Alle Jahre (und damit ist jedes Jahr gemeint) wieder kommt ein neues FC-Spiel daher und verspricht, dass alles besser wird. EA Sports FC 27 verspricht mehr Kontrolle, ein überarbeitetes Taktiksystem und mit The Grounds einen komplett neuen Modus. Nach gut einer Woche auf dem virtuellen Rasen kann ich sagen, dass sich auf dem Platz tatsächlich einiges getan hat. Abseits gibt es allerdings auch wieder ein paar Schattenseiten. Ich habe das Ganze auf der PlayStation 5 gespielt und mich durch die verschiedenen Modi gearbeitet.
Auf dem Platz ist, was zählt
Das überarbeitete Taktiksystem ist meiner Meinung nach die beste Neuerung in diesem Jahr. Die Taktiken ergänzen die Spielstile und Rollen der letzten Jahre richtig gut und sorgen dafür, dass Aufstellungen ein paar witzige Zahlen auf dem Bildschirm sind. Verschiedene Formationen fühlen sich in diesem Jahr tatsächlich unterschiedlich an. Ein 4-2-3-1 spielt sich spürbar anders als ein 4-4-2, und das Spiel erklärt ganz gut, warum welche Formation gegen bestimmte Gegner funktioniert und welche Spieler dafür infrage kommen.
Auch beim Passspiel hat sich etwas getan. Pässe und Flanken wirken präziser, gehen besser von der Hand. Außenverteidiger tauchen in den richtigen Räumen auf, und die Mitspieler erkennen eure Absicht, einen Pass zu spielen, besser als noch im Vorgänger. Dazu kommt ein verbessertes Dribbling, das sich etwas direkter anfühlt. Im Zusammenspiel mit den Taktiken entsteht dadurch ein Gefühl von etwas mehr Kontrolle. Das war in den letzten Jahren nicht immer so.
Die überarbeiteten Eckbälle verdienen eine gesonderte Erwähnung. Nach dem Zielen der Flanke schwenkt die Kamera in den Strafraum, und ihr habt ein kurzes Zeitfenster, um eure Angreifer in Position zu bringen und den richtigen Laufweg zu timen. Das ist am Anfang zugegebenermaßen etwas ungewohnt, bringt aber deutlich Dynamik in das Spiel und man hat nicht immer den gleichen Ecken-Trott.
Die guten Ansätze werden leider nicht überall durchgehalten. Die KI-Mitspieler laufen immer noch gelegentlich Wege, die keinen Sinn ergeben ("Ja, wo laufen sie denn?"). Innenverteidiger schauen manchmal lieber dem Ball hinterher, statt den Stürmer zu verfolgen, und Außenverteidiger stehen zu weit weg, wenn man sie eigentlich braucht. Die versprochenen Verbesserungen beim Mitspieler-Verhalten sind zwar da, lösen das Problem aber nicht in Gänze. Im manuellen Verteidigen steckt mehr Verantwortung als zuvor, was grundsätzlich richtig ist. Es fällt nur auf, wenn die KI neben euch gleichzeitig nicht mitzieht und ihr dann allein auf weiter Flur steht.
Dazu kommen träge Menüs. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, aber wenn ihr zwischen Aufstellungsänderungen, Taktikwechseln und Spielstart jedes Mal ein paar Sekunden wartet, summiert sich das. Das war schon in den Vorgängern ein Problem und EA hat das wieder nicht auf die Kette bekommen.
Die Idee mit The Grounds
The Grounds ist die große Neuerung abseits des Platzes. Ihr erstellt einen Avatar und bewegt euch durch eine offene Fußballwelt mit bis zu 100 anderen Spielern gleichzeitig. Es gibt verschiedene Viertel, Minispiele, 1-gegen-1-Duelle und die Möglichkeit, über Rush direkt in größere Partien einzusteigen. Das Ganze kennt der eine oder andere so ähnlich vielleicht von The City aus NBA 2K.
Die Abwechslung ist anfangs durchaus ganz nett. Das Aufstiegssystem motiviert, weil man seinen Spielertyp nach und nach verbessert und neue Fähigkeiten freischaltet. Die kurzen Spielmodi zwischendurch sind eine nette Abwechslung, wenn man gerade kein ganzes Match spielen möchte. So weit, so ordentlich.
Allerdings nutzt sich das Konzept schneller ab, als man denkt, zumindest bei mir. Die Stadt ist nicht besonders groß, die Minispiele solide, aber nicht überragend, und nach ein paar Stunden hab ich das Ganze dann links liegen gelassen. The Grounds ist kein schlechter Modus, aber er fühlt sich wie ein erster Entwurf an. Dass Clubs jetzt dort integriert sind, macht Sinn, bringt aber auch mit sich, dass man durch den Hub navigieren muss, um zum eigentlichen Spiel zu kommen. Unnötig umständlich und ganz ehrlich, warum braucht ein Fußballspiel so einen Modus?
Karrieremodus und Ultimate Team
Der Karrieremodus hat ein paar sinnvolle Ergänzungen bekommen. Das Transfersystem wurde überarbeitet, mit neuen Verhandlungsoptionen wie Leistungsklauseln und Rückkaufoptionen. Das macht es etwas realistischer und gibt den Verhandlungen mehr Details. Taktische Trainingsmatches gegen die eigenen Reservisten sind ebenfalls mit an Bord und helfen, neue Aufstellungen zu testen, bevor es in der Liga ernst wird. Solide, aber eben auch keine wilde Neuerung.
Bei Ultimate Team bleibt vieles beim Alten. Wer konkurrenzfähig spielen will, kommt um Investitionen kaum herum. Die Ingame-Währungen sind allgegenwärtig und wer sich ungern mit Mikrotransaktionen beschäftigt, wird hier nicht glücklicher als in den Vorjahren. Es gibt eine faire Neuerung beim Fortschrittssystem, die belohnter spielen lässt, aber am grundsätzlichen Problem ändert das wenig. Falls ihr Ultimate Team bisher gemieden habt, gibt FC 27 euch keinen Grund, das zu ändern.
Mein Fazit zu EA Sports FC 27
EA Sports FC 27 macht auf dem Platz vieles richtig. Das Taktiksystem ist die stärkste Neuerung seit Jahren und gibt dem Fußball endlich mehr strategische Tiefe. Passspiel, Flanken und die neuen Eckbälle verbessern das Spielgefühl merkbar. Auch der Karrieremodus profitiert von seinen Ergänzungen.
Auf der anderen Seite steht The Grounds als neuer, aber noch nicht ausgereifter Modus, der sein Potenzial erst in zukünftigen Versionen wirklich entfalten dürfte – wenn er die Folgejahre überhaupt übersteht. KI-Schwächen bei Mitspielern und Gegnern sind nach wie vor vorhanden, und die Menüs könnten deutlich flotter laufen. Ultimate Team bleibt das übliche Mikrotransaktions-Dilemma.
Alles in allem ein Schritt nach vorne, aber kein Quantensprung. Wer die Reihe wegen des Fußballs auf dem Platz spielt, bekommt dieses Jahr ein besseres Spielerlebnis. Wer vor allem auf The Grounds gehofft hat, sollte seine Erwartungen etwas herunterschrauben. Und wer nach FC 26 eigentlich die Schnauze voll hatte: Dem Gameplay zuliebe könnt ihr dieses Jahr durchaus noch mal reinschauen. Aber eben nicht zum vollen Preis.
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1 month ago
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