Creality Falcon T1 im Test: Ein Laser für (fast) alles

2 months ago 15

 Ein Laser für (fast) alles

Der Markt für Lasergravierer wächst mindestens genauso schnell wie der Markt für 3D-Drucker. Wer Holz schneiden möchte, greift zum Diodenlaser. Soll Metall dauerhaft markiert werden? Faserlaser! Für Glas wiederum wird am ehesten ein UV-Laser benötigt. Am Ende stehen drei verschiedene Maschinen in der Werkstatt, nehmen Platz weg und kosten halt alle ihr eigenes Sümmchen.

Hier setzt der Creality Falcon T1 an, bei dem man ein Basisgerät erhält, in das verschiedene Lasermodule per Plug-and-play eingesetzt werden können. Anstatt komplette Maschinen zu tauschen, wechselt man also lediglich den Laserkopf.

Ich durfte das Gerät nun für eine gewisse Zeit in meiner Werkstatt testen, habe hierfür neben dem 40-W-Diodenlaser auch noch den 20-W-Faserlaser erhalten. Zudem sind 5W-UV- und 60W-MOPA-Laser laut Creality auch noch unterwegs hierher. Hierzu gibt es  dann ein späteres Extra-Review.

Das Design des Falcon T1 erinnert an einen PC-Tower. Das Gerät ist vollständig geschlossen, dadurch erreicht das Modell die Schutzklasse 1. Eine Schutzbrille wird im regulären Betrieb bei geschlossenem Deckel nicht zwingend benötigt, da das Sichtfenster die Strahlung filtert.

Integrierte Sensoren überwachen den Prozess. Schutzbrille sollte aber so oder so zum Standard gehören, wenn man mit solchen Geräten agiert. Mit Abmessungen von etwa 46 mal 31 mal 51 Zentimetern und einem Gewicht von knapp 25 Kilogramm nimmt der T1 ordentlich Platz auf der Werkbank ein.

 Ein Laser für (fast) alles

Hier der T1 neben dem Falcon A1 Pro und dem Luftreiniger AP1 mini

Das Gewicht ist ebenfalls zu bedenken. In meinem Fall steht der T1 auf der Werkbank, ohne Auszugsystem oder Drehteller darunter. An genau so einer Lösung feile ich aber aktuell, weil 25 kg zum schnellen Modulwechsel mit der Zeit echt schwer vorzuwuchten sind.

 Ein Laser für (fast) alles

 Ein Laser für (fast) alles

Öffnet man den Deckel während eines Laservorgangs, stoppt der Laser automatisch. Hinzu kommen eine Flammenerkennung, ein Not-Aus-Schalter und ein Sicherheitsschlüssel in Form eines USB-Dongles. Ohne diesen Schlüssel lässt sich die Maschine gar nicht erst einschalten.

 Ein Laser für (fast) alles

Im Gehäuse ist ein Abluftventilator verbaut, der Rauch und Dämpfe über einen Schlauch nach draußen befördert. Wer keine Möglichkeit hat, die Abluft aus dem Fenster zu leiten, kann einen passenden Desktop-Filter anschließen - den hat Creality mir passenderweise direkt mitgeliefert.

Bei Arbeiten mit viel Rauchentwicklung ist dennoch ein klein wenig Geruch im Raum wahrnehmbar. Ein störender Faktor kann die Geräuschentwicklung des Geräts sein. Die verbauten Lüfter arbeiten auf einem hohen Niveau, was in einem stillen Büro auf Dauer anstrengend werden könnte. Hier draußen in der Werkstatt schert mich das überhaupt nicht.

 Ein Laser für (fast) alles

Die Technik im Inneren unterscheidet sich grundlegend von typischen Portal-Lasern. Der Falcon T1 arbeitet mit einem Galvanometer-System, kurz Galvo. Bei einem Gantry-System fährt der gesamte Laserkopf auf Schienen über das Material. Das kostet Zeit.

Ein Galvo-Laser bleibt fest an seiner Position. Im Laserkopf sitzen kleine Spiegel, die den Strahl in Millisekunden über die Arbeitsfläche lenken. Das Resultat ist eine hohe Geschwindigkeit. Werte von bis zu zehntausend Millimetern pro Sekunde sind hier erreichbar. Ein Schriftzug oder ein Logo auf einer Fotopapierkarte ist in wenigen Sekunden fertig - und nicht nur da.

Das Galvo-Prinzip bringt aber auch einen physikalischen Nachteil mit sich, den man kennen sollte. Da der Strahl von einem zentralen Punkt aus abgelenkt wird, trifft er nur in der Mitte der Arbeitsfläche im rechten Winkel auf das Material.

Je weiter der Strahl an den Rand der 175 mal 175 Millimeter großen Arbeitsfläche wandert, desto schräger trifft er logischerweise auf. Beim reinen Gravieren fällt das kaum auf. Wer dicke Holzplatten schneiden möchte, wird an den Rändern aber schräge Schnittkanten bemerken. Für den Bau von Modellen mit passgenauen Steckverbindungen eignet sich dieses System daher also weniger. Der Fokus liegt auf der Gravur und Oberflächenbearbeitung.

