Crimson Desert im Test: Unendliche Möglichkeiten haben ihren Preis

3 weeks ago 9

„Crimson Desert“ ist letzte Woche für PC und Konsolen erschienen. Das massive Singleplayer-RPG des südkoreanischen Entwicklerstudios Pearl Abyss faszinierte schon weit vor Veröffentlichung Community und Presse. Vorabvideos zeigten schier unendliche Gameplay-Möglichkeiten, bildhübsche Grafik und eine riesige Spielwelt. Ich konnte mittlerweile die PC-Fassung für euch anspielen.

Ich selbst war dem Hype im Übrigen lange Zeit wegen eines Irrtums gar nicht verfallen: Anfangs wurde „Crimson Desert“ nämlich noch als MMORPG angekündigt, sodass ich den Titel innerlich sofort abgehakt hatte. Erst wenige Wochen vor Launch entdeckte ich dann, dass das Spiel doch in mein Raster fällt. Und tatsächlich kann Pearl Abyss viele seiner Versprechen halten. Die größte Stärke ist aus meiner Sicht die dynamische Spielwelt, die mich sofort an Titel von Bethesda erinnert hat.

Denn auch „Crimson Desert“ hat viele Ecken und Kanten, erlaubt es dem Spieler aber nach der kurzen Einführung sofort, seine eigenen Geschichten zu schreiben. Bereits in der Startregion habe ich mir als Kleptomane in solchen Titeln etwa eine Diebesmaske organisiert und unentdeckt in allen Häusern mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest gewesen ist. Doch bevor ich zu sehr ans Eingemachte gehe, folgt eine kurze Einführung.

Mein Test-System:

CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)

Die Stärken von „Crimson Desert“

„Crimson Desert“ ist ein Singleplayer-Rollenspiel, das in der fiktiven Welt Pywel spielt. Ihr schlüpft in die Rolle des festen Hauptdarstellers Kliff, einem Mitglied der Graumähnen, dessen Clan gleich zu Beginn des Spiels von den bitterbösen schwarzen Bären dahingemetzelt wird. Auch Kliff fällt eigentlich dem Angriff zum Opfer, ersteht aber mit neuen Kräften und einer neuen Aufgabe wieder auf. So will er nicht nur seine überlebenden Kameraden wieder vereinen, sondern auch Rache an den schwarzen Bären üben, bevor sie weitere Gräueltaten verüben.

Die Hauptgeschichte von „Crimson Desert“ ist dabei eher dröge und zudem teilweise schwer nachvollziehbar. In eurem Questlog tauchen neue Aufgaben auf, die euch zu bestimmten Orten oder Personen dirigieren. Woher Kliff davon erfahren hat und wie genau das die Story vorantreibt, bleibt aber zunächst oft nebulös. Auch der wortkarge Protagonist hat kaum Persönlichkeit und wird eher zu einem Gefäß, das ihr mit euren eigenen Gedanken füllen könnt.

Wie bereits angesprochen, brilliert „Crimson Desert“ aber mit seiner riesigen Spielwelt, in der nahezu jeder Schritt belohnend wirkt. Gerade in den ersten Spielstunden findet man ständig neue Objekte, die in Kliffs Wissensfundus vermerkt werden. Oder man beobachtet Gespräche von NPCs bzw. Kampfhandlungen und erlernt selbst neue Kniffe. Auch Loot ist bunt verstreut und bringt einem entweder schnelles Geld für bessere Ausrüstung oder direkte Boni. Quasi hinter jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Technik mit Ecken und Kanten

Auch die actiongeladenen Kämpfe machen Laune. Der Mix aus Ausweichen, Parieren und Draufhauen steuert sich zwar nicht immer präzise, aber ziemlich wuchtig und bleibt fair. Partikeleffekte garnieren das ganze Spektakel, während man mit Schwertern und Bögen direkt zu Anfang geschickt mehreren Banditen den Garaus macht. Die Steuerung ist dabei jedoch unnötig sperrig. Beispielsweise ist der Controller so belegt, dass dieselbe Taste bei kurzem Tastendruck einen Sprung auslöst und bei langem Halten Objekte einsammelt. Da ist es mir ständig passiert, dass ich etwas einsammeln wollte und stattdessen einen beherzten Hüpfer hingelegt habe. Und das ist nur ein Beispiel. Auch Personen über die Schultertasten erst für Gespräche anzuvisieren, fühlt sich etwa alles andere als elegant an.

Auch vor Bugs bleibt so ein massiver Titel wie „Crimson Desert“ zum Release nicht gefeit. Da clippen schonmal Personen oder Objekte durch Wände. Einmal habe ich auch ein Haus betreten, in dem ein Kind bequem in der Luft über seinem Hocker Platz genommen hatte. Ob da wohl schon ein Exorzist beauftragt wurde? Pop-in ist ebenfalls, selbst auf maximalen Einstellungen, deutlich sichtbar. Ziemlich nahe an der Spielfigur ploppt immer wieder feine Vegetation auf. Im Modus „Filmisch“ konnte ich zudem mit DLSS Quality und aktivierter Ray-Reconstruction keine konstanten 60 fps erreichen. Da hilft nur weiteres Herunterregeln oder auf 30 fps gehen. Jedoch bietet „Crimson Desert“ leider keine Option an, um die Bildrate zu begrenzen. Wer das wünscht, muss über den Treiber gehen.

