Das Geheimnis von Dolby Vision: Das steckt hinter MEL und FEL

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 Das steckt hinter MEL und FEL Bild: LG

Dolby Vision ist ein dynamisches HDR-Format, das vermutlich den meisten Lesern ein Begriff ist. Was wiederum selbst technisch versierte Anwender oft nicht wissen: Dolby Vision existiert in sehr unterschiedlichen Facetten. Einerseits gibt es verschiedenste Profile mit unterschiedlichen, technischen Vorgaben. Andererseits gibt es noch mehr oder minder dezente Erweiterungen wie Dolby Vision mit Präzisionsdetail (Precision Detail). Doch vor allem ein zentraler Unterschied, der wohl den größten Einfluss auf die Bildqualität hat, ist fast schon ein „Geheimnis“: der Unterschied zwischen MEL und FEL.Zählpixel

Warum die Differenzierung so wichtig ist: Oft höre ich Kommentare, die behaupten, es gäbe kaum oder sogar keinen Unterschied zwischen HDR10 und Dolby Vision. Dann nehme ich sofort an, dass die Beteiligten noch nie Inhalte mit Dolby Vision FEL angesehen haben. FEL steht hier für „Full Enhancement Layer“. Dem gegenüber steht Dolby Vision MEL. MEL steht für „Minimum Enhancement Layer“. Der Qualitätsunterschied kann enorm sein, ist aber selbst vielen Technikliebhabern unbekannt. Genau das kann dieser Beitrag (hoffentlich) ändern.

Dolby Vision vs. HDR10: Diesen Vorteil habt ihr immer

Zunächst als Erinnerung: Einen zentralen Vorteil von Dolby Vision gegenüber HDR10 bieten sowohl die MEL- als auch die FEL-Version. Und das sind die dynamischen Metadaten bzw. das dynamische Tonemapping. Vereinfacht gesagt läuft es so: Wenn z. B. in Hollywood ein Film für die Wiedergabe mit HDR10 gemastert wird, dann müssen die Verantwortlichen einmalig statische Parameter für den gesamten Film definieren. Das heißt: Es spielt keine Rolle, ob der Film etwa eine Mischung aus sehr hellen Traumsequenzen und sehr dunklen Realszenen enthält – die definierten Werte für Kontraste, Helligkeit und Co. müssen über die gesamte Laufzeit gleich bleiben. Das bedingt Kompromisse.

 Das steckt hinter MEL und FEL

Dolby Vision umgeht diese Beschränkung durch dynamische Metadaten. Das heißt, hier können von Szene zu Szene bzw. sogar von Frame zu Frame neue Parameter greifen. Das gibt den Filmemachern viel mehr Spielraum für eine lebendige und vielseitige HDR-Darstellung. Nun könnte mancher Leser einwenden: „Na ja, mein Smart-TV lässt mich dynamisches Tonemapping auch bei HDR10 zuschalten. Wozu brauche ich dann Dolby Vision?“ Tja, was euer TV da macht, ist im Grunde das bloße „Erraten“ einer angepassten Gammakurve. Das Ergebnis hat oft nicht mehr so viel mit den Intentionen der Filmemacher zu tun.

Dolby Vision beinhaltet aber eben die wirklich von den Kreativen gewünschten, dynamischen Metadaten und beachtet damit die Wünsche der Filmemacher. Und diesen Vorzug bieten sowohl die MEL als auch die FEL-Version gleichermaßen. Doch dann gibt es zentrale Unterschiede.

Das ist Dolby Vision FEL

Dolby Vision FEL steht sozusagen für die „full fat“-Experience mit Dolby Vision. Denn der sogenannte Full Enhancement Layer ist im Grunde eine zusätzliche Bildspur, die Teil des Formats ist. Diese enthält nicht nur dynamische Metadaten, sondern tatsächlich auch ein zweites, zusätzliches Videosignal. Dadurch wird der Base-Layer mit einem vollwertigen Enhancement Layer, einem eigenen 1080p-Stream, kombiniert, um ein sich dem ursprünglichen 12-Bit-Master qualitativ anzunähern.

Auf diese Weise behebt man die Differenz zwischen dem Basis-Videostream mit 10 Bit in HDR10 und dem Studio-Master mit 12 Bit. Das ist also der eigentliche Punkt, aus dem Dolby Vision teilweise mit 12-Bit-Qualität beworben wird, auch wenn es formal zwei HEVC-Spuren mit 10-Bit bleiben. Doch der Einfluss geht weit darüber hinaus. Durch die zusätzliche 1080p-Bildspur können tatsächlich Kompressionsartefakte gemindert werden. Zudem können Details in Highlights oder im Schatten besser sichtbar werden als in der Single-Layer-HDR10-Spur. Auch die Farbtiefe erhöht sich.