 Ein Laser für (fast) alles

Fünf verschiedene Lasermodule bietet der Hersteller für das System an. Für Arbeiten mit Holz, Leder, Pappe und Acryl stehen Diodenlaser mit 20 Watt oder 40 Watt Leistung zur Verfügung. Diese arbeiten mit einer Wellenlänge von 455 Nanometern. Sie schneiden dünnes Sperrholz und brennen Grafiken in Schiefer oder Leder. Der Modulwechsel gestaltet sich simpel.

Über das Menü am seitlich angebrachten Touch-Display fährt die Halterung nach oben. Ein Knopfdruck löst das Modul, das neue rastet mit einem Klicken ein. Nach jedem Wechsel fordert die Software dann aber eine Kalibrierung des Autofokus und der Linse. Dieser Prozess dauert wenige Minuten und wird mithilfe mitgelieferter Testkarten durchgeführt. Jene sollten aber als Verbrauchsmaterial betrachtet werden, da viele der Kalibrierungsmittel per Laser bearbeitet und anschließend gescannt werden.

 Ein Laser für (fast) alles

Um Metallteile zu bearbeiten, kommt das 20 Watt starke Faserlaser-Modul zum Einsatz. Diodenlaser scheitern an blankem Metall, da das blaue Licht reflektiert wird. Sie hinterlassen oberflächliche Spuren, für die Hilfssprays nötig sind. Der Faserlaser arbeitet im Infrarotbereich bei 1064 Nanometern. Dieses Licht dringt in das Metall ein.

Er graviert Edelstahl, Aluminium und Messing tief und dauerhaft. Das Entrosten von altem Werkzeug funktioniert damit auch. Auf lackierten oder eloxierten Visitenkarten aus Metall erzeugt der Faserlaser Kontraste, indem er die oberste Schicht abträgt und das helle Grundmaterial freilegt. Die Ergebnisse wirken professionell und sind abriebfest, zudem ist das alles so enorm schnell gelasert, dass ich gerade einmal auf Start drücken kann und noch nicht einmal zum Filmen komme.

Die Vorbereitung der Gravur erfolgt in der Software. Der Falcon T1 unterstützt das Programm LightBurn per dediziertem Profil, liefert aber mit dem Falcon Design Space eine hauseigene Lösung mit, die ich nun selbst zuletzt schon mit dem Falcon A1 Pro ausprobieren durfte.

Die Bedienung der Hersteller-Software ist auf Einsteiger zugeschnitten und bietet Vorlagen nebst diversen KI-Lösungen, die beim schnellen Erstellen von Tiefenkarten für Relief-Lasern und so weiter helfen können.

 Ein Laser für (fast) alles

Ein Pluspunkt ist die integrierte Kamera im Gehäuse des Lasers. Sobald das Material auf der Bodenplatte liegt, misst der Autofokus die Materialdicke. Die Kamera knipst ein Foto und überträgt es in die Software - sofern die Kamera zu Beginn korrekt und ausgiebig kalibriert wurde.

Man zieht seine Grafik auf dem Bildschirm auf die abgebildete Fläche. Die Positionierung gelingt damit äußerst treffsicher und wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den Laser die Außenkontur der Grafik per Leuchtpunkt auf dem Werkstück abfahren, bevor der Laservorgang startet.

Zudem kann das Gerät wahnsinnig detailreich in Schiefer und ähnliche Materialien reingravieren, da gibt es aber dennoch ein kleines Manko. Denn wo gearbeitet wird, da fallen Späne. In dem Fall hier ist das eine Menge Stein- oder was für ein Material auch immer ihr mit einem Relief versehen wollt -Staub.

Der wird zwar bereits durch die Absauganlage einigermaßen gut dezimiert, das nachträgliche Aussaugen des T1-Innenlebens bleibt meist aber dennoch nicht aus. Zudem können solche Reliefs sehr viele Stunden in Anspruch nehmen. Wenn man dann wie ich nach knapp 8 Stunden Lasern die Schieferplatte fallen lässt, weil man über die Türschwelle stolpert, dann ist das nicht nur dämlich, sondern doppelt unschön.

Bis dahin sah das Ergebnis aber ausgesprochen überzeugend aus. Das Motiv selbst wurde mit einem Bild ins KI-Tool vom Falcon Design Space geladen, jenes wandelt das Bild dann automatisch in eine Reliefkarte um, die schließlich auf den Arbeitsbereich angewendet werden kann.

 Ein Laser für (fast) alles

Ein weiteres Anwendungsszenario ist die Bearbeitung von Smartphone-Hüllen aus Kunststoff. Da Kunststoffe je nach Zusammensetzung unterschiedlich auf den Laser reagieren, bietet sich eine niedrige Leistung in Kombination mit einer hohen Geschwindigkeit an.

Der Laser trägt in diesen Fällen nur die oberste Pigmentschicht ab, wodurch ein heller Kontrast entsteht, ohne das Gehäuse zu schmelzen. Auch Lederpatches mit selbstklebender Rückseite können bearbeitet werden, wobei Schriften dank des feinen Lasers ausgezeichnet lesbar bleiben, sofern der Fokus exakt eingestellt ist.

