netzteil eines modernen Notebooks zurückgreifen. Der Akku ist in unter einer Stunde, wie versprochen, wieder voll. Vertane Chance, dass man nicht auf Qi 2 (Ready) setzt – zumal das magnetische Zubehör und die Individualisierungsmöglichkeiten durchaus zu Nothing passen würden.

Ansonsten? Der Fingerabdruckscanner arbeitet optisch und liegt unter dem Display. Er arbeitet schnell und zuverlässig. State of the Arts ist es in einem Flaggschiff-Gerät allerdings, auf ein Ultraschall-Modell zu setzen – da reicht es, wie auch die anderen optischen Lösungen, schlicht nicht heran. Das könnte für meinen Geschmack zum neu aufgerufenen Kostenpunkt aber gerne mit dabei sein. Die verbauten Lautsprecher sind in Ordnung. Bei höheren Lautstärken arbeiten diese aber nicht mehr verzerrungsfrei – da ist bei der Konkurrenz ebenfalls mehr geboten, wenngleich die wenigsten wohl hochwertige Musik direkt über den verbauten Lautsprecher ausgeben. Darüber hinaus unterstützt man jetzt auch eSIM, was durchaus praktisch sein kann.

Zum Essential Hub sowie dem dedizierten Essential Button hatte ich beim (3a) Pro ausführliches geschrieben: Ich sehe Ausbaupotenzial sowie -bedarf, was solche Funktionen angeht. Zur Akkulaufzeit kann ich jetzt noch nicht allzu viel sagen. Machte aber in den ersten Tagen Nutzung einen soliden Eindruck und dürfte – je nach Nutzungsszenario – auch gut und gerne für zwei Tage ausreichen. Der Snapdragon 8s Gen 4 scheint da eine durchaus effiziente Wahl zu sein. Das dürfte im Alltag den meisten wohl mehr Nutzen bringen, als ein Powerhouse mit dem 8 Elite, mit etwas mehr Schub unter der Haube, den man – wenn überhaupt – für leistungshungrige Games benötigt.

Unterm Strich? Ein solides Smartphone mit Flaggschiff-Ambitionen
Das Nothing Phone (3) macht einiges richtig gut und in vielen Belangen hat man durchaus das Gefühl, dass man da ein Flaggschiff-Smartphone in den Händen hält. Je nach beleuchtetem Aspekt hat man das aber auch beim Nothing Phone (3a) und das kostet nur einen Bruchteil des Phone (3). Das Phone (3) ist – auch preislich – ein Smartphone mit Flaggschiff-Ambitionen, welches durchaus in ähnlichen Preisgefilden wildert, wie es die Einstiegs-Modelle in den Flaggschiff-Bereich von etablierten Herstellern tun.
Auch wenn man es dem Phone (3) nicht in allen Belangen anmerkt, so hat Nothing durchaus an der einen oder anderen Stelle einen Rotstift angesetzt, der ein gewisses „Geschmäckle“ hinterlässt. So gibt es im Alltagsgebrauch weniger auffällige Abstriche beim Display-Panel oder dem SoC. Auf der anderen Seite verzichtet man zudem auf Flaggschiff-Gimmicks, wie einem Ultraschall-Fingerabdruckscanner oder Qi2.
Gegenüber den etablierten Herstellern kann man hier auch nicht unbedingt von einem besseren Preis-Leistungsverhältnis sprechen, für das Nothing sonst eher bekannt ist. Alles in allem ein solides Smartphone, durchaus mit Flaggschiff-Ambitionen, und im Alltag wohl für die meisten mehr als ausreichend. Aber eben kein (und da hat man sich vielleicht auch im Vorfeld etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und die Erwartungen (zu) hoch geschraubt) waschechtes Flaggschiff, welches in allen Bereichen „top notch“ ist.

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6 months ago
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