Doctolib gerät ins Visier der Bundesregierung

5 months ago 6

Die Plattform bzw. App Doctolib kennen bestimmt viele Leser. Darüber kann man sich nach registrierten Ärzten aus der Umgebung umsehen und Termine vereinbaren. Funktioniert ganz gut und es lässt sich z. B. auch gezielt nach Optionen für Selbstzahler und Terminen für Kassenpatienten filtern. Doch das funktioniert leider nicht immer korrekt, weswegen die Verbraucherzentralen bereits geklagt haben. Und jetzt schaut auch die Bundesregierung genauer hin.

Ich selbst nutze Doctolib und kenne das Problem: Man sucht ausschließlich nach Terminen für Kassenpatienten, freut sich anschließend über zeitnahe Vorschläge, nur um dann zu erkennen, dass es doch nur Selbstzahler-Termine sind. Die freien Termine für Kassenpatienten liegen dann oft weiter in der Zukunft. Teilweise ist dieser Unterschied auch erst klar erkennbar, nachdem man auf einen vorgeschlagenen Arzt bzw. Terminvorschlag geklickt hat.

Deswegen hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Doctolib bereits im April 2025 verklagt. So unterstellt man der Plattform rechtswidrige Praktiken. Die Bundesregierung hat inzwischen auf eine kleine Anfrage der Grünen mitgeteilt, dass sie die private Vermittlung von Arztterminen ebenfalls beobachte (via Netzpolitik). Man wolle die aktuelle Situation im Hinblick auf Regulierungsbedarf prüfen.

Doctolib erklärt Anzeige von Selbstzahler-Terminen zum Kundenservice

Doctolib ist sich im Übrigen keiner Schuld bewusst. Vielmehr dreht man den Spieß um und stellt das eigene Verhalten als Kundenservice dar. So sei es sinnvoll, den Kassenpatienten Selbstzahler-Termine als Optionen ebenfalls anzuzeigen. Dann könnten diese schließlich selbst entscheiden, ob sie warten wollen oder lieber einen schnelleren Termin wahrnehmen möchten. Dem möchte man fast zustimmen, doch wenn ein Nutzer bewusst einen Filter setzt, um eben nur Termine für Kassenpatienten angezeigt zu bekommen, genau dieser Filter aber dann doch ausgehebelt wird, bleibt das fragwürdig.

Die eigentlichen Probleme gehen aber natürlich tiefer, denn es ist schlichtweg in unserem Gesundheitssystem immer schwieriger zeitnah einen Arzttermin zu bekommen – besonders bei Fachärzten. Am Ende werden aktuell zahlungskräftige Patienten bevorzugt, was zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in Bezug auf die Gesundheit führt.

Als Option: Man kann sich von seinem Hausarzt einen Dringlichkeitscode besorgen, wenn das eigene Problem dies hergibt. Damit kann man sich dann an die Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden und hat Anspruch auf eine Terminvermittlung zu einem Facharzt innerhalb von vier Wochen.

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