Nach dem Gravieren von Holz bleibt oft eine Schicht aus Asche auf dem Werkstück zurück, die sich mit einer feinen Bürste entfernen lässt, um die Gravur freizulegen. Lange Projekte erfordern auf jeden Fall Geduld und den Einsatz des Abluftfilters, da die Rauchentwicklung im Inneren des Gehäuses zunimmt.

Soll nicht heißen, dass das Holzlasern mit dem T1 nun mit einem Mal besonders aufwendig ist - das geht auch hier sehr zügig vonstatten. Nachbearbeiten sollte man seine Resultate aber dennoch - nicht nur beim T1.

Der Haken an der Galvo-Technik ist das begrenzte Arbeitsfeld: 175 mal 175 Millimeter sind für viele Business-Anwendungen wie Visitenkarten, Schmuckanhänger, Firmenschilder in Kleinformat oder Gravuren auf Trinkflaschen völlig ausreichend, für große Flächen oder Möbel, etc. reicht das Feld allerdings nicht annähernd aus. Wer öfter größere Werkstücke bearbeiten möchte, ist mit einem klassischen, größeren Gantry-Lasercutter besser bedient.

 Ein Laser für (fast) alles

Nicht getestet, aber gibt es: Für die Serienproduktion bietet das System optionales Zubehör an. Ein Förderband lässt sich mittig in das Gerät einbauen. Damit vergrößert sich die Arbeitsfläche in der Länge, längere Werkstücke lassen sich dann schrittweise durch das Gehäuse fahren.

Cool ist auch die Stapelverarbeitung. Man legt mehrere Objekte, wie etwa Dog-Tags, auf das Förderband, die Kamera erfasst die Teile, und eine KI-Funktion in der Software platziert die gewünschte Grafik auf allen Objekten. In der Praxis funktioniert das bei groben Platzierungen.

Wenn die Grafik exakt zentriert oder randnah sitzen muss, offenbart die Automatik aber kleine Toleranzen. Manche Motive geraten aus der Mitte. Für Serienfertigungen bleibt die manuelle Ausrichtung also weiterhin die sicherere Wahl, ich empfinde die KI-Lösung aber dennoch sehr nützlich zur Vorbereitung. Neben dem Förderband ist eine Rotationsachse als Zubehör verfügbar, um zylindrische Gegenstände wie Ringe oder Thermobecher zu gravieren.

 Ein Laser für (fast) alles

Die Zielgruppe dieses Geräts definiert sich am Ende über den Preis und den Funktionsumfang. Ein Hobbybastler, der zweimal im Jahr einen Schlüsselanhänger aus Holz bastelt, wird das Budget für Maschine und Zusatzmodule scheuen. Der Falcon T1 richtet sich an ambitionierte Maker und Kleinunternehmer, die verschiedene Materialien bearbeiten wollen, ohne ihre Werkstatt mit Maschinen vollzustellen.

Die hohe Geschwindigkeit des Galvo-Systems spart in der Produktion Zeit. Wer viele identische Teile mit Logos oder Texten versehen muss, profitiert davon, man muss aber natürlich dennoch bereit sein, sich mit den Einstellungen für Leistung, Geschwindigkeit und Frequenz bei den unterschiedlichen Materialien auseinanderzusetzen. Wer die richtigen Parameter gefunden hat, erzielt beim T1 locker reproduzierbare Ergebnisse.

Abschließend kann gesagt werden, dass der Hersteller mit diesem 5-in-1-System einen interessanten Weg einschlägt. Die Kombination aus Basisstation und Wechselmodulen reduziert den Platzbedarf.

Die Verarbeitung des Gehäuses ist solide, und die Sicherheitsausstattung ist auf einem aktuellen Stand. Preislich sollte man aber dennoch im Auge behalten, dass man hier schnell weit über 10.000 Euro loswerden kann, wenn man meint, alle Module sein Eigen nennen zu wollen - und dann gibt es ja noch das zusätzliche Zubehör.

 Ein Laser für (fast) alles

Die Software-Integration samt Kamera erleichtert den Einstieg. Dennoch bleibt es ein Werkzeug, das eine Einarbeitungszeit erfordert. Die Eigenheiten eines Galvo-Lasers müssen beim Schneiden einkalkuliert werden, und die Automatikfunktionen für die Massenproduktion haben noch Luft nach oben.

Wer primär graviert und Flexibilität bei den Werkstoffen sucht, findet hier ein umfassendes Werkzeug für den Schreibtisch. Das Konzept, mehrere Laserklassen in einem geschlossenen, sicheren Gehäuse zu bündeln, ist clever gelöst und dürfte vor allem kleinen Betrieben, Makerspaces und ambitionierten Hobbyisten mit breitem Materialspektrum entgegenkommen.

Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kauft ihr darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision - ohne Aufpreis für euch und ohne Einfluss auf unsere redaktionelle Meinung.

Read Entire Article