Falls bei euch ein Fragezeichen auftaucht, weil man ein 4K-Bildsignal mit einer zusätzlichen 1080p-Spur kombiniert. Das erklärt sich dadurch, dass es sich um ein sogenanntes Differenzsignal handelt. Es soll also die Differenz zwischen der 10-Bit-HDR10-Basisspur und dem ursprünglichen 12-Bit-P3/Rec.2020-Master verringern. Da wäre ein zweites 4K-Signal Overkill. Vielmehr reicht eine zusätzliche 1080p-Spur aus, um sozusagen die Lücken zum 12-Bit-Master aufzufüllen.

Letzteres ist allerdings auf keinem aktuellen Fernseher komplett darstellbar, da es schlichtweg keine Consumer-TVs mit 12-Bit gibt. Allerdings kann dieses Verfahren unsaubere Farbverläufe (Banding) reduzieren, hat also dennoch einen Vorteil für die Farbdarstellung, der auch mit aktuellen 10-Bit-Panels voll erhalten bleibt.

Der große Haken: Dolby Vision FEL gibt es nicht im Streaming, denn es ist nicht nur hochwertig, sondern erfordert Ultra HD Blu-rays, also physische Medien mit dem entsprechenden Speicherplatz. Denn im Grunde werden hier synchron zwei Videostreams parallel übermittelt. Das ist den Streaming-Diensten wie Netflix nicht nur technisch zu aufwändig, sondern natürlich auch zu teuer.

Obendrein müssten Smart-TVs und Streaming-Player über Chips verfügen, die zwei HEVC-Streams parallel in Echtzeit decodieren können – auch das ist nicht der Fall. Dolby Vision FEL bleibt daher Ultra HD Blu-ray Playern und einigen High-End-Mediaplayern vorbehalten. Und: Selbst die Discs setzen oft nur auf MEL, FEL ist also eine Art Einhorn geworden. Kauft ihr eine UHD Blu-ray mit Dolby Vision, wird nirgends klar aufgeschlüsselt, ob MEL oder FEL verwendet worden ist. Wollt ihr das herausfinden, müsst ihr tief in die Welt der Filmforen eintauchen.

Das ist Dolby Vision MEL

Die Erklärung von Dolby Vision MEL kann ungleich kürzer ausfallen. Dies ist sozusagen die abgespeckte Basisversion des dynamischen HDR-Formats. MEL steht, wie eingangs schon verraten, für Minimum Enhancement Layer. Jetzt lasse ich die Bombe platzen: Im Streaming gibt es weder MEL noch FEL. Denn was euch im Streaming bei Apple TV, Disney+, Netflix und Co. serviert wird, ist regulär Dolby Vision in entweder dem Profil 5 oder Profil 8.1. Das sind Single-Layer-Profile komplett ohne Enhancement-Layer. Nur auf Discs kommt das Profil 7 zum Einsatz, welches eben in MEL und FEL unterscheidet.

Wobei man Dolby Vision im Streaming grob mit der Qualität von MEL vergleichen kann. Denn die dynamischen Metadaten werden übermittelt, jedoch direkt in den Single-Layer-Videostream eingebettet. Doch ich will euch MEL dennoch einmal kurz erklären. Ihr könnt ja im Kopf behalten, dass ihr im Streaming im Grunde eine vergleichbare Qualität erntet. Bei Verwendung von MEL gibt es durchaus, wie bei Dolby Vision FEL, immer noch einen zusätzlichen Layer. Allerdings handelt es sich im Falle von MEL eben nicht um eine gesonderte 1080p-Bildspur mit zusätzlichen Bildinformationen.

Deswegen hat Dolby Vision MEL ausdrücklich keinen Einfluss auf die Kompression oder könnte in Schatten und Highlights so wunderbar Details „hervorzaubern“. Stattdessen enthält der sogenannte Minimum Enhancement Layer eben auch nur das Minimum. Und das sind bei Dolby Vision mindestens die dynamischen Metadaten.

Dadurch ist diese Variante von Dolby Vision deutlich leichter zu verarbeiten und technisch anspruchsloser. In der Tat sind die Vorteile gegenüber HDR10 aber geringer und primär im verbesserten, dynamischen Tonemapping zu sehen. Streaming-Dienste bieten eine vergleichbare Qualität wie bei Dolby Vision MEL über ihr Profil 5 bzw. 8.1. Solltet ihr also bereits komplett auf Streaming umgestiegen sein, bleiben euch die größten Vorteile von Dolby Vision verwehrt. Und das dürfte sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

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