Nvidias Ray-Reconstruction ist dabei dringend zu empfehlen, weil das hier obligatorische Ray-Tracing sonst sehr viel Noise und ein unruhiges Bild erzeugt. Grafisch ist „Crimson Desert“ auf maximalen Einstellungen auf jeden Fall ein Bringer. Auch hier wirkt die Spielwelt selbst aber viel prächtiger als die Charaktere, die ich da nicht an der Speerspitze sehe, besonders was die Animationen betrifft. Sprachausgabe gibt es im Übrigen nur auf Englisch. Auf Deutsch könnt ihr lediglich Untertitel genießen.

Das Wichtigste: Es macht Spaß

Ich habe, wie ihr sicherlich auch, schon viele andere Reviews zu „Crimson Desert“ gelesen. Die von mir genannten Schwächen, etwa der farblose Hauptcharakter oder die maue, wenig nachvollziehbare Geschichte, werden dabei auch von Kollegen oft angesprochen. Was dabei aber aus meiner Sicht oft verloren geht: Dieses Game ist, ganz ähnlich eben wie die besten Spiele von Bethesda, mehr als die Summe seiner Teile. Die große Freiheit, die man direkt nach dem Prolog genießt, erzeugte jedenfalls sofort bei mir das Gefühl, eine riesige Welt betreten zu haben, die ich gerne entdecken möchte. Und dass jeder Schritt irgendwie belohnt wird, verstärkt natürlich dieses Gefühl.

Auch finde ich gut, dass „Crimson Desert“ den Spieler nicht zu eng an die Hand nimmt. Anfangs rätselte ich etwa, warum die Interaktion „Stehlen“ bei mir nur ausgegraut gewesen ist. Um Sachen mitgehen zu lassen, muss man erst eine Maske finden, die man sich für solche Aktionen aufsetzen muss. Ist zwar irgendwie schwachsinnig, wenn man es hinterfragt, aber viele solcher Kniffe und Mechaniken entdeckt man beim Zocken ganz von alleine auf natürliche Weise. Es müssen keine Pfeile blinken, die einen dirigieren.

Obendrein peppt „Crimson Desert“ das Gameplay immer wieder mit neuen Elementen auf – schnell erhält man etwa einen Umhang, mit dem man durch die Spielwelt gleiten kann. Dann kommen unterschiedliche Reittiere, ein eigenes Hauptquartier, weitere spielbare Figuren und mehr dazu. So eine Frische fehlt vielen anderen Games. Ja, manches davon ist ziemlich sperrig oder wird unnötig kompliziert erklärt, etwa das Angeln, aber wer mag, findet immer etwas Neues, um sich einzufuchsen.

„Crimson Desert“ nimmt gewissermaßen viel, etwa müsst ihr euch mit der dümpelnden Story, dem stoischen Hauptcharakter und der sperrigen Bedienung arrangieren, gibt aber auch viel: eine massive und interessante Spielwelt, endlose Mechaniken und Belohnungen für jede freie Erkundungstour. Gewissermaßen setzt der Titel aber auch voraus, dass ihr viel Zeit investiert. Der echte Reiz offenbart sich oft erst, wenn ihr die Haupt- oder sogar Nebenquests links liegenlasst und eure eigenen Aufgaben sucht. Vielleicht wollt ihr wissen, was für ein Turm das da in der Entfernung ist? Oder ihr brecht in eine Villa ein, um eine Truhe zu knacken, und entkommt nur um Haaresbreite unentdeckt. Ihr sucht die Stadt immer wieder nach Kater XY ab, um sein Vertrauen zu gewinnen und ihn irgendwann zu eurem Haustier zu küren … All das ist möglich.

Mein Fazit zu „Crimson Desert“

„Crimson Desert“ ist ein episches RPG mit vielen Ecken und Kanten. Einige werden es lieben, andere werden es hassen. Viele werden aber auch irgendwo dazwischen landen. Denn der Titel bietet für fast jeden irgendeine Art der Zerstreuung, man muss aber oft auf eigene Faust danach suchen. Insofern handelt es sich hier um ein Rollenspiel, das es euch nicht nur ermöglicht, sondern gewissermaßen auch fordert, dass ihr eure eigenen Geschichten schreibt.

Mir persönlich hat das richtig gut gefallen, sodass ich mir gut vorstellen kann, dass „Crimson Desert“ nach ein paar Patches auf meiner Liste mit den besten Spielen des Jahres landet. Ihr bringt ausreichend Zeit mit und habt den Elan, euch auf die sperrigen Elemente dieses Games einzulassen? Dann kann ich euch das RPG nur ans Herz legen.

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