Spannende Geschichte: Anfang Dezember 2025 hatte ich darüber berichtet, dass ein unabhängiger Gutachter dem Datenatlas Bund der Bundesdruckerei ein verheerendes Zeugnis ausgestellt hatte. So bescheinigte ein Professor der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin der Lösung „Technik von vorgestern“. Die Bundesdruckerei wollte das nicht auf sich sitzen lassen und verteidigte ihr Projekt vehement. Genützt hat das nichts, denn inzwischen ist bekannt, dass das kostspielige Großprojekt krachend gescheitert ist.
So hat das Bundesfinanzministerium (BMF) das Projekt abgehakt und das Digitalministerium will es nicht übernehmen. Ergebnis: Der Datenatlas Bund ist offline und niemand will weiter verantwortlich dafür sein. Eigentlich sollte das Metadaten-Portal Behörden und Ministerien helfen, interne Daten der Bundesverwaltung effizienter aufzufinden, zu verknüpfen und letzten Endes zu nutzen. Doch dazu scheint es nicht mehr zu kommen. Bundesdruckerei und BMF geben sich dabei eher schmallippig. Sie erklären, das Vertragsverhältnis sei zum 31. Dezember 2025 beendet worden und die Bundesdruckerei damit kein Dienstleister mehr.
Pikant: Das überaus kritische Gutachten des erwähnten Professors wies die Bundesdruckerei noch im Dezember mit der Aussage zurück, dass die im Bericht angesprochenen Mängel längst beseitigt seien. Das Gutachten basierte angeblich auf veralteten Informationen aus dem Sommer 2025. In der zweiten Jahreshälfte seien die Punkte aber bereits angegangen worden. Dem widersprechen jetzt Angaben des Bundesfinanzministeriums. Letzteres erklärt, die Entwicklung des Datenatlas Bund sei offiziell im 1. Quartal 2025 abgeschlossen worden.
Am aktuellen Status Quo ändert das nichts. Weder die Bundesdruckerei noch das BMF fühlen sich noch zuständig. Demnach sei das Projekt an das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) übergeben worden. Doch das wollte das Projekt nicht haben und lehnte es als „nicht wirtschaftlich“ ab, wie ein Sprecher gegenüber netzpolitik.org mitgeteilt hat. Der Datenatlas hätte laut dem Ministerium noch intensive Entwicklungsarbeit benötigt, um daraus ein sinnvolles Werkzeug zu machen. Das klingt so, als ob das von der Bundesdruckerei scharf angegriffene Gutachten von der Realität wohl doch nicht allzu weit entfernt gewesen ist.
Gekostet hat der Datenatlas Bund bisher laut dem BMF ca. 24,6 Mio. Euro. Anonyme Quellen gehen aber von noch weit höheren Kosten aus. Gemessen an dem investierten Betrag ist am Ende offenbar nichts Sinnvolles dabei herausgekommen.
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1 month ago
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